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23 schwedische Bücher, die einen Platz in deinem Bücherregal verdient haben

Schwedische Bücher lesen

Puh – einen Kanon der wichtigsten schwedischen Bücher zusammenstellen? Ist das nicht unmöglich? Und zudem vollkommen vermessen? Vielleicht. Aber es gibt einige schwedische Bücher, die aus der Fülle der schwedischen Literatur herausragen und die viel über das Land und seine Bewohner erzählen. Wir haben daher versucht, die 23 wichtigsten Bücher zu ermitteln.

Eine solche Liste ist natürlich immer subjektiv. Jeder wird seine Liste anders gestalten. Um möglichst objektiv zu sein, haben wir drei bereits bestehende Rankings als Grundlage und Orientierung genommen:

  1. das Projekt Runeberg, bei dem 1998 die Schweden über die 100 wichtigsten schwedischen Bücher des 20. Jahrhunderts abstimmen konnten,
  2. die Auflistung der 50 Bücher, die Schweden formten, welche das Magazin Neo 2013 zusammen mit drei Literaturwissenschaftlern erstellte,
  3. und schließlich die sog. „Världsbibliotek“ – eine von schwedischen Autoren, Literaturwissenschaftlern, Buchhändlern u.a. ausgewählte Sammlung der 100 wichtigsten Werke der Welt.

Diese drei Listen haben wir verglichen, wir haben alle Sachbücher rausgestrichen und uns auf diejenigen Werke konzentriert, die viel über Schweden erzählen oder die in Deutschland eine besondere Wertschätzung genießen.

Und das ist unser Ergebnis: 23 wichtige schwedische Bücher (ohne Sachbücher), die es verdient haben, in dein Bücherregal oder auf deinen Reader zu wandern.

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23. Sven Nordqvist: Pettson och Findus (1984 – …)

Der alte Pettersson lebt zusammen mit ein paar Hühnern, kleinen Wesen namens „Mucklor“ und der Katze Findus auf seinem überschaubaren Hof. So weit, so unspektakulär. Doch die Kinderbücher sind nicht nur für Kinder ein Vergnügen, sondern auch für die vorlesenden Erwachsenen. Denn der feine Humor und vor allem die wunderbar detailreichen Illustrationen lassen einen die Bücher wieder und wieder durchblättern – und jedes Mal entdeckt man ein neues, witziges Detail.

Die Bücher von Pettersson bzw. Pettson und Findus im schwedischen Original sind übrigens sehr gut dafür geeignet, Schwedisch zu lernen. Nicht allzu schwer, humorvoll, alltagsnah.

 

22. Tomas Tranströmer: 17 Dikter (1954)

2011 erhielt Tranströmer den Literatur-Nobelpreis, obwohl sein Gesamtwerk* nur etwa 500 Seiten ausmacht. Doch genau das ist der Kern seines lyrischen Schaffens: absolute Verdichtung. Bereits in seinem Debütband „17 Dikter“ zeigt er dieses Können. In Haikus und anderen gebundenen Formen verdichtet er Bilder und Metaphern, legt sie zum Teil übereinander und fordert somit die Assoziationskraft des Rezipienten heraus.

 

21. Astrid Lindgren: Alla vi barn i Bullerbyn (1947)

Der ehemalige Leiter des Stockholmer Goethe-Instituts, Berthold Franke, meinte einmal, viele Deutsche litten am „Bullerbü-Syndrom“, wenn sie an Schweden dächten. Das Bullerbü-Schweden sei eine Art Traum von einer idealen Welt mit einer intakten Gesellschaft und unberührter Natur. Ganz gleich, ob er damit nun Recht hatte oder nicht, fest steht, dass die Welt der „Kinder aus Bullerbü“ eine ziemlich heile ist. Die Kinder aus dem Nord-, Mittel- und Südhof spielen unaufhörlich, erleben (meist kleine) Abenteuer und genießen dabei ihre Kindheit in Småland. Eine Kindheit, wie sie auch Astrid Lindgren hatte und die sie in den Bullerbü-Büchern aufleben ließ. Und damit prägte sie ein Bild von einem romantischen Schweden, dem man nur zu gerne hinterherträumt. Willkommen, Bullerbü-Syndrom!

 

20. Jan Guillou: Ondskan (1981)

Die schwedische Schule ist demokratisch, lässt keinen zurück und ist anderen Ländern ein Vorbild? Ja, heute mag das so sein. Nicht aber in den 1950er Jahren. Der schwer erziehbare Erik Ponti muss auf ein Internat, auf dem die Lehrer die Schüler mehr oder weniger sich selbst überlassen und sich eine gnadenlose sadistische Hierarchie entwickelt. Erik reagiert auf Gewalt mit Gewalt. Aber ist das der richtige Weg?
Jan Guillou verarbeitet in seinem wichtigsten Roman in Teilen eigene Erfahrungen. „Das Böse“ ist ein herausragendes Werk gegen Gewalt.

 

19. Ulf Lundell: Jack (1976)

Mit „Jack“ schaffte Ulf Lundell sofort den Durchbruch. Ein Roman über die Jugend in den 1970er Jahren – kraftvoll, lebendig und düster zugleich, eine Bibel für die damalige schwedische Jugend. Popliteratur, wie man sie sich wünscht.

Ulf Lundell schreibt nicht nur tolle Bücher, es ist vor allem auch ein begnadeter Musiker.

 

18. Marianne Fredriksson: Anna, Hanna och Johanna (1994)

Anna, Hanna und Johanna (bzw. „Hannas Töchter“, wie das Buch in der deutschen Übersetzung heißt) sind alle Teil einer Familie, aber in unterschiedlichen Generationen. Die Erzählung setzt 1871 ein und endet zum Zeitpunkt der Entstehung des Romans. Entlang den Lebenslinien der drei Frauen kann der Leser die Entwicklung Schwedens vom armen, bäuerlich strukturierten Land, über die dynamische Entwicklung der Großstädte bis hin zum Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg nachvollziehen.

 

17. Karin Boye: Kallocain (1940)

„Kallocain“ ist die bedeutendste schwedische Dystopie. Die Entwicklungen in Nazi-Deutschland und in der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg inspirierten Boye zu diesem düsteren Entwurf einer Zukunft, in der der Staat die volle Kontrolle über die einzelnen Individuen hat und jeder Einzelne ständig überwacht wird. Düster, bitter, aber stets auch mit einem Fünkchen Hoffnung.

 

16. Gösta Knutsson: Pelle Svanslös på äventyr (1939)

Pelle Svanslös ist neben Findus wohl Schwedens bekannteste Katze und von vielen bis heute geliebt. Gösta Knutsson ist es mit Pelle Svanslös gelungen, mit Humor und einfachen Texten und Bildern humanistische Werte in die schwedischen Kinderzimmer zu transportieren. Der deutschen Übersetzung „Moritz Stummel“ gelang dies nie im gleichen Maß. Ob das wohl an dem – nun ja – etwas verunglückten Namen der Übersetzung lag?

 

15. Moa Martinsson: Mor gifter sig (1936)

„Mutter heiratet“ ist der erste Teil der autobiografischen Trilogie über das arme Schweden und das Leben der Arbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Besonders ist die Romanreihe auch deswegen, weil Moa Martinsson die einzige nennenswerte proletarische Schriftstellerin dieser Zeit ist. Die weiteren Teile sind „Kyrkbröllop“ („Kirchliche Trauung“) und „Kungens rosor“ („Die Rosen des Königs“).

 

14. Stieg Larsson: Millenium-Trilogie (2005-2007)

Die Millenium-Trilogie aus der Feder von Stieg Larsson verkaufte sich weltweit über 60 Millionen (!) Mal. Das Tragische daran: Der Autor konnte seinen eigenen Erfolg nicht mehr miterleben, denn er starb bereits 2004 an einem Herzinfarkt. Glücklicherweise hatte er zu diesem Zeitpunkt alle drei Bände („Män som hatar kvinnor“, „Flickan som lekte med elden“ und „Luftslottet som sprängdes“ (im Deutschen „Verblendung“, „Verdammnis“, „Vergebung“)) fertig geschrieben. Sonst hätten wir nie Lisbeth Salander kennen gelernt, diese feministische, linke, autistische, punkige, saucoole Hackerin, deren Kindheit und Jugend an Tiefpunkten kaum mehr zu überbieten ist. Und uns würden drei extrem spannende Bücher im Regal fehlen.

An einem vierten Band arbeitete Larsson, als er starb, sodass dieser unvollendet blieb. David Lagercrantz kam die Ehre zu, die Trilogie fortzuführen. 2015 erschien so der vierte Band („Det som inte dödar oss“*).

 

13. Harry Martinson: Aniara (1956)

Harry Martinsons Leben ist beinahe so abenteuerlich wie das Schicksal der Besatzung des Raumtransporters Aniara. Früh ohne Eltern verbrachte Martinson viele Jahre auf See, lebte immer wieder als Vagabund und nahm freiwillig am finnischen Winterkrieg teil. Seine autobiografischen Romane „Nässlorna blomma“* (1935) und „Vägen ut“* (1936) wurden große Erfolge. Den Literatur-Nobelpreis erhielt er jedoch hauptsächlich aufgrund seines Versepos‘ „Aniara“, das von einem Weltraumtransporter erzählt, der Flüchtlinge von der Erde zum Mars bringt, weil die Erde aufgrund von Krieg und Zerstörung immer unbewohnbarer wird. Doch die „Aniara“ kommt vom Kurs ab und fliegt immer weiter hinaus ins Sonnensystem. Als die Menschen an Bord verstehen, dass sie nie zurückkehren werden, suchen sie ihr Heil in Religion, Sex und Philosophie.

 

12. Astrid Lindgren: Emil i Lönneberga (1963)

Ihn muss man einfach kennen und mögen: Emil (der im Deutschen Michel heißt) aus Lönneberga – der Lausebengel vom Hof Katthult in Småland. Seien es Streiche, Schabernack oder eigentlich gut gemeinte Dinge, die jedoch nach hinten losgehen, am Ende ist Michels Papa Anton wütend und Emil / Michel schließt sich im Holzschuppen ein, wo er ein ganzes Arsenal an Holzfiguren schnitzt. Neben den amüsanten und kurzweiligen Geschichten erfährt der Leser zudem ganz beiläufig einiges über das Landleben in Schweden um das Jahr 1900 herum.

 

11. Henning Mankell: Wallander-Reihe (1991-2013)

Neben den Astrid Lindgren-Büchern sind es wohl vor allem die Krimis um Kommissar Kurt Wallander des kürzlich verstorbenen Henning Mankell, die das Schwedenbild der Deutschen prägen. Bei ihm sind es jedoch keine Bullerbü-Traumlandschaften, sondern er zeigt ganz in der Tradition von Sjöwall und Wahlöö die kalte Seite Schwedens, in der Menschen alleine oder anderen Kräften ausgeliefert sind. Obwohl Ystad in Skåne, wo die Krimis spielen, eher grau dargestellt wird, ziehen die Romane doch jährlich tausende Touristen in das kleine Städtchen am Meer (das eigentlich ja auch recht idyllisch ist).

 

10. Selma Lagerlöf: Jerusalem (1901-02)

„Jerusalem“ ist Selma Lagerlöfs literarisch wichtigstes Werk. In ihrem Zweiteiler folgt sie mehreren Bauern aus Dalarna, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Jerusalem auswandern. Die Gruppe gab es wirklich, die Figuren sind jedoch fiktiv gestaltet und geben einen spannenden Einblick in das lutherisch geprägte Landleben, dessen Ordnung um die Jahrhundertwende immer mehr ins Wanken gerät.

 

9. Carl Mikael Bellman: Fredmans epistlar (1790)

Bellman ist ein Faszinosum. Gelebt hat er im ausgehenden 18. Jahrhundert, gerne zitiert wird der Dichter aber bis heute. Sein Werk umfasst Naturlyrik, jedoch ebenso amüsante, burleske Schilderungen von Mann und Weib, Vergnügungen und viel Wein*. In „Fredmans Episteln“ überwiegen ganz eindeutig die heiteren, derben und frivolen Lieder von der Liebe und vom Wein.

 

8. August Strindberg: Röda rummet (1879)

„Das rote Zimmer“ ist das zentrale Werk des „Nationaldichters“ Strindberg und mitverantwortlich für den Durchbruch der Moderne in der schwedischen Literatur. Die Geschichte um den gutgläubigen Idealisten Arvid Falk ist eine desillusionierende Darstellung von Gier und Geltungssucht der bürgerlichen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts.

 

7. Astrid Lindgren: Bröderna Lejonhjärta (1973)

Astrid Lindgren bezeichnet „Die Brüder Löwenherz“ als eines ihrer wichtigsten Werke. Zentrales Thema ist der Tod, denn der kranke Krümel und sein Bruder Jonathan sterben. Nach ihrem Tod gelangen sie ins Reich Nangijala, wo Krümel nicht länger krank ist. Nangijala ist ein Land, das sich noch „in der Zeit der Lagerfeuer und Sagen“ befindet. Doch es wird bedroht vom bösen Tengil und seinem Ungeheuer Katla. Damit ist der Jugendroman nicht nur eine Erzählung über Tod und Trost, sondern auch über Unterdrückung, Freiheit, Brüderliebe, Verrat, Mut und Hoffnung. Und nicht zuletzt über die Notwendigkeit, für eine Sache einzustehen und für sie zu kämpfen, wenn sie vom Bösen bedroht ist.

 

6. Maj Sjöwall & Per Wahlöö: Roman om ett brott (1965-75)

Zehn Kriminalromane umfasst die Reihe um Kommissar Martin Beck. Mit ihnen legten die linksgerichteten Autoren den Grundstein für den typischen skandinavischen Krimi, bei dem es nicht nur um die Aufklärung eines Falls geht, sondern Entwicklungen in Staat und Gesellschaft kritisch beleuchtet werden. Sjöwall und Wahlöö sind damit die Vorbilder für Mankell, Larsson und Co.

 

5. Per Anders Fogelström: Stockholm-Serie (1960-68)

Die sog. „Stad“- oder „Stockholm“-Serie von Fogelström setzt sich aus fünf Büchern zusammen. Über die Jahre von 1860 bis 1968 folgt der Leser dem Protagonisten Henning Nilsson, seinen Kindern und Angehörigen. Doch der eigentliche Protagonist der Romanreihe ist Schwedens Hauptstadt Stockholm.

 

4. Frans G. Bengtsson: Röde Orm (1941-45)

Die turbulente, teils brutale, teils höchst vergnügliche Wikingergeschichte um Röde Orm („Die Abenteuer des Röde Orm“) wurden schon als schwedische Odyssee bezeichnet. Der Held, der Wikinger Orm Tostesson, muss jedenfalls allerhand wilde Abenteuer überleben, wobei viel Alkohol und auch Blut fließt.

 

3. Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige (1906-07)

„Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ stammt aus einer Zeit, in der sich Norwegen gerade von der schwedischen Herrschaft gelöst hat. Für Schweden eine Zeit der Krise. Mit der Erzählung des Däumlings Nils, der auf dem Gänserücken durch ganz Schweden reist, hat Selma Lagerlöf nicht nur eine wunderbare Geschichte für Kinder geschaffen, sondern im besten Sinne des Wortes ein „Volksbuch“: ein Buch, das ein Gefühl für die schwedische Geografie und für andere Landesteile vermitteln sollte. Eigentlich ist das Buch ein ziemlich dicker Schinken. Aber für Kinder gibt es auch eine abgespeckte Variante mit schönen Illustrationen.

 

2. Astrid Lindgren: Pippi Långstrump (1945)

Das Mädchen mit den roten Zöpfen, der Truhe voller Goldstücke, dem Pferd Kleiner Onkel auf der Veranda und dem Äffchen Herr Nilsson auf der Schulter pfeift auf alle Konventionen. Und das in einer Zeit, in der Konventionen viel bedeuteten! Nicht wenige Konservative hielten dieses Buch für brandgefährlich. Doch das war Astrid Lindgren egal. Sie stand immer auf der Seite der Kinder, auch wenn sie sich dafür mit der Erwachsenenwelt anlegen musste. Mit Pippi schuf sie die weltweit wohl bekannteste Kinderbuchfigur.

 

1. Vilhelm Moberg: Auswanderer-Tetralogie (1949-59)

Insbesondere der erste Teil der vierbändigen Auswandererserie, „Utvandrarna“ („Die Auswanderer“), um die beiden Protagonisten Karl-Oskar und Kristina beschreibt höchst eindrücklich das bäuerliche Leben in Småland im 19. Jahrhundert. Getrieben von Armut, Hunger, religiöser Unterdrückung und fehlender Freiheit suchen Karl-Oskar, Kristina und anderer Auswanderer ihr Glück in den USA. Mobergs Werk ist äußerst populär in Schweden. Das von den ABBA-Mitgliedern Björn Ulvaeus und Benny Andersson komponierte Musical „Kristina aus Duvemåla“*, das Kristina in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, vergrößerte den Ruhm noch mehr.
Auf Deutsch gibt es diesen schwedischen Klassiker leider nur noch antiquarisch.

Zur ausführlichen Rezension des ersten Bandes

 

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