Lächeln, an Eröffnungszeremonien teilnehmen, winken? Sind das die Aufgaben einer Königin in einem Staat, in dem das Königshaus keine politische Macht mehr hat? Oder ist da noch mehr? Ingrid Thörnqvist hat ein Jahr lang Königin Silvia von Schweden begleitet, um das herauszubekommen. Entstanden ist ein Reportagebuch, das spannende Einblicke in das große Engagement der Königin gibt: „Beruf: Königin. Wie Silvia von Schweden die Welt verändert“.
Bei Königin Silvia ist es wie bei vielen anderen Angehörigen königlicher Familien: Durch ihre ständige Präsenz in den Medien, vor allem auch den Boulevardmedien, kennt man sie irgendwie, hat ein vages Bild, aber eigentlich hat man doch kein Bild. Ist das nur eine glänzende Fassade, die gezeigt wird? Gerade in den Boulevardmedien wird zudem vieles aufgebauscht, verzerrt, manchmal auch erfunden. Königin Silvia ist dadurch irgendwie vertraut und zugleich fremd. Wenig greifbar.
In ihrem Buch „Beruf: Königin“ versucht die Journalistin Ingrid Thörnqvist, der Königin etwas näher zu kommen, ein differenziertes Bild zu zeichnen, auch hinter die Kulissen zu blicken. Dabei geht es ihr vor allem um das enorme Engagement, mit dem sich Silvia besonders für Demenzkranke sowie Kinder und Jugendliche in schwierigen sozialen Situationen einsetzt. Im schwedischen Original lautet der Untertitel etwas treffender als in der deutschen Ausgabe: „Makt och möjligheterna“ – „Macht und die Möglichkeiten“. Wie nutzt die Königin ihre herausgehobene Stellung und die Macht, die damit einhergeht, um Möglichkeiten zu schaffen? Um beispielsweise Gelder für ihre Stiftungen einzusammeln?
Ein Reportagebuch
Es geht in diesem Buch aber nicht nur um die Silvias Arbeit als Königin. Es ist geschrieben als Reportage. Die Autorin erzählt dabei, wie sie sich Schritt für Schritt dem Königshaus annäherte, wie sie Hürden überwinden und hartnäckig bleiben musste, um an Vorstandssitzungen von Silvias Stiftungen teilzunehmen und Interviews mit der Königin zu erhalten.
Ingrid Thörnqvist mit Königin Silvia von Schweden
Das Königshaus befindet sich in einer widersprüchlichen Situation: Einerseits wird es mit Staatsgeldern finanziert, muss daher genau Rechenschaft über die Finanzen ablegen und braucht hohe Transparenz – auch um die eigene Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten. Andererseits will die Privatsphäre der Mitglieder geschützt werden. Offenheit und Verschlossenheit gehen daher Hand in Hand.
Das spürte auch Ingrid Thörnqvist. Doch ihre Hartnäckigkeit wurde schließlich belohnt. Ingrid Thörnqvist, frühere SVT-Auslandskorrespondentin unter anderem in Deutschland, durfte ein Jahr lang die Königin begleiten.
Ingrid Thörnqvist war zu Gast im Elchkuss-Podcast. Hör gerne rein!
Königin Silvia – eine Frau mit unermüdlichem Einsatz
Sie zeichnet dabei ein Bild von einer unermüdlich arbeitenden und sehr engagierten Königin. Besonders drei Projekte liegen ihr am Herzen: Silviahemmet, das sich für Demenzkranke und für die Ausbildung von Pflegekräfte einsetzt; Mentor, eine Stiftung, die Kindern und Jugendlichen in schwierigen sozialen Verhältnissen erwachsene Mentoren, die als Vorbild dienen sollen, vermittelt; und die Childhood Foundation, die Kinder, die sexuell missbraucht wurden, unterstützt. Alle drei Organisationen agieren längst nicht nur mehr in Schweden, sondern europa- oder sogar weltweit. Königin Silvia ist, obwohl zum Zeitpunkt der Reportage bereits 80 Jahre alt, bei jeder Vorstandssitzung dabei, sie motiviert, hakt nach, arbeitet sich in Details ein, wird als Motor vieler Projekte beschrieben.
Dass sie dabei nicht nur royalen Glanz verbreiten will, sondern dass es ihr um die Sache, um die betroffenen Menschen geht, das wird im Buch immer wieder deutlich. Ingrid Thörnqvist erzählt beispielsweise von der Verleihung des World’s Children’s Prize auf Schloss Gripsholm in Mariefred. Sie hofft dabei, neben dem offiziellen Teil auch bei einem Gespräch der Königin mit den Preisträgern dabei zu sein. Doch es wirkt so, als gebe es ein solches Gespräch nicht. Am Ende bekommt Ingrid Thörnqvist heraus, dass die Königin sehr wohl mit den Kindern gesprochen hat, aber niemand von den Medien hat davon erfahren. Silvia wollte also offensichtlich nicht das große Rampenlicht, sondern war wirklich an den Kindern und deren Meinungen interessiert.
Es sind Momente wie diese, die viel über Königin Silvia erzählen.
Kann eine Königin Beruf und Privates trennen?
Ingrid Thörnqvist hat für dieses Buch viele enge Vertraute und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Königin befragt, außerdem konnte sie zwei große Interviews mit Königin Silvia führen. In diesen Interviews sprach sie viel über die Organisationen und Silvias Engagement. Das Engagement als Beruf.
Doch wer Königin als Beruf hat, kann die eigene Person, das Private nie gänzlich vom Beruflichen trennen. Silvia ist eben immer Königin (im Juni 2026 übrigens bereits seit 50 Jahren). Auch das Kinderkriegen – und damit die Sicherung der Thronfolge – ist quasi etwas Berufliches. Auch Enthüllungen und Skandale (egal, ob erfundene, aufgebauschte oder echte) sind Teil des Berufs, etwa als 2010 das Buch über den König „Den motvillige monarken“ erschien, in dem dem König enge Verbindungen in dubiose Welten nachgesagt wurden.
Und als Königin ist Silvia auch Zwängen unterworfen, sie muss Freiheiten aufgeben. So haben die Mitglieder des Königshauses zwar das Wahlrecht, es wird von ihnen aber erwartet, es nicht wahrzunehmen. Sie müssen Angehörige der protestantischen Kirche sein. Sie sollen sich nicht in politische Debatten einlassen.
Unpolitisches Königshaus – Geht das überhaupt?
Aber geht das überhaupt? Kann man sich für Kinder in der Ukraine einsetzen, ohne damit auch ein politisches Statement abzugeben? Wie geht die Königin mit solchen Spannungen um?
Weil das Buch Fragen wie diese aufgreift, wird es relevant. Durch die Anlage als Reportage wird zudem deutlich, wie die Autorin bei manchen Fragen auch nicht weiterkommt, wie die Königin ausweicht oder standardisiert antwortet. Ganz nah an sich ran lässt sie auch Ingrid Thörnqvist nicht.
„Beruf: Königin“ ist daher ein spannendes und hochinteressantes Buch über Königin Silvia. Die Themen der Klatschpresse (die Essstörungen der Kronprinzessin, die angebliche Nazi-Vergangenheit von Silvias Vater, die vermeintlichen Eskapaden des Königs) werden nur am Rande gestreift, aber sie sind im Grunde nicht wichtig. Das ist gut so. Hingegen wird der unermüdliche Einsatz der Königin für ihre Stiftungen, für Alte, Demenzkranke, sexuell Ausgenutzte, Kinder, am Rand Stehende in den Fokus gerückt. Das Buch zeigt, wie engagiert Silvia arbeitet, wie sie ihn lebt, den Beruf Königin. Damit zeichnet Ingrid Thörnqvist ein differenziertes Bild der Königin, sie zeigt neue Facetten.
Lächeln, an Eröffnungszeremonien teilnehmen, winken? Sind das die Aufgaben einer Königin in einem Staat, in dem das Königshaus keine politische Macht mehr hat? Oder ist da noch mehr? Ingrid Thörnqvist hat ein Jahr lang Königin Silvia von Schweden begleitet, um das herauszubekommen. Entstanden ist ein Reportagebuch, das spannende Einblicke in das große Engagement der Königin gibt: „Beruf: Königin. Wie Silvia von Schweden die Welt verändert“.
Bei Königin Silvia ist es wie bei vielen anderen Angehörigen königlicher Familien: Durch ihre ständige Präsenz in den Medien, vor allem auch den Boulevardmedien, kennt man sie irgendwie, hat ein vages Bild, aber eigentlich hat man doch kein Bild. Ist das nur eine glänzende Fassade, die gezeigt wird? Gerade in den Boulevardmedien wird zudem vieles aufgebauscht, verzerrt, manchmal auch erfunden. Königin Silvia ist dadurch irgendwie vertraut und zugleich fremd. Wenig greifbar.
In ihrem Buch „Beruf: Königin“ versucht die Journalistin Ingrid Thörnqvist, der Königin etwas näher zu kommen, ein differenziertes Bild zu zeichnen, auch hinter die Kulissen zu blicken. Dabei geht es ihr vor allem um das enorme Engagement, mit dem sich Silvia besonders für Demenzkranke sowie Kinder und Jugendliche in schwierigen sozialen Situationen einsetzt. Im schwedischen Original lautet der Untertitel etwas treffender als in der deutschen Ausgabe: „Makt och möjligheterna“ – „Macht und die Möglichkeiten“. Wie nutzt die Königin ihre herausgehobene Stellung und die Macht, die damit einhergeht, um Möglichkeiten zu schaffen? Um beispielsweise Gelder für ihre Stiftungen einzusammeln?
Ein Reportagebuch
Es geht in diesem Buch aber nicht nur um die Silvias Arbeit als Königin. Es ist geschrieben als Reportage. Die Autorin erzählt dabei, wie sie sich Schritt für Schritt dem Königshaus annäherte, wie sie Hürden überwinden und hartnäckig bleiben musste, um an Vorstandssitzungen von Silvias Stiftungen teilzunehmen und Interviews mit der Königin zu erhalten.
Das Königshaus befindet sich in einer widersprüchlichen Situation: Einerseits wird es mit Staatsgeldern finanziert, muss daher genau Rechenschaft über die Finanzen ablegen und braucht hohe Transparenz – auch um die eigene Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten. Andererseits will die Privatsphäre der Mitglieder geschützt werden. Offenheit und Verschlossenheit gehen daher Hand in Hand.
Das spürte auch Ingrid Thörnqvist. Doch ihre Hartnäckigkeit wurde schließlich belohnt. Ingrid Thörnqvist, frühere SVT-Auslandskorrespondentin unter anderem in Deutschland, durfte ein Jahr lang die Königin begleiten.
Ingrid Thörnqvist war zu Gast im Elchkuss-Podcast. Hör gerne rein!
Königin Silvia – eine Frau mit unermüdlichem Einsatz
Sie zeichnet dabei ein Bild von einer unermüdlich arbeitenden und sehr engagierten Königin. Besonders drei Projekte liegen ihr am Herzen: Silviahemmet, das sich für Demenzkranke und für die Ausbildung von Pflegekräfte einsetzt; Mentor, eine Stiftung, die Kindern und Jugendlichen in schwierigen sozialen Verhältnissen erwachsene Mentoren, die als Vorbild dienen sollen, vermittelt; und die Childhood Foundation, die Kinder, die sexuell missbraucht wurden, unterstützt. Alle drei Organisationen agieren längst nicht nur mehr in Schweden, sondern europa- oder sogar weltweit. Königin Silvia ist, obwohl zum Zeitpunkt der Reportage bereits 80 Jahre alt, bei jeder Vorstandssitzung dabei, sie motiviert, hakt nach, arbeitet sich in Details ein, wird als Motor vieler Projekte beschrieben.
Dass sie dabei nicht nur royalen Glanz verbreiten will, sondern dass es ihr um die Sache, um die betroffenen Menschen geht, das wird im Buch immer wieder deutlich. Ingrid Thörnqvist erzählt beispielsweise von der Verleihung des World’s Children’s Prize auf Schloss Gripsholm in Mariefred. Sie hofft dabei, neben dem offiziellen Teil auch bei einem Gespräch der Königin mit den Preisträgern dabei zu sein. Doch es wirkt so, als gebe es ein solches Gespräch nicht. Am Ende bekommt Ingrid Thörnqvist heraus, dass die Königin sehr wohl mit den Kindern gesprochen hat, aber niemand von den Medien hat davon erfahren. Silvia wollte also offensichtlich nicht das große Rampenlicht, sondern war wirklich an den Kindern und deren Meinungen interessiert.
Es sind Momente wie diese, die viel über Königin Silvia erzählen.
Kann eine Königin Beruf und Privates trennen?
Ingrid Thörnqvist hat für dieses Buch viele enge Vertraute und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Königin befragt, außerdem konnte sie zwei große Interviews mit Königin Silvia führen. In diesen Interviews sprach sie viel über die Organisationen und Silvias Engagement. Das Engagement als Beruf.
Doch wer Königin als Beruf hat, kann die eigene Person, das Private nie gänzlich vom Beruflichen trennen. Silvia ist eben immer Königin (im Juni 2026 übrigens bereits seit 50 Jahren). Auch das Kinderkriegen – und damit die Sicherung der Thronfolge – ist quasi etwas Berufliches. Auch Enthüllungen und Skandale (egal, ob erfundene, aufgebauschte oder echte) sind Teil des Berufs, etwa als 2010 das Buch über den König „Den motvillige monarken“ erschien, in dem dem König enge Verbindungen in dubiose Welten nachgesagt wurden.
Und als Königin ist Silvia auch Zwängen unterworfen, sie muss Freiheiten aufgeben. So haben die Mitglieder des Königshauses zwar das Wahlrecht, es wird von ihnen aber erwartet, es nicht wahrzunehmen. Sie müssen Angehörige der protestantischen Kirche sein. Sie sollen sich nicht in politische Debatten einlassen.
Unpolitisches Königshaus – Geht das überhaupt?
Aber geht das überhaupt? Kann man sich für Kinder in der Ukraine einsetzen, ohne damit auch ein politisches Statement abzugeben? Wie geht die Königin mit solchen Spannungen um?
Weil das Buch Fragen wie diese aufgreift, wird es relevant. Durch die Anlage als Reportage wird zudem deutlich, wie die Autorin bei manchen Fragen auch nicht weiterkommt, wie die Königin ausweicht oder standardisiert antwortet. Ganz nah an sich ran lässt sie auch Ingrid Thörnqvist nicht.
„Beruf: Königin“ ist daher ein spannendes und hochinteressantes Buch über Königin Silvia. Die Themen der Klatschpresse (die Essstörungen der Kronprinzessin, die angebliche Nazi-Vergangenheit von Silvias Vater, die vermeintlichen Eskapaden des Königs) werden nur am Rande gestreift, aber sie sind im Grunde nicht wichtig. Das ist gut so. Hingegen wird der unermüdliche Einsatz der Königin für ihre Stiftungen, für Alte, Demenzkranke, sexuell Ausgenutzte, Kinder, am Rand Stehende in den Fokus gerückt. Das Buch zeigt, wie engagiert Silvia arbeitet, wie sie ihn lebt, den Beruf Königin. Damit zeichnet Ingrid Thörnqvist ein differenziertes Bild der Königin, sie zeigt neue Facetten.