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„Smultronställe“ – Blogger verraten ihre liebsten Orte

Smultronställe in Värmland

Der Fels im Wasser ist geformt wie eine Couch. Eine kleine Mulde zum Sitzen, rechts eine Armlehne, hinten etwas erhöht, um den Kopf anzulehnen. Mit einem kleinen Satz springe ich vom Ufer hinüber auf den Felsen, lege mich in die Mulde, lese ein Buch und genieße das Schwappen des Wassers, den sanften Wind und die milde Sonne. Dieser Fels am Ufer des Sees Varpan bei Falun ist meine „Smultronställe“, mein verborgener Lieblingsort, an den ich wieder und wieder zurückkehre.

„Smultron“ sind Walderdbeeren, eine „Smultronställe“ also ein Ort, an dem Walderdbeeren wachsen. Aber im übertragenen Sinn ist eine „Smultronställe“ viel mehr als das: Es ist ein Ort, an den man gerne zurückkehrt, an dem man zu sich selbst kommen kann und sich einfach wohlfühlt. Das kann ein schöner Fleck irgendwo im Wald, am Meer oder auch mitten in der Stadt sein. Auch Cafés, die Sommerstuga oder was auch immer können „Smultronställen“ sein. Oft sind sie ein wenig verborgen und einsame Plätze. Aber nicht zwingend. Das Entscheidende ist: Du fühlst dich dort ganz besonders geborgen.

Skandinavien-Blogger verraten ihre „Smultronställe“

So hat jeder seine ganz eigenen, ganz persönlichen „Smultronställen“. Wir haben andere Skandinavien-Blogger gefragt, wo sich ihre liebsten Orte in Schweden befinden. Manche sind schwer erreichbar oder kaum auffindbar. So wie mein „Couch-Stein“ bei Falun. Aber es gibt auch andere, die auch du aufsuchen kannst. Vielleicht werden sie ja auch für dich zu einer „Smultronställe“.

Smultronställe Rörö
Ein traumhafter Ort: Rörö – meine Smultronställe

Ein solcher Ort könnte die Insel Rörö sein. Sie ist die nördlichste der nördlichen Göteborger Schären und ein ganz besonderer Flecken Erde. Klar, alle Schären vor Göteborg sind wunderschön, beschaulich und kennen Hektik und Stress nicht. Rörö sticht dabei aber heraus. Vielleicht liegt es daran, dass der Weg auf die Insel lang ist. Vielleicht auch am Naturreservat, das mehr als zwei Drittel der Insel einnimmt. Hier über die glatt geschliffenen Felsen zu wandern, sich an der Küste in den Wind, angereicht mit salziger Meerluft, zu stellen, irgendwo geschützt von einem Felsen ein Picknick zu machen und dabei kaum einem Menschen zu begegnen, das lässt mich zur Ruhe kommen wie kaum etwas anderes. Hier bin ich und vergesse die Zeit. Und die Arbeit, Stress, Sorgen. Ich bin einfach.

Daher ist Rörö neben dem „Couch-Stein“ im See Varpan meine zweite Smultronställe in Schweden.

Smögen und der Wald von Åmot

Ganz ähnlich wie mir geht es auch Andrea. Der Schweizer bloggt auf Schwedenhappen.ch über sein Lieblingsland und hat ebenso zwei – durchaus ziemlich unterschiedliche – „Smultronställen“:

„Auf die Frage, welches meine Smultronställen ist, würde ich am liebsten mit „das ganze Schweden” antworten. Da dies für dich als Leser kaum hilfreich ist, habe ich zwei meiner absoluten Kraftorte herausgepickt.

Smögenbryggan

Ja, hier ist es laut, es hat in der Saison unglaublich viele Leute und der Platz ist knapp. Wenn ich aber draußen vor dem Pensionat Bryggan im kleinen Restaurant sitze und bei einem Glas Weißen dem Treiben zuschaue, dann werde ich kreativ. Es ist ein Kommen und Gehen, Boote legen an, Touristen schlendern über den Steg und man kommt mit anderen Gästen ins Gespräch.

Schon manche Geschichte hat sich hier in Smögen in mein Gehirn geschlichen und später via MacBook konkretisiert. Spätestens nach dem dritten Glas aus der Traube sind die Gedanken frei und Freude und Melancholie wechseln sich munter ab. Und wenn dann der Tag zur Nacht wird, verziehe ich mich entweder ins Zimmer in der Pension oder in mein kleines Wohnmobil. Das Leben ist gut.

Smultronställe Smögen
Smögenbryggan; Foto: Andrea Ullius

Der Wald von Åmot

Åmot ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Ockelbo. Zwei Belgier, Jeroen und Sam haben hier ein wunderbares Refugium namens Stilleben geschaffen. Zentrum ist der Wald rund um Åmot. Hier finde ich im Sommer wie im Winter die wahre Stille. Nur das Rauschen des Windes und die Stimmen der Tiere durchbrechen das Nichts. Hin und wieder ist es auch mein Atem, wenn ich mich mit Schneeschuhen durch den unberührten Wald kämpfe. Manchmal sieht man Elfen und Trolle im Nebel. Wunderbar ist dann die kurze oder längere Rast in einer Hütte oder einem Unterstand mit einer Fralla und Kokkaffe. Einfach mal nichts denken, keine Verpflichtung. Nur ich und die Stille.“

Smultronställe Wald von Åmot
Der Wald von Åmot – ein Wintertraum; Foto: Andrea Ullius

 

Der Reiz der Westküste

Rörö, Smögen – die Westküste scheint einige magische Orte bereitzuhalten. Auch Henrike von einfachschweden.de kommt immer wieder nach Bohuslän zurück:

„Meine Smultronställe in Schweden zu beschreiben ist nicht leicht, weil ich mich überall sehr wohl fühle und mich eigentlich nicht entscheiden kann. Aber es gibt wohl eine Gegend, die es mir angetan hat: Bohuslän. Für mich als Küstenkind gehört Wasser und Wind irgendwie immer zum Wohlfühlen und in Bohuslän kommt noch die fantastische Natur dazu. Die abgerundeten Felsen im Wasser, die Weite, das Meer und einfach die Stimmung, die auf so einer kleinen Insel oder in einem niedlichen Fischerdorf zu finden ist.Ich bin schon oft auf Marstrand gewesen, eine kleine Insel im südlichen Bohuslän. Dort findest du alles von Natur über Kultur, kleinen niedlichen Geschäften, Restaurants und Hotels. Ich habe schon des Öfteren im Hafen von Marstrand den Seglern zugeschaut und mir dann einfach vorgestellt, auf einem Boot draußen auf dem Meer zwischen den Klippen zu sein. Dazu dann noch ein wenig Wind und Sonne. Einfach herrlich!“

Smultronställe Marstrand in Bohuslän
Smultronställe Marstrand; Foto: Henrike Thielk

„Smultronställe“ im hohen Norden

Franzi zieht es hoch hinaus: nach Norden und ins Fjäll. Dort hat die Youtuberin, die auf ihrem Kanal Franzi in Schweden über ihr schwedisches Leben berichtet, ihre „Smultronställe“ entdeckt.

Foto: franzi.in.schweden

„Auf meinen Reisen durch Schweden habe ich in den vergangenen zehn Jahren viele wunderbare Orte entdecken dürfen. Dabei ist mir Jämtland am meisten ans Herz gewachsen. Im Fjäll (dem Hochland) im Westen nahe der Grenze zu Norwegen gelegen, finden sich herrlich abgelegene Plätze. Und genau das macht eine echte „Smultronställe“ für mich persönlich aus: das Gefühl, mitten in der Natur und ganz weit weg vom Trubel der Städte zu sein. Zu diesem Naturerlebnis gehören für mich natürlich die Wälder aus Birken und Nadelbäumen, die Seen, Bäche und Flüsse – aber unbedingt auch die Tierwelt.

Smultronställe Fjäll in Jämtland
Smultronställe mit Ren; Foto: Franzi.in.Schweden

Möchte man Elch, Rentier, Bieber und eventuell auch dem Bär einmal außerhalb eines Geheges begegnen, empfiehlt sich ein Besuch in der Region um Hede und Funäsdalen. Zumindest Rentiere trifft man hier ganz sicher immer an – manchmal direkt vor der Tür seines Ferienhauses oder sogar vor dem Eingang eines Outdoor-Geschäfts!“

Hemma är bäst! Die Stuga als „Smultronställe“

Jaana hat eine wahre, echte „Smultronställe“ gefunden – Walderdbeeren inklusive. Josephine, ihre Blogger-Kollegin von Besser Nord als nie fühlt sich hingegen auf den Stockholmer Schären am wohlsten.

„Meine Smultronställe liegt an einem meiner absoluten Lieblingsorte: unserem Häuschen in Schweden. Der Platz ist ein Ort der Ruhe und totalen Freiheit für mich geworden, wo ich einfach entspannen kann, ungestört und von der Welt abgenabelt, im Herzen der schwedischen Natur. Die Stelle ist ein wenig versteckt, man findet sie nicht einfach so – zum Glück. Direkt hinterm Haus liegt der Wald und ein kleiner Weg führt hinein. Nach ungefähr zwei Metern kommt ein großer Baum und direkt dort, neben dem Weg, wachsen die Erdbeeren. Klein, rot und saftig. Viele sind es nicht, aber deshalb ist die Freude umso größer, wenn man sie entdeckt. Von der Hand geht‘s dann direkt in den Mund.“ (Jaana)

Smultron
Smultron an der Smultronställe; Foto: Jaana / Besser Nord als nie

Der Schären-Traum

„Ein Ausflug nach Vaxholm in den Stockholmer Schären ist nicht gerade ein Geheimtipp, aber für mich das perfekte Sommererlebnis. Schon die Anfahrt, nimmt man die Holzdampfer, ist etwas Besonderes. Aber auch mit dem Bus erreicht man das Inselstädtchen. Allein ihr pittoreskes Erscheinungsbild ist den Ausflug wert, aber vor allem bietet Vaxholm die Zutaten, die für mich zum Sommerurlaub in Schweden dazu gehören: tolle Badestellen und Fika. Rund um den Hafen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, eine Fika-Pause einzulegen, aber „Vaxholms Hembygdsgårds Café“ hat es mir besonders angetan. Nach einem Bad kann man zunächst auf den sonnengewärmten Felsen verweilen und sich dann auf das Kuchenbuffet des Cafés stürzen. Besonders schön ist es auf der Terrasse, von wo man Schiffe und den Badespaß beobachten kann. Meer, Sonne und Fika – mehr brauche ich im Sommer nicht und all das bietet Vaxholm.“ (Josephine)

Smultronställe in Vaxholm
Urgemütliches Café als Smultronställe; Foto: Josephine / Besser Nord als nie

Eine Treppe aus Holz, ein Garten, Kaffee – fertig ist die Smultronställe

Wie Jaana hat es auch Inka, seitdem sie in Schweden lebt, nicht weit zu ihrer Smultronställe. Die Bloggerin von Svenska Nyheter lebt mittendrin:

Foto: Svenska Nyheter„Schweden bietet viele wunderbare Rückzugsorte. Die, an denen ich mich besonders wohlfühle, haben eine Gemeinsamkeit: Sie lassen mich dem Trubel entkommen, weil sie mich völlig in Zeit und Raum entrücken. Praktischer ist allerdings, wenn man eine Smultronställe direkt vor der Haustür hat. So kann man dem Alltag mehrmals am Tag für wenige Minuten entgehen. Deshalb habe ich die Treppe vor der Eingangstür zu meiner persönlichen Smultronställe erkoren. Dort zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und meinem zweijährigen Sohn beim Spielen zuzuschauen, ist für mich der Inbegriff von Glück. Bis die Elchkuss-Leser ihre eigene, persönliche Smultronställe gefunden haben, möchte ich ihnen eine in Småland empfehlen. In der Nähe von Olofström befindet sich Valhall. Von dem Aussichtspunkt hat man eine atemberaubende Aussicht auf den Orlunden-See und die umliegende Landschaft.“

 

Mit dem Kaffee auf der Treppe - die heimische Smultronställe; Foto: Svenska Nyheter
Mit dem Kaffee auf der Treppe – die heimische Smultronställe; Foto: Svenska Nyheter

Eine „Smultronställe“ muss kein fester Ort sein.

Rike von schwedenundso.de nimmt ihre „Smultronställe“ am liebsten mit, was natürlich ganz praktisch ist. So ist ihr Lieblingsort immer bei der Bloggerin, wenn sie im Land im Norden unterwegs ist.

Foto: Rike Jütte„Ehrlich gesagt haben wir eine ganze Menge Smultronställen, weswegen uns die Wahl für diesen Artikel sehr schwer fiel. Deshalb beschreiben wir eine der etwas anderen Art. Unsere Smultronställe ist geografisch ungebunden und trotzdem ein Zufluchtsort, wenn wir Ruhe und Gemütlichkeit suchen, wenn wir draußen und trotzdem drinnen sein wollen. Sie ermöglicht es uns, immer wieder neue Smultronställen zu finden, die auf dem Landweg nicht zu erreichen wären. Hier riecht es nach Holz und Teer und das Klima ist häufig frisch, manchmal feucht. Es gluckst freundlich und schaukelt beständig. Unsere ganz persönliche Smultronställe ist das Holzboot Kaja. Hiermit verbinden wir unzählige feine Begegnungen, spannende und entspannende Erlebnisse. Und einige unserer schönsten Schwedenmomente.“

das eigene Boot als Smultronställe
Mobile Smultronställe: das Boot von Rike und Arne; Foto: Rike Jütte

Inseln, Wälder, Berge, Cafés und Boote. Bekannte Orte und ganz verborgene. „Smultronställen“ können vielfältig sein.

Sicherlich hast auch du deinen ganz persönlichen Lieblingsort in Schweden. Einen Ort, an dem du dich einfach wohlfühlst, der dich verzaubert und dich zu dir kommen lässt. Teile ihn mit uns und beschreibe ihn im Kommentarfeld. Dann wächst die Sammlung möglicher „Smultronställen“. Sie soll anderen Lesern Inspiration sein, sodass am Ende jeder seine eigene „Smultronställe“ finden kann.

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