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Der Vasalauf – in den Spuren Gustav Vasas

Vasalauf

Über 15 000 Menschen stehen dicht beisammen, konzentriert, voller Anspannung. Sie vollführen letzte Dehnübungen, bewegen die Skier unter ihren Füßen vor und zurück. Dann fällt der Startschuss und das riesige Teilnehmerfeld setzt sich in Bewegung. Es ist ein eindrucksvolles Schauspiel, das sich jedes Jahr am ersten Sonntag im März in Sälen, Dalarna, abspielt, wenn der Vasalauf beginnt.

In endlosen Schlangen schieben sich die Läufer über die Loipe. Und wenn die vordersten bereits den ersten steilen Anstieg emporklimmen, setzen sich die letzten gerade erst in Bewegung. Etwa vier Stunden später kommt es im 90 Kilometer entfernten Mora zum spannenden Finale. 2017 setzt sich der Norweger John Kristian Dahl äußerst knapp durch. In den kommenden Stunden werden tausende andere Läufer folgen. Ausgepumpt, aber glücklich, eines der herausforderndsten Rennen bewältigt zu haben.

Vasalauf: Ziel in Mora
Das Ziel in Mora; Foto: Lipothymia, commons.wikimedia.org/wiki/File:Vasaloppet.JPG, CC-Lizenz SA 3.0

Massenereignis Vasalauf: 90 Kilometer, 15 800 Teilnehmer

Der Vasalauf ist ein Faszinosum. Er ist das älteste und größte Langlaufrennen der Welt. 15 800 Läufer aus aller Welt, die 19 Jahre oder älter sind, können sich anmelden. Wenige Minuten nach Öffnung der Anmeldeportale sind alle Plätze belegt. Allein in Schweden verfolgen zwei Millionen Menschen den Lauf im Fernsehen.

Doch mindestens ebenso spannend wie die heutigen Läufe ist die Geschichte, die hinter dem Vasalauf steckt. Eine Geschichte, die zu den bekanntesten und grundlegendsten Sagen Schwedens gehört:

Es ist Weihnachten im Jahr 1520. Der Adlige Gustav Eriksson, später bekannt als Gustav Vasa, schlägt sich bis nach Dalarna durch. Hier erhofft er sich Hilfe und Unterstützung im Kampf gegen den dänischen König Kristian II., der auch über Schweden herrscht. Wenige Wochen zuvor hat der Tyrann im Stockholmer Blutbad über 80 Adlige und andere Größen des Landes hinrichten lassen, darunter auch Gustavs Vater. Seitdem ist der junge Gustav Vasa auf der Flucht vor den dänischen Häschern.

Wagen die Menschen in Dalarna den Aufstand?

Sein Ziel ist Dalarna. Denn die Menschen dort gelten als aufrührerisch und selbstbestimmt. Wenn sich jemand gegen Kristian II. zur Wehr setzen wird, dann die „Dalkarlar“. Von hilfsbereiten Menschen bekommt er Unterschlupf, aber niemand in den Dörfern wagt den offenen Aufstand gegen die Dänen. Daraufhin versucht es Gustav in Mora. Vor der Kirche hält er eine flammende Rede gegen Kristian. Die Bewohner des kleinen Städtchens am nördlichen Ende des Siljansees stimmen ihm zu. Sie sind durchaus auf seiner Seite und verabscheuen den Dänenkönig. Aber wollen sie tatsächlich Krieg? Und stimmt das denn überhaupt, was dieser Gustav Eriksson da erzählt? Ein Blutbad in Stockholm mit so vielen Toten? Das kann sich kaum jemand vorstellen. Und so verweigern sie dem Aufrührer die Unterstützung. Zugleich kommen dänische Landsknechte nach Mora, sodass Gustav erneut fliehen muss.

Einsam und desillusioniert wendet sich Gustav Eriksson nach Westen. Durch den tiefen Schnee versucht er, sich nach Norwegen durchzukämpfen. Er hat die Hoffnung aufgegeben, dass die Schweden den dänischen Tyrannen abschütteln würden.

Gustav Vasa in Mora
Gustav Vasa in Mora – Gemälde von Johan Gustaf Sandberg (1836)

Der historische „Vasalauf“ ging von Mora nach Sälen

Doch zugleich gelangen neue Nachrichten nach Mora. Zuerst berichtet ein Mann namens Lasse Olsson vom Stockholmer Blutbad, wenig später bezeugt ein weiterer, Ingel Mickelsson, das grausame Verbrechen des Dänenkönigs. Die Stimmung der Bewohner von Mora kippt. Jetzt bereuen sie es, dass sie Gustav Vasa nicht unterstützt haben. Die beiden besten Skiläufer, Lars Jakobsson und Engelbrekt Jonsson, werden beauftragt, so schnell es geht, hinter dem Aufrührer hinterherzujagen und ihn zu überreden, umzukehren. Sie machen sich auf und laufen auf Skiern ohne Pause nach Westen. Nach 90 Kilometern holen sie Gustav Vasa bei Sälen ein.

Gemeinsam kehren sie nach Mora zurück und der bewaffnete Aufstand gegen Kristian II. beginnt. Zweieinhalb Jahre wird dieser Kampf dauern, dann gelingt der Sieg und Gustav Vasa kann als neuer König in Stockholm einziehen. Mit seiner Herrschaft beginnt die schwedische Großmachtzeit.

Ob all diese Geschehnisse in Dalarna sich jemals so zugetragen haben, ist freilich äußerst fraglich. Die Kanzlei Gustav Vasas hat an den Erzählungen fleißig mitgestrickt.

Heutzutage wird die sagenumwobene Strecke zwischen Mora und Sälen, wo Gustav Vasa eingeholt wurde, von tausenden Skiläufern in Angriff genommen – nun nur in umgekehrter Richtung.

Der Vasalauf: die Rekorde

Genau genommen seit 1922. Damals, beim ersten Vasalauf, waren es aber deutlich weniger Läufer. Gerade einmal 116 Sportler wagten sich in die Loipe, 112 schafften es bis ins Ziel. Der Gewinner dieses ersten Laufs, Ernst Alm, hält bis heute den Rekord, mit 22 Jahren als jüngster Sieger über die Ziellinie gelaufen zu sein. Seine Zeit von siebeneinhalb Stunden ist aber schon längst unterboten. 2012 gelang dem Schweden Jörgen Brink der Rekord von 3:38:41. Die schnellste Läuferin war bisher Vibeke Skofterud, ebenfalls im Jahr 2012, mit 4:08:24.

Sieger beim Vasalauf 1922
Der erste Sieger beim Vasalauf: Ernst Alm (1922)

Mittlerweile hat sich der Vasalauf zu einem Großereignis entwickelt, das sich über eine ganze Woche hinzieht, die Vasaloppets vintervecka. Bevor der eigentliche Vasalauf als Krönung dieser Woche wartet, gibt es Stafettenläufe, einen Halb-, Kurz- und einen Jugend-Vasalauf, einen Nachtlauf und und und.

Wenn du 2019 am Vasalauf teilnehmen willst, solltest du dir den 18. März 2018 dick und fett im Kalender markieren. Ab 9 Uhr kannst du dich auf vasaloppet.se anmelden. Aber sei schnell, wenn du in einem Jahr der Spur Gustav Vasas folgen willst, denn, wie gesagt, der Lauf 2018 war innerhalb von fünf Minuten ausgebucht.

 

 

 

 

 

Dalarna ist ein Winterparadies. Tipps für Ausflüge findest du hier und hier.

Dalarna ist eine besondere Region. Nicht umsonst gilt sie als das Herz Schwedens. Rike von Schweden und so erklärt ausführlich, warum und was an Dalarna so besonders ist.

Falun im Winter

Falun im Winter

Falun ist während des gesamten Jahres eine Reise wert, ganz besonders aber im Winter. Von der größten Gemeinde in Dalarna können viele Ausflüge in die Region unternommen werden, die als das Herz Schwedens gilt.

Die Weltkulturstadt Falun ist eine gemütliche Stadt mit vielen historischen, roten Holzhäusern, engen Gassen und schönen Plätzen. Das kannst du natürlich während des ganzen Jahres genießen. Im Winter, wenn Schnee liegt, erhält die Stadt aber einen ganz besonderen Charme. Dann ist ein winterlicher Abendspaziergang durch die Stadt nahezu Pflicht. Dabei kann es durchaus frostig werden, doch es laden viele Cafés zum Aufwärmen ein. Das sehr zu empfehlende Café Kopparhatten im Dalarna-Museum, direkt am Fluss gelegen, hat ab Anfang November 2017 leider geschlossen und es ist unklar, ob und wann es wieder eröffnet.

Blick auf Falun im Winter

Nicht nur eine Schlechtwetteralternative: das Dalarna-Museum

Wenn das Wetter zu schlecht werden sollte (aber nicht nur dann), kannst du das Dalarna-Museum besichtigen. Die Geschichte und Traditionen Dalarnas sind reichhaltig. Nicht nur das berühmte Dalahäst, das Dala-Pferd, kommt aus dieser Region. Traditionen sind hier noch lebendig, was auch Künstler wie Carl Larsson oder Selma Lagerlöf in die Stadt lockte. Die weltberühmte Autorin von „Nils Holgersson“ verbrachte einen Großteil ihres Lebens in Falun. Ihre Bibliothek, in der sie viele ihrer Werke schrieb, wurde im Museum originalgetreu aufgebaut. Es ist eine ganz spezielle Atmosphäre in diesem Raum. Man mag beinahe glauben, hier sei noch jemand am Werk.

Das Kupferbergwerk zu Falun

Kupfergrube von Falun
Kann im Winter ebenso gut besucht werden wie im Sommer – die Kupfergrube

Berühmt ist Falun aber vor allem wegen des Kupferbergwerks, in dem bereits vor 1000 Jahren Kupfer abgebaut wurde. Dieses Bergwerk – Grundlage für den Aufschwung Schwedens im 17. Jahrhundert und reich an Mythen und Legenden – liegt westlich des Stadtkerns und kann das ganze Jahr über besichtigt werden. Im Winter ist die Fahrt in die tief unter der Erde liegenden Schächte auch gar nicht so unangenehm kalt, denn die Temperaturen liegen im Winter wie im Sommer bei ungefähr 5 Grad. Nebenprodukt des Kupferabbaus ist übrigens das Falu Röd, die berühmte und beliebte rote Farbe, mit der so viele schwedische Holzhäuser angestrichen sind. Auch dafür steht also Falun.

Gemütliches Falun
Falun ist eine gemütliche Stadt – besonders im Winter

Falun – ein Wintersportort

Sprungschanze in Falun
Die Sprungschanze (vor der Renovierung)

Von der Grube aus siehst du auf der anderen Seite der Stadt das zweite Wahrzeichen Faluns: die beiden Sprungschanzen und Austragungsort vieler Skispringen. Sie sind Teil der riesigen Sportanlage Lugnet. Im höheren der beiden Sprungtürme ist ein Skimuseum untergebracht. Das ist ganz nett, wirklich spektakulär ist aber die Aussicht über Falun und Umgebung. Und beim Blick die Schanze hinab bekommt man auch großen Respekt vor dem Mut der Skispringer…

Vielleicht ist ja gerade ein internationales Skispringen, wenn du in Falun bist? Dann nix wie hin! Oder die Svenska skidspelen finden im angrenzenden Stadion statt. Dabei handelt es sich um einen Langlaufwettbewerb, der Teil des Worldcups ist. Auch kannst du einen Biathlonlauf verfolgen oder du gehst ins Bandy-Stadion und schaust einem Match in dieser in Deutschland kaum bekannten Sportart zu. Wenn gerade keine Wettkämpfe im Kalender stehen, ist das Langlaufstadion für die Allgemeinheit geöffnet. Du kannst also auch selbst aktiv werden.

Bandy-Spiel in Falun
Beim Bandy geht’s schnell zu

Aktiv, schweißtreibend, aber einfach traumhaft schön ist es, mit den Schlittschuhen über den zugefrorenen See Runn zu laufen. Die sogenannten långfärdsskridskor haben etwas längere Kufen als gewöhnliche Schlittschuhe und eignen sich daher besonders für eine lange Tour über den See. Wenn das Eis dick ist, kannst du die längste Strecken wählen und zwanzig Kilometer über das Eis gleiten. Eine Übersicht über die Eisdicke und Ausleihmöglichkeiten für Schlittschuhe findest du hier.

Eislaufen auf dem See in Falun

Ausflüge von Falun aus

Falun lässt daher die Herzen eines Wintersportlers höher schlagen. Wer davon aber noch nicht genug hat, kann von Falun aus Ausflüge in andere Ecken Dalarnas machen, in denen dann wirklich jeder voll auf seine Kosten kommt:

  • Jahr für Jahr findet auf der 90 Kilometer langen Strecke zwischen Sälen und Mora am Siljansee das größte Wintersportereignis Schwedens statt: der Vasalauf. Mehrere tausend Langläufer bewegen sich dabei über die Loipe. Der Massenstart ist ein Touristenmagnet und absolut beeindruckend. Nicht minder beeindruckend ist die Tatsache, dass der Sieger 2017 die Strecke in etwas mehr als sechs Stunden bewältigte. Das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h. Der Vasalauf findet am 4. März 2018 statt. Er ist aber bereits seit März 2017 ausgebucht. Wer sich 90 Kilometer nicht zutraut, kann an einem der anderen Läufe teilnehmen: So gibt es den halben Vasalauf, einen Stafellauf und viele andere Wettbewerbe.
  • Langlaufen kannst du in vielen Regionen Dalarnas. Besonders gut geeignet sind jedoch die Skigebiete in Särna und Sälen, wobei letzteres das deutlich größere ist und auch für Alpin-Skifahrer viele Pisten bietet.
Winterpracht im Fulufjäll in Dalarna
Winterpracht im Fulufjäll in Dalarna
  • Särna hat hingegen den Vorteil, dass es von hier aus nicht weit ins Fulufjäll ist. In diesem Nationalpark kannst du wunderschöne Winterspaziergänge und -wanderungen unternehmen, durch tiefen Schnee stapfen und den höchsten Wasserfalls Schwedens, Njupeskär, in zugefrorenem Zustand bewundern.
Schwedens höchster Wasserfall Njupeskär zugefroren
Schwedens höchster Wasserfall – im Eis
  • Mora und Leksand haben recht erfolgreiche Eishockey-Mannschaften. Der Besuch eines Heimspiels ist immer ein fantastisches Erlebnis.

Falun bietet viel – im Sommer, besonders aber im Winter. Du kannst in der Stadt einiges erleben. Falun kann aber auch dein Startort sein für spannende Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Dalarnas.


Was Dalarna so besonders macht, erfährst du bei Schweden und so.