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Wellen, Wind und Wandern – oder warum die Göteborger Schären auch in der Nebensaison ein Highlight sind

Typisch und idyllisch: rote Bootshäuser auf Öckerö

Die schwedischen Schären sind ein Sommerparadies. Dann pulsiert hier das Leben. Wir wollen die Göteborger Schären auch einmal in der Nebensaison im April erleben und entdecken eine windige, aber sonnige Oase der Ruhe.

Und noch etwas anderes ist neu: Den Göteborger Schären haben wir schon öfters einen Besuch abgestattet. Der nördliche Teil der Göteborger Inselwelt ist bequem mit dem Auto zu erreichen. Die gelben Fähren, die einen von Insel zu Insel bringen, sind Teil des Straßennetzes und daher kostenlos. Mit dem Auto auf den Schären unterwegs zu sein, hat einige Vorteile, da man schnell und unkompliziert von einer schönen Stelle zur nächsten gelangen kann. Da wir dieses Mal mit dem Flugzeug nach Göteborg reisen und daher kein Auto haben, testen wir den öffentlichen Nahverkehr und sind überrascht, wie einfach und schnell der Weg ist. Raus aus der Stadt und rein ins Inselparadies in nur einer Stunde! Mit dem Auto geht das nicht wirklich viel schneller. Vom Göteborger Busbahnhof Nils Ericsson Terminalen nehmen wir den Bus 290, der uns ohne Umstieg bis vor unsere Jugendherberge bringt. Kleiner Vorteil im Gegensatz zum Auto: Bei der Fähre hat der Bus Vorfahrt und darf sich an allen wartenden Pkws vorbeidrängeln.

Urlaubsfeeling auf der Überfahrt

Die zwanzigminütige Überfahrt stimmt uns ein auf den ganz besonderen Charme der Schären. Der Wind weht kräftig aus Nordwest, doch die Sonne scheint von einem wolkenlosen blauen Himmel. Und das obwohl unbeständiges Wetter mit Schauern vorhergesagt war. Aprilwetter am Meer ist offensichtlich noch launischer als gewöhnliches Aprilwetter. Während die Fähre ein wenig durchgeschaukelt wird, ziehen auf den Klippen und Felsen rote und weiße Häuser an uns vorbei, Möwen kreischen am Himmel, der Kurzurlaub beginnt. Anders als im Sommer sind allerdings noch keine Segelboote zu sehen, die während den warmen Monaten das Meer zwischen den Inseln bevölkern.

Fähre in den Göteborger Schären
Eine der kostenlosen, gelben Fähren, die zwischen den nördlichen Göteborger Schären verkehren.

Der Bus bringt uns nach Öckerö, wo wir im Nimbus Gården übernachten. Die Jugendherberge in kirchlicher Trägerschaft ist hinsichtlich der Ausstattung zwar eher einfach (aber dennoch sauber), sie kann jedoch durch ihre Lage punkten. Denn diese ist wirklich traumhaft. Direkt am Meer und einem kleinen Hafen gelegen haben die meisten Zimmer, auch unseres, direkten Meerblick. Nur fünf Meter vom Fenster entfernt blinkt schon das Wasser.

Zweiter Vorteil des Nimbus Gården: Mit 600 Kronen (ca. 65 Euro) für zwei Personen pro Nacht ist er im Vergleich zu den meisten schwedischen Hotels günstig. Für einen geringen Aufpreis kann man ein Frühstücksbuffet hinzubuchen, das vom extrem freundlichen Personal im Speisesaal – natürlich ebenfalls mit Meerblick – angerichtet wird. Wir essen hier erst einmal zu Mittag. Im dagens lunch für 95:- SEK steht heute Fisch mit Kartoffeln auf dem Plan. Salat und Kaffee sind wie beim dagens lunch üblich selbstverständlich inklusive.

Wind und Wellen in den Göteborger Schären

An einem stürmischen Tag wie heute wollen wir natürlich Wind und Wellen genießen. Also machen wir uns auf den Weg durch den Ort zum Westteil der Insel. Ursprünglich wurden die Fischerdörfer auf den Schären windgeschützt meist auf der Ostseite, die zum Festland zeigt, errichtet. Doch Öckerö wächst und dehnt sich aus, sodass die neugebauten Häuser dem Westufer immer näher rücken. Aber noch ist dieses Ufer nicht zugebaut. Wir gehen an der Kirche vorbei Richtung Badestrand. Vom Wind gebeugte Bäume, Sträucher und Schilf säumen den Weg, dann stehen wir an einer kleinen Bucht, in die die Wellen hereinrollen.

Von hier aus gehen wir weiter auf die von den Gletschern während der letzten Eiszeit rundgeschliffenen Felsen, die die Schären in dieser Gegend prägen. Man kann nahezu endlos von Fels zu Fels hüpfen, wandern und klettern. Heute aber kostet es schon Kraft, einfach nur an Ort und Stelle stehen zu bleiben und dem Wind zu trotzen, der nun ungehindert stürmen kann. Es ist kalt, die Augen tränen, aber wir könnten lange hier bleiben und den Wellen, der Gischt und den Möwen zuschauen. Es ist, als würde der Wind jeden Alltagsstress wegblasen. Wir klettern noch ein wenig weiter über Fels und Klippe, ehe wir uns bei ICA eindecken, zurück zur Jugendherberge gehen und in der perfekt ausgestatteten Selbstbedienungsküche das Abendessen zubereiten.

Typisch und idyllisch: rote Bootshäuser auf Öckerö

Keine Pferde und kaum Menschen auf Rörö

Am nächsten Tag nehmen wir den Bus bis zur Endhaltestellte Bürö, steigen dort in eine der kostenlosen, gelben Fähren um und fahren bis zur nördlichsten der nördlichen Göteborger Schären, Rörö. „Rör“ stammt vermutlich aus dem Altnordischen und heißt so viel wie „Schilf“. Rörö ist folglich die Schilfinsel, wovon wir zunächst aber nichts sehen. Denn wir werden von einem heimeligen Örtchen in Empfang genommen.

Rote Fischerhütten, weiße Häuser, wenig Menschen. Man könnte es als ausgestorbenes Nest bezeichnen. Oder als Oase der Ruhe. Beides ist richtig. Immerhin gibt es hier sogar einen Supermarkt. Die Besiedlung von Rörö ist bis ins 15. Jahrhundert zurück belegt. Es lebten also bereits Fischer auf dieser entlegenen Insel, bevor die Stadt Göteborg gegründet worden ist.

Wir wandern an der südlichen Küste entlang, lassen einen wunderschönen, aber noch einsamen Sandstrand links liegen (zum Baden ist es doch noch etwas zu kalt) und betreten kurz darauf ein Naturschutzgebiet. Über mehrere Kilometer folgen wir dem gut ausgeschilderten Wanderweg, der entlang der Küste nach Norden führt. Das Ufer ist übersät von großen runden Kieselsteinen, die aus der Eiszeit stammen, weshalb Rörö auch für Geologen spannend ist. Im Sommer sollen Islandpferde und Schafe hier frei weiden. Wir sind wohl aber noch zu früh und sehen keine Vierbeiner, dafür umso mehr Möwen, Gänse, Schwäne und andere Vögel. Irgendwo windgeschützt in den Felsen machen wir Rast, genießen die Sonne, schauen den Wellen zu. Während der ganzen Zeit begegnen wir nur einem einzigen Spaziergänger und seinem Hund. Einsamkeit pur. Herrlich!

Traumhaftes Wetter in den Göteborger Schären
Der beschauliche Bootshafen von Rörö

Lecker essen auf Hönö

Abends wollen wir wieder etwas unter Leute kommen. Im Hafen von Hönö soll es ein leckeres Restaurant geben, das Tullhuset. Jetzt spüren wir die Nachteile, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein. Die etwa fünf Kilometer wären mit dem Auto in wenigen Minuten geschafft. Der Bus fährt aber nicht direkt hin. Wir müssen also umsteigen, wodurch die Fahrtzeit über eine halbe Stunde beträgt. Zurück würde es sogar eine ganze Stunde dauern. Das ist uns dann doch zu viel, weshalb wir einfach zu Fuß gehen.

Das Tullhuset liegt am Kai ganz draußen. Wieder einmal sitzen wir dem Meer ganz nah. Die Speisekarte ist übersichtlich, was ein Qualitätsmerkmal ist. Fünf Hauptgerichte – Fisch und Schalentiere – stehen zur Auswahl. Wir nehmen den Saibling, gönnen uns ein Glas Wein aus der gut sortierten Weinkarte und … genießen. Der Fisch schmeckt traumhaft. Perfekt gewürzt, zart, ein Gedicht. Trotz der nicht ganz billigen Preise (für schwedische Verhältnisse jedoch durchaus im Rahmen; der Saibling kostete 269:- Kronen, etwa 30,- Euro) also ein ganz klare Empfehlung für das Tullhuset!

Das Tullhuset auf Hönö – ein gemütliches Restaurant mit extrem leckerem Fisch

Tags darauf ist unser Kurzurlaub schon wieder vorbei. Mit dem Bus fahren wir zurück in die Stadt, bummeln noch ein wenig, gönnen uns den obligatorischen Blåbärspaj im Café Husaren in Haga, ehe wir zum Flughafen Landvetter müssen, von wo aus wir zurück nach Berlin fliegen.

Trotz niedriger Temperaturen lohnen sich die Schären also auch in der Nebensaison. Wir können empfehlen:

  • Ruhe und Entspannung (eigentlich überall)
  • Genießen von Wind, Wellen, Meer und Felsen (fast überall auf den Schären; besonders schön: Öckerö und Hönö)
  • Übernachten im Nimbus Gården (günstig, einfach, ganz nah am Wasser)
  • Wandern auf Rörö
  • Essen im Tullhuset auf Hönö

Mehr Bilder von unserem April-Trip auf die Göteborger Schären findest du hier.