Schlagwort: schwedische literatur

Schwedisch lernen – aber wie? 13 Tipps

Schwedisch lernen

Wenn du Schweden und die Schweden wirklich kennenlernen willst, dann solltest du Schwedisch lernen. Die Sprache öffnet Türen zur Kultur und zum Verständnis des Landes, vor allem aber öffnet sie die Menschen. Die meisten Schweden sprechen wunderbar Englisch. Du kannst also problemlos damit durchkommen. Wenn du jedoch enger mit ihnen in Kontakt treten willst, wenn vielleicht sogar eine Freundschaft entstehen soll – und zwar keine oberflächliche –, dann kommst du mit Schwedisch deutlich weiter. Außerdem macht es Spaß, Schwedisch zu lernen. Und so schwer ist es gar nicht.

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23 schwedische Bücher, die einen Platz in deinem Bücherregal verdient haben

Schwedische Bücher lesen

Puh – einen Kanon der wichtigsten schwedischen Bücher zusammenstellen? Ist das nicht unmöglich? Und zudem vollkommen vermessen? Vielleicht. Aber es gibt einige schwedische Bücher, die aus der Fülle der schwedischen Literatur herausragen und die viel über das Land und seine Bewohner erzählen. Wir haben daher versucht, die 23 wichtigsten Bücher zu ermitteln.

Eine solche Liste ist natürlich immer subjektiv. Jeder wird seine Liste anders gestalten. Um möglichst objektiv zu sein, haben wir drei bereits bestehende Rankings als Grundlage und Orientierung genommen:

  1. das Projekt Runeberg, bei dem 1998 die Schweden über die 100 wichtigsten schwedischen Bücher des 20. Jahrhunderts abstimmen konnten,
  2. die Auflistung der 50 Bücher, die Schweden formten, welche das Magazin Neo 2013 zusammen mit drei Literaturwissenschaftlern erstellte,
  3. und schließlich die sog. „Världsbibliotek“ – eine von schwedischen Autoren, Literaturwissenschaftlern, Buchhändlern u.a. ausgewählte Sammlung der 100 wichtigsten Werke der Welt.

Diese drei Listen haben wir verglichen, wir haben alle Sachbücher rausgestrichen und uns auf diejenigen Werke konzentriert, die viel über Schweden erzählen oder die in Deutschland eine besondere Wertschätzung genießen.

Und das ist unser Ergebnis: 23 wichtige schwedische Bücher (ohne Sachbücher), die es verdient haben, in dein Bücherregal oder auf deinen Reader zu wandern.

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23. Sven Nordqvist: Pettson och Findus (1984 – …)

Der alte Pettersson lebt zusammen mit ein paar Hühnern, kleinen Wesen namens „Mucklor“ und der Katze Findus auf seinem überschaubaren Hof. So weit, so unspektakulär. Doch die Kinderbücher sind nicht nur für Kinder ein Vergnügen, sondern auch für die vorlesenden Erwachsenen. Denn der feine Humor und vor allem die wunderbar detailreichen Illustrationen lassen einen die Bücher wieder und wieder durchblättern – und jedes Mal entdeckt man ein neues, witziges Detail.

Die Bücher von Pettersson bzw. Pettson und Findus im schwedischen Original sind übrigens sehr gut dafür geeignet, Schwedisch zu lernen. Nicht allzu schwer, humorvoll, alltagsnah.

 

22. Tomas Tranströmer: 17 Dikter (1954)

2011 erhielt Tranströmer den Literatur-Nobelpreis, obwohl sein Gesamtwerk* nur etwa 500 Seiten ausmacht. Doch genau das ist der Kern seines lyrischen Schaffens: absolute Verdichtung. Bereits in seinem Debütband „17 Dikter“ zeigt er dieses Können. In Haikus und anderen gebundenen Formen verdichtet er Bilder und Metaphern, legt sie zum Teil übereinander und fordert somit die Assoziationskraft des Rezipienten heraus.

 

21. Astrid Lindgren: Alla vi barn i Bullerbyn (1947)

Der ehemalige Leiter des Stockholmer Goethe-Instituts, Berthold Franke, meinte einmal, viele Deutsche litten am „Bullerbü-Syndrom“, wenn sie an Schweden dächten. Das Bullerbü-Schweden sei eine Art Traum von einer idealen Welt mit einer intakten Gesellschaft und unberührter Natur. Ganz gleich, ob er damit nun Recht hatte oder nicht, fest steht, dass die Welt der „Kinder aus Bullerbü“ eine ziemlich heile ist. Die Kinder aus dem Nord-, Mittel- und Südhof spielen unaufhörlich, erleben (meist kleine) Abenteuer und genießen dabei ihre Kindheit in Småland. Eine Kindheit, wie sie auch Astrid Lindgren hatte und die sie in den Bullerbü-Büchern aufleben ließ. Und damit prägte sie ein Bild von einem romantischen Schweden, dem man nur zu gerne hinterherträumt. Willkommen, Bullerbü-Syndrom!

 

20. Jan Guillou: Ondskan (1981)

Die schwedische Schule ist demokratisch, lässt keinen zurück und ist anderen Ländern ein Vorbild? Ja, heute mag das so sein. Nicht aber in den 1950er Jahren. Der schwer erziehbare Erik Ponti muss auf ein Internat, auf dem die Lehrer die Schüler mehr oder weniger sich selbst überlassen und sich eine gnadenlose sadistische Hierarchie entwickelt. Erik reagiert auf Gewalt mit Gewalt. Aber ist das der richtige Weg?
Jan Guillou verarbeitet in seinem wichtigsten Roman in Teilen eigene Erfahrungen. „Das Böse“ ist ein herausragendes Werk gegen Gewalt.

 

19. Ulf Lundell: Jack (1976)

Mit „Jack“ schaffte Ulf Lundell sofort den Durchbruch. Ein Roman über die Jugend in den 1970er Jahren – kraftvoll, lebendig und düster zugleich, eine Bibel für die damalige schwedische Jugend. Popliteratur, wie man sie sich wünscht.

Ulf Lundell schreibt nicht nur tolle Bücher, es ist vor allem auch ein begnadeter Musiker.

 

18. Marianne Fredriksson: Anna, Hanna och Johanna (1994)

Anna, Hanna und Johanna (bzw. „Hannas Töchter“, wie das Buch in der deutschen Übersetzung heißt) sind alle Teil einer Familie, aber in unterschiedlichen Generationen. Die Erzählung setzt 1871 ein und endet zum Zeitpunkt der Entstehung des Romans. Entlang den Lebenslinien der drei Frauen kann der Leser die Entwicklung Schwedens vom armen, bäuerlich strukturierten Land, über die dynamische Entwicklung der Großstädte bis hin zum Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg nachvollziehen.

 

17. Karin Boye: Kallocain (1940)

„Kallocain“ ist die bedeutendste schwedische Dystopie. Die Entwicklungen in Nazi-Deutschland und in der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg inspirierten Boye zu diesem düsteren Entwurf einer Zukunft, in der der Staat die volle Kontrolle über die einzelnen Individuen hat und jeder Einzelne ständig überwacht wird. Düster, bitter, aber stets auch mit einem Fünkchen Hoffnung.

 

16. Gösta Knutsson: Pelle Svanslös på äventyr (1939)

Pelle Svanslös ist neben Findus wohl Schwedens bekannteste Katze und von vielen bis heute geliebt. Gösta Knutsson ist es mit Pelle Svanslös gelungen, mit Humor und einfachen Texten und Bildern humanistische Werte in die schwedischen Kinderzimmer zu transportieren. Der deutschen Übersetzung „Moritz Stummel“ gelang dies nie im gleichen Maß. Ob das wohl an dem – nun ja – etwas verunglückten Namen der Übersetzung lag?

 

15. Moa Martinsson: Mor gifter sig (1936)

„Mutter heiratet“ ist der erste Teil der autobiografischen Trilogie über das arme Schweden und das Leben der Arbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Besonders ist die Romanreihe auch deswegen, weil Moa Martinsson die einzige nennenswerte proletarische Schriftstellerin dieser Zeit ist. Die weiteren Teile sind „Kyrkbröllop“ („Kirchliche Trauung“) und „Kungens rosor“ („Die Rosen des Königs“).

 

14. Stieg Larsson: Millenium-Trilogie (2005-2007)

Die Millenium-Trilogie aus der Feder von Stieg Larsson verkaufte sich weltweit über 60 Millionen (!) Mal. Das Tragische daran: Der Autor konnte seinen eigenen Erfolg nicht mehr miterleben, denn er starb bereits 2004 an einem Herzinfarkt. Glücklicherweise hatte er zu diesem Zeitpunkt alle drei Bände („Män som hatar kvinnor“, „Flickan som lekte med elden“ und „Luftslottet som sprängdes“ (im Deutschen „Verblendung“, „Verdammnis“, „Vergebung“)) fertig geschrieben. Sonst hätten wir nie Lisbeth Salander kennen gelernt, diese feministische, linke, autistische, punkige, saucoole Hackerin, deren Kindheit und Jugend an Tiefpunkten kaum mehr zu überbieten ist. Und uns würden drei extrem spannende Bücher im Regal fehlen.

An einem vierten Band arbeitete Larsson, als er starb, sodass dieser unvollendet blieb. David Lagercrantz kam die Ehre zu, die Trilogie fortzuführen. 2015 erschien so der vierte Band („Det som inte dödar oss“*).

 

13. Harry Martinson: Aniara (1956)

Harry Martinsons Leben ist beinahe so abenteuerlich wie das Schicksal der Besatzung des Raumtransporters Aniara. Früh ohne Eltern verbrachte Martinson viele Jahre auf See, lebte immer wieder als Vagabund und nahm freiwillig am finnischen Winterkrieg teil. Seine autobiografischen Romane „Nässlorna blomma“* (1935) und „Vägen ut“* (1936) wurden große Erfolge. Den Literatur-Nobelpreis erhielt er jedoch hauptsächlich aufgrund seines Versepos‘ „Aniara“, das von einem Weltraumtransporter erzählt, der Flüchtlinge von der Erde zum Mars bringt, weil die Erde aufgrund von Krieg und Zerstörung immer unbewohnbarer wird. Doch die „Aniara“ kommt vom Kurs ab und fliegt immer weiter hinaus ins Sonnensystem. Als die Menschen an Bord verstehen, dass sie nie zurückkehren werden, suchen sie ihr Heil in Religion, Sex und Philosophie.

 

12. Astrid Lindgren: Emil i Lönneberga (1963)

Ihn muss man einfach kennen und mögen: Emil (der im Deutschen Michel heißt) aus Lönneberga – der Lausebengel vom Hof Katthult in Småland. Seien es Streiche, Schabernack oder eigentlich gut gemeinte Dinge, die jedoch nach hinten losgehen, am Ende ist Michels Papa Anton wütend und Emil / Michel schließt sich im Holzschuppen ein, wo er ein ganzes Arsenal an Holzfiguren schnitzt. Neben den amüsanten und kurzweiligen Geschichten erfährt der Leser zudem ganz beiläufig einiges über das Landleben in Schweden um das Jahr 1900 herum.

 

11. Henning Mankell: Wallander-Reihe (1991-2013)

Neben den Astrid Lindgren-Büchern sind es wohl vor allem die Krimis um Kommissar Kurt Wallander des kürzlich verstorbenen Henning Mankell, die das Schwedenbild der Deutschen prägen. Bei ihm sind es jedoch keine Bullerbü-Traumlandschaften, sondern er zeigt ganz in der Tradition von Sjöwall und Wahlöö die kalte Seite Schwedens, in der Menschen alleine oder anderen Kräften ausgeliefert sind. Obwohl Ystad in Skåne, wo die Krimis spielen, eher grau dargestellt wird, ziehen die Romane doch jährlich tausende Touristen in das kleine Städtchen am Meer (das eigentlich ja auch recht idyllisch ist).

 

10. Selma Lagerlöf: Jerusalem (1901-02)

„Jerusalem“ ist Selma Lagerlöfs literarisch wichtigstes Werk. In ihrem Zweiteiler folgt sie mehreren Bauern aus Dalarna, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Jerusalem auswandern. Die Gruppe gab es wirklich, die Figuren sind jedoch fiktiv gestaltet und geben einen spannenden Einblick in das lutherisch geprägte Landleben, dessen Ordnung um die Jahrhundertwende immer mehr ins Wanken gerät.

 

9. Carl Mikael Bellman: Fredmans epistlar (1790)

Bellman ist ein Faszinosum. Gelebt hat er im ausgehenden 18. Jahrhundert, gerne zitiert wird der Dichter aber bis heute. Sein Werk umfasst Naturlyrik, jedoch ebenso amüsante, burleske Schilderungen von Mann und Weib, Vergnügungen und viel Wein*. In „Fredmans Episteln“ überwiegen ganz eindeutig die heiteren, derben und frivolen Lieder von der Liebe und vom Wein.

 

8. August Strindberg: Röda rummet (1879)

„Das rote Zimmer“ ist das zentrale Werk des „Nationaldichters“ Strindberg und mitverantwortlich für den Durchbruch der Moderne in der schwedischen Literatur. Die Geschichte um den gutgläubigen Idealisten Arvid Falk ist eine desillusionierende Darstellung von Gier und Geltungssucht der bürgerlichen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts.

 

7. Astrid Lindgren: Bröderna Lejonhjärta (1973)

Astrid Lindgren bezeichnet „Die Brüder Löwenherz“ als eines ihrer wichtigsten Werke. Zentrales Thema ist der Tod, denn der kranke Krümel und sein Bruder Jonathan sterben. Nach ihrem Tod gelangen sie ins Reich Nangijala, wo Krümel nicht länger krank ist. Nangijala ist ein Land, das sich noch „in der Zeit der Lagerfeuer und Sagen“ befindet. Doch es wird bedroht vom bösen Tengil und seinem Ungeheuer Katla. Damit ist der Jugendroman nicht nur eine Erzählung über Tod und Trost, sondern auch über Unterdrückung, Freiheit, Brüderliebe, Verrat, Mut und Hoffnung. Und nicht zuletzt über die Notwendigkeit, für eine Sache einzustehen und für sie zu kämpfen, wenn sie vom Bösen bedroht ist.

 

6. Maj Sjöwall & Per Wahlöö: Roman om ett brott (1965-75)

Zehn Kriminalromane umfasst die Reihe um Kommissar Martin Beck. Mit ihnen legten die linksgerichteten Autoren den Grundstein für den typischen skandinavischen Krimi, bei dem es nicht nur um die Aufklärung eines Falls geht, sondern Entwicklungen in Staat und Gesellschaft kritisch beleuchtet werden. Sjöwall und Wahlöö sind damit die Vorbilder für Mankell, Larsson und Co.

 

5. Per Anders Fogelström: Stockholm-Serie (1960-68)

Die sog. „Stad“- oder „Stockholm“-Serie von Fogelström setzt sich aus fünf Büchern zusammen. Über die Jahre von 1860 bis 1968 folgt der Leser dem Protagonisten Henning Nilsson, seinen Kindern und Angehörigen. Doch der eigentliche Protagonist der Romanreihe ist Schwedens Hauptstadt Stockholm.

 

4. Frans G. Bengtsson: Röde Orm (1941-45)

Die turbulente, teils brutale, teils höchst vergnügliche Wikingergeschichte um Röde Orm („Die Abenteuer des Röde Orm“) wurden schon als schwedische Odyssee bezeichnet. Der Held, der Wikinger Orm Tostesson, muss jedenfalls allerhand wilde Abenteuer überleben, wobei viel Alkohol und auch Blut fließt.

 

3. Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige (1906-07)

„Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ stammt aus einer Zeit, in der sich Norwegen gerade von der schwedischen Herrschaft gelöst hat. Für Schweden eine Zeit der Krise. Mit der Erzählung des Däumlings Nils, der auf dem Gänserücken durch ganz Schweden reist, hat Selma Lagerlöf nicht nur eine wunderbare Geschichte für Kinder geschaffen, sondern im besten Sinne des Wortes ein „Volksbuch“: ein Buch, das ein Gefühl für die schwedische Geografie und für andere Landesteile vermitteln sollte. Eigentlich ist das Buch ein ziemlich dicker Schinken. Aber für Kinder gibt es auch eine abgespeckte Variante mit schönen Illustrationen.

 

2. Astrid Lindgren: Pippi Långstrump (1945)

Das Mädchen mit den roten Zöpfen, der Truhe voller Goldstücke, dem Pferd Kleiner Onkel auf der Veranda und dem Äffchen Herr Nilsson auf der Schulter pfeift auf alle Konventionen. Und das in einer Zeit, in der Konventionen viel bedeuteten! Nicht wenige Konservative hielten dieses Buch für brandgefährlich. Doch das war Astrid Lindgren egal. Sie stand immer auf der Seite der Kinder, auch wenn sie sich dafür mit der Erwachsenenwelt anlegen musste. Mit Pippi schuf sie die weltweit wohl bekannteste Kinderbuchfigur.

 

1. Vilhelm Moberg: Auswanderer-Tetralogie (1949-59)

Insbesondere der erste Teil der vierbändigen Auswandererserie, „Utvandrarna“ („Die Auswanderer“), um die beiden Protagonisten Karl-Oskar und Kristina beschreibt höchst eindrücklich das bäuerliche Leben in Småland im 19. Jahrhundert. Getrieben von Armut, Hunger, religiöser Unterdrückung und fehlender Freiheit suchen Karl-Oskar, Kristina und anderer Auswanderer ihr Glück in den USA. Mobergs Werk ist äußerst populär in Schweden. Das von den ABBA-Mitgliedern Björn Ulvaeus und Benny Andersson komponierte Musical „Kristina aus Duvemåla“*, das Kristina in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, vergrößerte den Ruhm noch mehr.
Auf Deutsch gibt es diesen schwedischen Klassiker leider nur noch antiquarisch.

Zur ausführlichen Rezension des ersten Bandes

 

Das ist die Top23 der schwedischen Bücher von Elchkuss. Bist du mit der Liste einverstanden? Oder fehlt dein Favorit? Hinterlasse gerne einen Kommentar!

 

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„Utan personligt ansvar“ – Liebe im Räderwerk einer Dreiecksbeziehung

Lena Andersson Utan personligt ansvar

Noch ein Roman von Lena Andersson über Liebe.
Noch einer über Abhängigkeit und den Schmerz, wenn der eine nicht so sehr liebt wie der andere.
Und erneut gelingt der Autorin und Gewinnerin des renommierten August-Preises mit „Utan personligt ansvar“ ein Coup – wenngleich sich gewisse Elemente aus dem Vorgängerroman wiederholen.

„Utan personligt ansvar“ (wörtlich übersetzt: „Ohne persönliche Verantwortung“; deutscher Titel: „Unvollkommene Verbindlichkeiten“*) ist die freie Fortsetzung von „Egenmäktigt förfarande“* rund um die Essayistin und Schriftstellerin Ester Nilsson. Im ersten Roman verliebte sie sich in den Künstler Hugo Rask und begab sich dabei in ein feines, aber brutales Netz aus Abhängigkeiten, Begehrlichkeiten und Verletzungen.

„Utan personligt ansvar“ – Olof Sten fühlt keine Verantwortung für sein Tun

Nun verliebt sie sich erneut. Wieder ist es ein Künstler, dieses Mal der Schauspieler Olof Sten. Die beiden lernen sich kennen, gehen immer öfter zusammen aus, küssen sich. Und das, obwohl Olof verheiratet ist. Auch lässt er keine Zweifel daran, dass er seine Frau Ebba nicht verlassen wird. Doch zugleich intensiviert er seine Beziehung zu Ester (wobei er nie von Beziehung sprechen würde), sie schlafen miteinander, führen innige und tiefe Gespräche. Die Trennung von seiner Frau muss da doch nur noch eine Frage der Zeit sein.

Ist sie aber nicht.

Denn Olof denkt nicht daran, seine Frau zu verlassen. Für ihn sind sie – Olof, Ester und Ebba – Zahnräder, die auch dann gut ineinandergreifen, wenn sie zu dritt sind. Mechanisch gesehen funktioniert dies problemlos. Aber funktioniert so auch Liebe? Für Ester nicht. Sie, die rationale Aufklärerin, die die Dinge durchleuchtet und analysiert, ist hier die Romantikerin, wohingegen Olof die Dreiecksbeziehung eher von der pragmatischen Seite zu betrachten scheint. Und immer, wenn Ester sich entschließt, sich von ihm zurückzuziehen, wird er mild und anschmiegsam und lockend, bis sie zurückkehrt. Will sie zu viel, wird er brüsk, abweisend und verletzend.

Beziehungen wie ein Räderwerk: mechanisch funktionieren sie. Aber funktioniert so auch Liebe?

Wie die Zahnräder dreht sich Esters und Olofs Beziehung im Kreis. Wieder und wieder die gleichen Auseinandersetzungen, die gleichen Reaktionen, die gleichen Anziehungen. Bis Ester alles auf eine Karte setzt …

Die sich wiederholenden Drehungen der Beziehungen und die wiederkehrenden Muster können zunächst etwas redundant beim Leser wirken. So erging es zumindest mir. Aber so sind die Muster der Beziehung von Ester und Olof eben – redundant. Sie wiederholen sich, sie kehren immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurück, bis sie sich irgendwann zu Tode drehen. Etwas, was zunächst während des Lesens recht sperrig und ermüdend wirkt, erweist sich so letztendlich als raffinierter dramaturgischer Kniff. Intelligent, wie es die Geschichte und vor allem die Sprache Lena Anderssons ebenfalls sind.

Die Autorin erzählt in durchaus einfacher Sprache, oft lakonisch, teilweise regelrecht beiläufig. Doch dabei macht sie so viele bemerkenswerte Entdeckungen, die sie sprachlich schnörkellos und klar auf den Punkt bringt, dass es menschliches Verhalten (hier vor allem: männliches Verhalten) in Beziehungen durchleuchtet und entlarvt, bis es nackt und armselig vor dem Betrachter steht. Dies gelingt ihr so geradlinig, intelligent und treffsicher, dass man mehrfach schmunzelnd, manchmal erschrocken innehält.

„Lena Anderssons Romane werden Klassiker.“

Nils Schwartz, Redakteur bei der schwedischen Zeitung „Expressen“ schreibt, dass Lena Anderssons Romane Klassiker werden. Dem kann ich nur zustimmen. Dass „Utan personligt ansvar“ aber noch lesenswerter sei als der Vorgänger „Egenmäktigt förfarande“, wie es die Kulturjournalisitin Agneta Pleijel von „Dagens Nyheter“ meint, möchte ich bestreiten. Denn gewisse Beobachtungen und Handlungen, die im ersten Roman bereits gemacht wurden, beginnen sich nun zu wiederholen. Manche Muster ähneln sich. Und so bleibt das faszinierte Staunen, das mich beim Lesen von „Egenmäktigt förfarande“ erfasst hat, aus. Was aber nicht bedeutet, dass „Utan personligt ansvar“ nicht faszinierend oder nicht lesenswert wäre. Im Gegenteil: Lena Anderssons Romane sind lesenswert. Alle. Denn sie werden Klassiker werden.

 

 

utan personligt ansvar Cover

Utan personligt ansvar
Verlag: Natur & Kultur
Taschenbuch
SEK 53:-

Unvollkommene Verbindlichkeiten*
Verlag: Luchterhand
Gebundene Ausgabe
aus dem Schwedischen übersetzt von Gabriele Haefs
€ 18,- [D]

 

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Schwedische Krimis – ein Erfolgsgenre aus dem Norden

Schwedische Krimis

Kurt Wallander, Martin Beck, Irene Huss, Erik Winter, Gunnar Barbarotti – manchmal scheint es, als gäbe es diese Figuren wirklich, so vertraut erscheinen sie uns. Aber sie sind natürlich nur Romanfiguren, Ermittler in Schweden-Krimis, die mit dazu beigetragen haben, dass schwedische Krimis so populär sind und fast schon als eigenes Genre zählen.

Wenn die Winternächte lang und dunkel sind, dann versammelt man sich vor dem Kamin und erzählt sich Geschichten. Alte Sagen, skurrile, spannende, schöne Geschichten, düstere Legenden … Selma Lagerlöf kam so früh in Kontakt mit vielen Erzählungen, die sie inspirierten und den Grundstein ihres literarischen Schaffens legten. Und sie ist nicht die Einzige. Das Erzählen hat im Norden allgemein und in Schweden im Speziellen eine große Tradition. Entsprechend viele auch international erfolgreiche Schriftsteller bringt Schweden hervor.

Schwedische Krimis – seit den 1990er Jahren Verkaufsgaranten in Deutschland

Seit den 1990er Jahren drängen besonders viele schwedische Bücher auf den deutschen Markt. Meist sind es schwedische Krimis. Manche Verlage führen sogar eine eigene Kategorie: Schwedenkrimis. Es scheint so, als würde beinahe jeder Krimi, der aus Schweden kommt, zum Verkaufsgaranten. In den Jahren nach 2000 wurden über 100 schwedische Krimi-Autoren ins Deutsche übersetzt. Das ist eine Hausnummer.

Schweden-Krimis
Nur eine kleine Auswahl aus einem riesigen Angebot an Schweden-Krimis

Aber warum ist dem so?

Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir erst einmal klären, was denn ein Schweden-Krimi ist. Gibt es bestimmte Zutaten, die schwedische Krimis ausmachen?

Sjöwall und Wahlöö: die „Erfinder“ des sozialkritischen Krimis

Schwedische Krimis gab es schon vor hundert Jahren, aber den internationalen Durchbruch schafften sie erst mit dem Autoren-Duo Maj Sjöwall und Per Wahlöö*, die zwischen 1965 und 1975 den Ermittler Martin Beck auf Verbrecherjagd schickten. Sjöwall und Wahlöö beschrieben dabei nicht nur ein Verbrechen und die nachfolgende Ermittlung, vielmehr standen gesellschaftliche Entwicklungen, vor deren Hintergrund sich die Verbrechen ereigneten, genauso im Mittelpunkt. Dies macht das Genre – wenn man denn von einem eigenen Genre sprechen will – bis heute aus: Schweden-Krimis haben eine sozialkritische Note, sie beschreiben gesellschaftliche Entwicklungen, beleuchten soziale Nöte, und sind somit immer auch Gesellschaftsromane.

Schweden in den 1960er Jahren, das war auch Wohlfahrtsstaat-Heile-Welt. Der Staat griff beherzt ein, um gesellschaftliche Ungleichheit zu beseitigen. Gleichheit sollte überall gelten. Und wenn dann ein brutales Verbrechen in diesen Anschein einer heilen Welt einbricht und dabei unter der netten Oberfläche schlummernde Abgründe aufdeckt, dann ist die Faszination umso größer. Eine morbide Faszination.

Boom der Schwedenkrimis mit Henning Mankell

Während der schwedische Sozialstaat in den 1990er Jahren zurückgefahren wurde und gesellschaftliche Verwerfungen und Problematiken immer deutlicher sichtbar wurden, betrat Henning Mankell* die Bühne. Im idyllischen, provinziellen Ystad begann sein Kommissar Kurt Wallander zu ermitteln – mal gegen die große industrielle und korrupte Elite, mal ganz im Kleinen. Das sozialkritische Element ging dabei aber nie verloren.

Zentraler Ort für schwedische Krimis: Ystad
Brutale Verbrechen in idyllischer Kleinstadt: Ystad; Foto: Simon Paulin / imagebank.sweden.se

Mit Henning Mankell feierte der schwedische Krimi endgültig seinen Siegeszug, vor allem in Deutschland. Und mit Kurt Wallander wurde ein Ermittler-Typ populär, der ebenfalls als Markenzeichen des Schweden-Krimis zählt: der einsame, zu Schwermut neigende Kommissar, in dessen Privatleben der Leser Einblick erhält. Ein Ermittler, der so eigenbrötlerisch ist, dass man im realen Leben wahrscheinlich wenig mit solchen Leuten zu tun haben möchte, der aber zugleich verletzlich und lebensnah ist, dass man ihn trotz allem ins Herz schließt.

Henning Mankell
Henning Mankell (1948-2015); Foto: Lina Ikse / Leopard Förlag, Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Schwedische Krimis sind oft ziemlich brutal

Und ein weiteres Element, das typisch für schwedische Krimis ist, findet sich bei Mankell: eine immer heftiger werdende Brutalität. Die Verbrecher scheinen zunehmend enthemmt, kennen keinerlei Grenzen mehr, wenn es darum geht, Menschen zu töten und zu verstümmeln. Und da ist sie wieder: die morbide Faszination. Wenn unfassbare Verbrechen das niedliche Ystad heimsuchen, dann fasziniert das. Ystad, das ist Südschweden-Romantik pur. Ein kleines Städtchen am Meer, alles hier ist friedlich, hier möchte man leben. Und dann das größtmögliche Kontrastprogramm: Verbrechen, Brutalität, unmenschliche Abgründe. Sie lassen das Idyll erzittern, stellen es in Frage, doch am Ende wird es – zumindest in Teilen – wieder errichtet.

Damit haben wir die Zutaten des Schweden-Krimis herausgefiltert: sozialkritischer Hintergrund, ein zu Schwermut neigender Ermittler, der dadurch zutiefst menschlich erscheint, heftige Brutalität, die im Gegensatz zum heilen Schein der schwedischen Lebenswelt steht.

Doch der Schweden-Krimi ist eben kein einheitliches Genre. Diese Elemente prägen viele schwedische Krimis, aber es gibt auch genügend Ausnahmen. Håkan Nesser ist zum Beispiel eine solche, denn er spart Brutalität häufig komplett aus. Spannend ist’s trotzdem.

Wer ermittelt wo in Schweden?

Mittlerweile wird nicht nur in Stockholm (Martin Beck) und Ystad (Kurt Wallander) ermittelt, sondern in vielen Regionen Schwedens. Von Kiruna bis Skåne, von Gotland bis Bohuslän – beinahe in ganz Schweden wartet das Böse unter der schönen Oberfläche. Welcher Kommissar (oder manchmal auch Journalist) wo ermittelt, kannst du dieser Karte entnehmen.

Die Bezeichnung Schweden-Krimi scheint inzwischen nicht mehr ganz passend zu sein. Denn die Verlage haben erkannt, dass sich nicht nur Krimis aus Schweden gut verkaufen, sondern grundsätzlich aus dem Norden. Und so wird mittlerweile auch in Finnland, Norwegen, Dänemark, Island, ja, selbst auf den Färöer-Inseln fleißig ermittelt. Die grundlegenden Zutaten des Schweden-Krimis finden sich aber auch hier.

 

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Neue Bücher für den schwedischen Herbst

schwedische Bücher

Der Herbst ist golden, doch die Tage werden kürzer. Es ist Lesezeit. Warum sich nicht ein bisschen Schweden nach Hause holen? Wir haben Bücher zusammengestellt, die im Herbst 2017 erscheinen – Literatur aus Schweden oder Bücher, die in Schweden spielen. Lass dich inspirieren!

Håkan Nesser: Der Fall Kallmann

Bücher Schweden NesserEin neues Werk des Großmeisters des schwedischen Krimis, Håkan Nesser, kommt am 30. Oktober in die Regale der Buchhandlungen. In „Der Fall Kallmann“* kommt der Lehrer gleichen Namens ums Leben. Die Polizei sagt, es sei ein Unfall. Doch Kallmanns Nachfolger im Schwedischunterricht stößt im Pult des Lehrers auf eine Reihe von Tagebüchern, die ihn zweifeln lassen, ob Kallmann wirklich eines natürlichen Todes gestorben ist. Er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

 

Fredrik Backman: Kleine Stadt der großen Träume

Wer es nicht so spannend mag, sondern lieber amüsant, den macht vielleicht ein anderer großer Literat aus Schweden glücklich. Fredrik Backman, der Verfasser von „Ein Mann namens Ove“, hat wieder zugeschlagen. In seinem neuen Roman „Kleine Stadt der großen Träume“* entführt er den Leser in die schwedische Kleinstadt Björnstadt. Eine Stadt, die von der Welt vergessen wurde. Doch ihre Einwohner sind stolz, und sie wollen, dass man sich wieder an Björnstadt erinnert. Also machen sie sich ans Werk …

Hier geht’s zur ausführlichen Rezension von „Kleine Stadt der großen Träume“.

 

Katarina Bivald: Highway to heaven

Ebenfalls in einer schwedischen Kleinstadt mitten im Nirgendwo lebt Anette, die Protagonistin in Katarina Bivalds neuem Roman „Highway to heaven“*, der am 11. Dezember 2017 erscheinen wird. Anette hat so ziemlich überhaupt nichts von dem erreicht, was sie sich als Achtzehnjährige vorgenommen hat. Nun, zwanzig Jahre später, ist es an der Zeit, daran etwas zu ändern.

 

Sina Holm: Insel, Meer und Liebe

Bücher Schweden HolmÄndern will sich auch Lena Hoffman, Protagonistin in Sina Holms Serienroman „Insel, Meer und Liebe“*. Der dritte Band ist vor wenigen Tagen erschienen. Lena, auf der Flucht vor ihrem alten Leben und ihrem alten Ich, versucht zusammen mit ihrer Tochter einen Neuanfang auf den Göteborger Schären. Doch alte Gewohnheiten streift man nicht so leicht ab, wie sie rasch feststellen muss.

 

Sara Kadefors: Billie – Wer sonst?

Ähnlich optimistisch wie Lena erscheint Billie in „Billie – Wer sonst?“*, dem neuen Jugendroman von Sara Kadefors. Die Autorin ist bekannt dafür, jugendliches Alltagsleben gefühlvoll, behutsam und doch auf den Punkt darzustellen und dabei besonders die zwischenmenschlichen Beziehungen der Jugendlichen zu thematisieren. So auch in diesem Roman über Billie, die bei ihrer Pflegefamilie auf dem Land aufwächst, der am 22. November erscheint.

 

Lars Simon: Gustafssons Jul. Eine schwedische Weihnachtsgeschichte

Weihnachtlich geht es in „Gustafssons Jul. Eine schwedische Weihnachtsgeschichte“* von Lars Simon zu. Der alte Gustafsson, der schon lange nichts mehr mit seiner Familie zu tun hat, lädt eben diese zum Weihnachtsfest ein. Die Kinder und Enkelkinder kommen nur ungern, doch es will niemand etwas verpassen, schließlich könnte ja das Erbe verteilt werden. Vielleicht eine perfekte Geschichte zur Weihnachtszeit.

 

Håkan Sandell und Klaus Anders: Von Nordenflycht bis Tranströmer – Schwedische Lyrik

Zeitlos sind hingegen die Gedichte, die Håkan Sandell und Klaus Anders in ihrem Sammelband „Von Nordenflycht bis Tranströmer – Schwedische Lyrik“* präsentieren. Die zweisprachige Ausgabe, die am 24. November erscheint, sammelt schwedische Gedichte vom Rokoko bis heute.

 

Jonny Jackson und Elias Larsen: Lagom. Die schwedische Kunst, ausgeglichen zu leben

Gedichte können glücklich machen. Lagom auch. Nach Hygge erreicht der nächste Hype aus dem Norden den glückssuchenden Deutschen. Wer sich auf dem Mittelweg am glücklichsten schätzt, dem sei „Lagom. Die schwedische Kunst, ausgeglichen zu leben“* von Jonny Jackson und Elias Larsen empfohlen.

 

Reiseliteratur

Camper, die mit dem Wohnmobil nach Norden reisen, dürfen sich auf zwei neue Reiseführer von Reise Know-how freuen: Am 27. November 2017 kommen „Südschweden: die schönsten Routen“* von Michael Moll und „Nordkap: die schönsten Routen durch Norwegen, Schweden und Finnland“* von Frank-Peter Herbst in den Handel.

Wanderer können eher mit dem bildreichen Guide von Harri Ahonen glücklich gemacht werden. Über 200 Routen stellt er in seinem Buch „Wanderwege Mittelskandinaviens: über 200 Wanderrouten in der beeindruckenden Landschaft Mittelschwedens und Mittelnorwegens“* vor. Das Buch kommt Mitte November in den Handel, der perfekte Zeitpunkt, damit es hübsch verpackt auf dem Gabentisch landen kann.

 

Rezensionen zu schwedischen Büchern:

Håkan Nesser: Elf Tage in Berlin

Vilhelm Moberg: Die Auswanderer

Lena Andersson: Egenmäktigt förfarande

 

Du hast dich schon immer gewundert, warum gerade Krimis aus Schweden so erfolgreich sind? Dann lies hier weiter.

Was sind die wichtigsten schwedischen Bücher? Das ist unser Vorschlag.

 

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Wenn es fasziniert, eine Liebe scheitern zu sehen – Rezension zu „Egenmäktigt förfarande“ von Lena Andersson

Lena Andersson Widerrechtliche Inbesitznahme ein Roman über Liebe

Ich lese ungern Liebesromane.

Ich habe Lena Anderssons „Roman über Liebe“ verschlungen.

Wäre ich ein Leser, der bemerkenswerte Sätze in einem Buch mit Bleistift anstriche, das dünne Bändchen mit nicht einmal 200 Seiten wäre voller Markierungen. Denn Lena Andersson ist mit „Egenmäktigt förfarande – en roman om kärlek“* (wörtlich übersetzt: „Eigenmächtiges Verfahren – ein Roman über Liebe“) ein intelligentes Buch, ja, eine philosophische Betrachtung von Liebe, enttäuschter Liebe und dem daraus resultierenden Selbstbetrug gelungen. Ein Roman, der messerscharf analysiert, dessen Stil nüchtern und lakonisch ist und der damit nichts gemein hat mit einem herkömmlichen Liebesroman.

Roman über Liebe, "Widerrechtliche Inbesitznahme" von Lena Andersson

Wenn eine Vernünftige die Vernunft verliert

Ester Nilsson, die 31-jährige Protagonistin des Romans, ist eine intelligente, aufgeklärte Person. Sie hinterfragt die Dinge, untersucht sie Schicht für Schicht. Sie ist im besten Sinne des Wortes eine vernünftige Person. Die Vernunft leitet sie, das rationale Denken. Und dann tritt der Künstler Hugo Rask in ihr Leben…

Ester, Dichterin und Essayistin von Beruf, erhält eine Anfrage, bei einer Ausstellung einen Vortrag über Hugo Rask zu halten. Der Künstler selbst sitzt im Publikum, so kommen sie in Kontakt. Eine Beziehung entsteht, die geprägt ist von Faszination, Begehren und immer größerer Abhängigkeit. Ester will Hugo Rask nicht drängen, will dem Künstler keine Freiheiten rauben. Und verzehrt sich zugleich in der Sehnsucht nach einem Lebenszeichen von ihm. Er, der eitle Künstler, genießt die Bewunderung.

Stets dann, wenn sie Hoffnungen hat, es könne sich etwas Festes entwickeln, zieht er sich zurück. Und er nährt immer dann ihre Hoffnungen, wenn sie den Weg zur Vernunft zurückgefunden zu haben scheint. Manchmal will man als Leser glauben, er spiele ein Spiel mit ihr, grausam, eigennützig und schamlos. Dann wiederum scheint es so, als sei er ein Opfer der eigenen Selbstverliebtheit. Er will bewundert werden, doch Ester sucht die Diskussion. Sie will über seine Kunst philosophieren, streiten, sie hinterfragen. Sie ist intelligenter als er, zeigt seiner vorgeblichen Kongenialität Grenzen auf. Das fasziniert ihn und lässt ihn auf Distanz gehen.

Ein intelligenter und doch einfacher Roman von Lena Andersson

Faszinierend ist, dass Ester Nilsson sich und ihr Handeln sehr präzise analysieren kann. Sie ist vernünftig. Ebenso der Freundinnen-Chor, der ähnlich dem Chor im griechischen Drama räsoniert, mahnt und abwägt. Doch weder Chor noch ihre eigene Vernunft helfen ihr, wenn Hugo Rask wieder einmal mit einer beiläufigen Bemerkung einen Funken Hoffnung bei ihr entzündet. Und so beginnt eine Leidenszeit für Ester, aus der sie entkommen kann, aber nicht will, oder entkommen will, aber nicht kann. Man weiß es nicht. Und sie scheint es auch nicht zu wissen: „Inget mer fanns att förstå.“ („Es gab nichts mehr zu verstehen.“)

„Egenmäktigt förfarande“* – oder in der deutschen Übersetzung „Widerrechtliche Inbesitznahme“ – ist ein äußerst faszinierender Roman: intelligent, scharfsinnig, schwer und doch leicht zugleich. Die Sprache ist einfach, lakonisch, manchmal geradezu beiläufig, ehe man wieder einen Satz liest, den man mehrfach lesen muss, weil er so klug und klar ist.

Lena Andersson erhielt für ihren Roman im Jahr 2013 den begehrten August-Preis sowie den Literaturpreis des Svenska Dagbladet. Ein preisgekrönter Roman, dessen Lektüre ich jedem ans Herz lege – Lesern von Liebesromanen, aber ausdrücklich auch jenen Lesern, die eigentlich große Bögen um Bücher machen, deren Untertitel lautet: „en roman om kärlek“.

 

Egenmäktigt förfarande – en roman om kärlek*
Verlag: Natur & Kultur
Taschenbuch
€ 10,69

Widerrechtliche Inbesitznahme*
Verlag: btb
Taschenbuch
aus dem Schwedischen übersetzt von Gabriele Haefs
€ 9,99 [D]

 

Das Ringen Ester Nilssons um Liebe geht weiter in der freien Fortsetzung „Utan personligt ansvar“.

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Auswandern aus Schweden? – Rezension eines schwedischen Klassikers: „Die Auswanderer“ von Vilhelm Moberg

Auswandern aus Schweden - Thema des schwedischen Klassikers "Die Auswanderer" von Vilhelm Moberg

Karl Oskar schaut auf und blickt in den wolkenlosen Himmel, von dem die Sonne seit Tagen, nein, es sind Wochen und Monate unbarmherzig auf die Äcker Smålands scheint. Die Erde ist rissig, das Getreide will nicht wachsen. Nach dem feuchten Sommer im vergangenen Jahr, der Missernte und dem harten Winter kann er ein weiteres schlechtes Jahr nicht verkraften. Wie soll er seine Kinder durchbringen? Wie die Hypothek auf seinen Hof abbezahlen? Abends sitzt er mit seiner Frau vor dem Kamin und wieder diskutieren sie, was seit Wochen in ihren Köpfen herumspukt. Er weiß, dass Kristina zweifelt. Aber er weiß auch, dass dieser Plan der einzige ist, der ihnen eine bessere Zukunft bescheren kann. Sie müssen aus Schweden auswandern. Nach Amerika.

Ähnliche Pläne haben auch andere Leute in Ljuder in Småland. Der eine wird als Knecht von seinem Bauern verprügelt, die andere steht als Hure ohnehin am Rand der Gesellschaft. Wieder ein anderer gerät aufgrund seiner freikirchlichen Umtriebe in Konflikt mit dem streng über seine Schäfchen wachenden Pfarrer. Es sind höchst unterschiedliche Menschen mit höchst unterschiedlichen Gründen, aber sie alle eint ein gemeinsames Ziel: Sie wollen ihre Heimat verlassen, um in der unbekannten neuen Welt ein neues Glück zu probieren.

Auswandern aus Schweden

Heute klingt das unvorstellbar: Schweden setzen alles aufs Spiel, nur um ihre Heimat verlassen zu können? Heute ist Schweden für viele ein Sehnsuchtsland mit funktionierendem Sozialstaat, wohlhabend, angenehm zum Leben. Viele möchten gerne nach Schweden einwandern. Aber von dort auswandern?

Doch das Schweden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat nur wenig mit dem gemein, das wir heute kennen. Der Großteil der Schweden waren Bauern. Eine rasche Zunahme der Bevölkerung in Kombination mit mehreren Missernten stürzte die ohnehin schon arme Landbevölkerung in Hunger und Not. Besonders schwer war Småland mit seinen harten und steinigen Böden betroffen. Zugleich sorgte die Obrigkeit in Form des Adels und der Krone sowie die vor allem auf dem Land einflussreiche lutherisch-evangelische Kirche dafür, dass sich an den gesellschaftlichen Zuständen wenig änderte.

Sehnsucht Amerika

Aber die meisten der schwedischen Bauern konnten lesen. So erfuhren sie zum einen von Revolutionen in Frankreich und Deutschland, in denen die Bürger für mehr Freiheiten kämpften. Und zum anderen konnten sie in den Zeitungen von jenem neuen Land lesen, in dem so vieles besser schien: die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Menschen dort waren frei, sie hatten keinen König, niemand schrieb ihnen vor, was und wie sie zu glauben hatten. Und dann kamen noch die Reiseberichte der ersten Auswanderer hinzu. 1841 wanderte Gustav Unonius mit seiner Frau und einigen Gefährten aus und gründete in Wisconsin den Ort New Upsala. Seine schwärmerischen Berichte, die im „Aftonbladet“ erschienen und in denen er vom billigen und massenhaft zu erwerbenden Land schreibt, weckten bei anderen schwedischen Bauern die Sehnsucht, ebenfalls auszuwandern.

Und sie folgten scharenweise: Zwischen 1850 und 1920 sollen etwa 1,5 Millionen Schweden in die USA ausgewandert sein; rund ein Fünftel kehrte wieder zurück. Für Schweden war dies ein gewaltiger Aderlass, der die Obrigkeit irgendwann doch beunruhigte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten erste Reformen, die die Situation der einfachen Bevölkerung etwas verbesserte.

Schritt ins Unbekannte

Die Protagonisten des Romans Karl Gustav, Kristina und die anderen Auswanderer gehören zu den Emigranten der ersten Generation. Ende der 1840er Jahre beschließen sie den Schritt ins Unbekannte. Sie wissen kaum etwas über ihr Sehnsuchtsland. Nur Karl Gustavs Bruder Robert hat sich ein Buch über die USA besorgt, in dem er allerhand Wahres und Unwahres liest und sich so sein ganz eigenes Bild des Landes, in dem seiner Meinung nach Milch und Honig fließen, zusammenschustert.

Hier liegt der große Reiz des Romans „Die Auswanderer“ von Vilhelm Moberg, der 1949 unter dem Titel „Utvandrarna“ erschienen ist. Der Erzähler nimmt sich über weite Strecken zurück. Er kommentiert kaum, sondern lässt seine Figuren sprechen. Und zwar mit allem Unfug, Wunschdenken und allen Träumereien, die den Auswanderern so durch den Kopf gehen. Dadurch nimmt Moberg die Figuren des Romans ernst – auch wenn sie ungebildet, schwärmerisch oder ungehobelt sind. So entstehen glaubwürdige Personen und zugleich immer wieder auch Witz, beispielsweise als Robert in einem Kapitel sich zusammenreimt, wie traumhaft es wohl in New York sein muss, und im nächsten Kapitel der Kapitän des Auswandererschiffs, der bereits mehrfach in New York gewesen ist, über diese hässliche Stadt lästert.

Schwedische Auswanderer an Bord eines Schiffs

Moberg bemüht sich um eine große Portion Realismus, wodurch der Leser nicht nur einen hervorragenden Einblick in das harte Leben im Schweden des 19. Jahrhunderts erhält, sondern auch vor manche sprachliche Herausforderung gestellt wird. Sprechen die Figuren in direkter Rede, dann reden sie so, wie die Menschen in dieser Zeit eben redeten. Wer den Roman also auf Schwedisch liest, der wird mit småländischem Dialekt des 19. Jahrhunderts konfrontiert, im Fall der Hure Ulrika sogar noch garniert mit einigen altertümlichen Kraftausdrücken.

Detailreiche Beschreibung des schwedischen Landlebens im 19. Jahrhundert

Doch diese detailgetreue, realitätsnahe Darstellung sorgt dafür, dass der Leser sich im besten Sinne des Wortes ein Bild machen kann vom harten Leben auf dem Land und vom noch härterem während der Überfahrt über den Atlantik. Und er lernt die Figuren, ihre Hoffnungen und Ängste ganz genau kennen. Da es viele Auswanderer sind und Moberg sie alle mehrfach zu Wort kommen lässt, entstehen dadurch auch gewisse Längen, die sich im Ganzen aber in Grenzen halten.

In der schwedischen Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2016 begleitet man Karl Oskar und Co. über 573 Seiten auf ihrem Weg nach Amerika. Doch dies ist nur der erste Teil der Tetralogie. Wer wissen will, wie es den Auswanderern in Amerika ergeht, der darf ihnen in „In der neuen Welt“, „Die Siedler“ und „Der letzte Brief nach Schweden“ (schwedische Orginaltitel „Invandrarna“, „Nybyggarna“ und „Sista brevet till Sverige“) zuschauen.

In konservativen Kreisen kam Vilhelm Mobergs Auswanderersaga im Übrigen gar nicht gut an. Sie sei unpatriotisch, ziehe die Kirche in Misskredit, außerdem sei der realistische Sprachgebrauch skandalös. Axel Rubbestad, Reichstagsabgeordneter für den Bauernverbund, wollte Moberg gar im Gefängnis sehen. Dazu kam es nicht. Vielmehr konnte Mobergs Roman-Serie eine ungeahnt erfolgreiche Laufbahn feiern, sodass die vier Bücher heute zu Klassikern der schwedischen Literatur zählen.

Auf Deutsch wird der Roman leider nicht mehr aufgelegt. Hier ist man auf gebrauchte Exemplare angewiesen. Wer ohnehin lesefaul ist, kann sich die preisgekrönte Verfilmung aus dem Jahr 1971 mit Max von Sydow* in der Hauptrolle besorgen. Oder man wagt sich an das schwedische Original* heran. Es lohnt sich.


 

 

 

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Du liest gerne schwedische Krimis? Auf unserer Karte haben wir verzeichnet, wer wo in Schweden ermittelt.

10 Gründe, warum du Schweden lieben musst – Platz 5: Astrid Lindgren

Lena Granefelt / imagebank.sweden.se

Deutsche mit „Bullerbü“-Syndrom?

Bertold Franke, der frühere Leiter des Stockholmer Goethe-Instituts, hat den Deutschen mal ein „Bullerbü-Syndrom“ attestiert. Sie sähen, wenn sie an Schweden dächten, immer nur heile Småland-Welt mit roten Holzhäuschen, blauen Seen und grünen Wiesen, in der sich alle mögen. Er mag damit durchaus Recht gehabt haben: Das Schwedenbild vieler Deutscher ist massiv von Astrid Lindgren und ihren Geschichten geprägt.

Die Geschichten von Lindgren – nicht nur schöne Kindheitserinnerungen

Astrid Lindgren "Von Bullerbü bis Lönneberga"

Aber sind wir doch mal ehrlich: Wenn wir durch Småland fahren, dann kommen eben alte Kindheitserinnerungen an Michel, Madita und die Kinder von Bullerbü. Wenn wir in Stockholm nach oben zu den Dächern sehen, dann wünschen wir uns insgeheim, dass da plötzlich ein kleines, dickes Karlsson mit einem Propeller auftaucht. Und auf Gotland ist ein Besuch bei der Villa Kunterbunt ebenso Pflicht wie in Vimmerby in „Astrid Lindgrens Värld“.

Ich denke aber nicht, dass wir dadurch nur ein romantisches Kitschbild von Schweden haben; es sind vielmehr schöne Erinnerungen, die da hochkommen: an die eigene Kindheit, in der man Lindgrens Bücher verschlungen hat, an das Gefühl von Freiheit, das Pippi auf herrlichste und frechste Weise auslebt, an so viel Witz und Fantasie, die in ihren Büchern stecken. Da darf man gerne ins Träumen kommen. Und wenn dann jemand sagt, man habe ein „Bullerbü-Syndrom“, dann soll es gerne so sein – es gibt schlimmere Krankheiten.

In Näs bei Vimmerby wuchs Astrid Lindgren auf; Foto: W.A 2.0 / wikimedia, Lizenz: CC 3.0

 

Im Winter 2018 kam der Film „Astrid“ in die deutschen Kinos, der vom schwierigen Leben der jungen Astrid Lindgren erzählt. Der Besuch lohnt sich, wie unsere Rezension des Films zeigt.

Beitragsbild: Lena Granefelt / imagebank.sweden.se

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Rezension: „Elf Tage in Berlin“ von Håkan Nesser

Håkan Nesser ist ja eigentlich für seine Krimis bekannt. Mit „Elf Tage in Berlin“ wagt er sich in ein anderes Genre vor – zum Teil ist das absolut faszinierend, am Schluss geht aber nicht alles aus.

Liebevolles Märchen für Erwachsene

Seit einem Badeunfall ist Arne Murberg etwas zurückgeblieben und langsamer als seine Mitmenschen. Darunter leidet er manchmal, dennoch versucht er, selbstbewusst und – so weit es geht – selbstsicher durchs Leben zu schreiten. Als sein Vater stirbt, gibt dieser ihm den Auftrag mit, seine Mutter in Berlin zu suchen und ihr ein verschlossenes, geheimnisvolles Kästchen zu überbringen. Für Arne ist das eine Überraschung, schließlich hatte er geglaubt, seine Mutter sei tot.

Elf Tage in Berlin von Hakan Nesser - CoverEr macht sich also auf den Weg in die Metropole Berlin, die ihn zunächst überfordert. Doch er schlägt sich wacker, auch wenn sich die Suche nach der Mutter schwieriger gestaltet als gedacht. Dabei trifft er auf einen mysteriösen Professor und eine junge Frau im Rollstuhl. Und schon befindet sich Arne mitten in einem großen Abenteuer, bei dem auch Hypnose, eine Hexenverbrennung und gelbe Schuhe eine gewisse Rolle spielen. Welche, das sei an dieser Stelle nicht verraten, schließlich soll ja nicht alles verraten werden.

„Elf Tage in Berlin“ – Wundervoll erzählt

Dass Håkan Nesser ein Meister des Erzählens ist, zeigt sich auch in „Elf Tage in Berlin“. Mit einer erfrischenden Leichtigkeit lässt er Arne Berlin entdecken und man fühlt sich ein wenig an den Stil von Astrid Lindgren erinnert. Leicht, einfach und doch von großer Eleganz. Herrlich sind auch jene Momente, in denen Arne mit dem Deutschen hadert und versucht, irgendwo am Ufer der Sprache festzumachen. Besonders im schwedischen Original sind diese Passagen höchst amüsant. Wie dies in der deutschen Übersetzung gelöst worden ist, weiß ich nicht. Es muss jedenfalls eine Herausforderung für den Übersetzer gewesen.

Lange Zeit während des Lesens dachte ich mir, ich hätte ein neues Lieblingsbuch, einen wahren Schatz, der fraglos nur mit fünf Sternen belohnt werden durfte. Doch dann kam das Ende, das konstruiert und nicht schlüssig wirkt. Es scheint, als habe Nesser selbst keine ordentliche Lösung für die verzwickte Geschichte gefunden und sie daher einfach offen gelassen. Zufriedenstellen kann das aber nicht, weshalb „Elf Tage in Berlin“ bzw. im Original „Elva dagar i Berlin“ nun doch kein Lieblingsbuch geworden ist, das ich aber dennoch ausdrücklich empfehlen kann.

4 von 5 Sternen



Håkan Nesser: Elf Tage in Berlin *

Roman
Verlag: btb
Originaltitel: Elva dagar i Berlin
Originalverlag: Albert Bonniers Förlag
Aus dem Schwedischen von Paul Berf

Gebundenes Buch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-442-75493-9
€ 18,00 [D]

Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-442-71523-7
€ 10,00 [D]

Erscheinungstermin: 9. November 2015

 

Du willst mehr von Håkan Nesser lesen? Wie wäre es mit „De vänsterhäntas förening“, wo die Kommissare Barbarotti und Van Veeteren zum ersten Mal aufeinandertreffen.

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