Reisen Småland und Öland

Borgholm – eine der eindrucksvollsten Ruinen Schwedens

Schlossruine Borgholm, Öland

Mächtig erheben sich die zwei- und dreigeschossigen Mauern, an den Ecken thronen dicke, runde Türme. Schwarzen Augen gleich schauen die leeren Fenster auf die Besucher im Innenhof herab. Vom prächtigen Schloss sind zwar nur die Mauern übrig, aber diese sind gewaltig und beeindrucken. Von allen Ruinen Schwedens ist Borgholm wahrscheinlich die eindrucksvollste.

Die Schlossruine steht außerhalb des kleinen Örtchens Borgholm auf der Insel Öland und thront majestätisch auf einer Anhöhe über der Ostsee. Besonders im Abendlicht und wenn die Mauern von Scheinwerfern illuminiert werden, wirkt das Gemäuer magisch.

Die Geschichte der Burg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Zunächst wurde ein einfacher Verteidigungsturm, ein sog. kastral, errichtet. Im 13. Jahrhundert wurde aus dem Turm dann eine Burg. Borgholm lag strategisch wichtig, denn die schmale Stelle zwischen Festland und Öland war ein zentraler Schifffahrtsweg. Und Kalmar, das auf der anderen Seite auf dem Festland liegt, war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit eine der wichtigsten schwedischen Städte – Ort zahlreicher Reichstage, immer wieder umkämpft und von vor allem den Dänen bedroht.

Umkämpftes Schloss Borgholm

Die Dänen waren es schließlich auch, die dafür sorgten, dass die Burg Anfang des 16. Jahrhunderts zerstört wurde. Die Überreste verfielen in einem Dornröschenschlaf, der nicht ganz hundert Jahre dauerte. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Burg wieder aufgebaut und dabei aber umgestaltet zu einem prachtvollen Renaissance- und Barockschloss.

Umkämpft blieb das Schloss weiterhin. Von 1611 bis 1613 wechselte es gleich viermal den Besitzer. Zuerst eroberten die Dänen das Schloss im Kalmarkrieg, zwei Monate später eroberte Gustaf Adolf es zurück, ehe die Dänen es 1612 erneut eroberten. Doch im Frieden von Knäred 1613 kam es an Schweden zurück – jedoch völlig ausgeplündert und in einem miserablen Zustand. Erneut musste es also renoviert und ausgebaut werden.

Der Architekt Nicodemus Tessin der Ältere entwickelte große Pläne. Teile davon wurden umgesetzt, andere jedoch nicht. Es existiert eine Zeichnung der Pläne Nicodemus Tessins. Diese Gestalt konnte das Schloss jedoch nie annehmen. Im 18. Jahrhundert verlor das Schloss an Bedeutung, es wurde nicht mehr ordentlich gepflegt und verfiel Stück für Stück. Am Ende befanden sich eine Schule und ein Betrieb, der Stoffe färbte, in den Räumlichkeiten, die noch genutzt werden konnte. Ein Großbrand im Jahr 1806 zerstörte dann auch noch den Rest.

Schloss Borgholm, historische Zeichnung
So sollte das Schloss einmal aussehen; es wurde aber nie fertiggestellt; Zeichnung um 1700; public domain

Zerstörung und Zerfall führen zum „offenen Palast“

Zerstörung und Verfall scheinen daher schon von Anfang an fester Bestandteil der Burg und des Schlosses von Borgholm gewesen zu sein.

Zu unserem heutigen Glück! Denn dadurch wurden die Gemäuer zu einem „offenen Palast“, dem Dach, Türen und Fenster fehlen. Doch genau das verleiht Borgholm heute seinen einzigartigen Charakter.

Beim Rundgang durch den gewaltigen Innenhof spürt man die vergangene Macht, die sich hier einmal konzentrierte. Die Atmosphäre ist einzigartig und – auch wenn ich Werbesprüche eigentlich nicht mag – ich muss hier der offiziellen Webseite zustimmen, auf der geschrieben steht: Es sei ein Gebäude „som inte lämnar någon oberörd“ („das niemanden unberührt zurücklässt“). 

Das scheint auch die Königsfamilie zu spüren, die im Schloss Solliden, das sich nur einen Steinwurf von der Schlossruine Borgholm entfernt befindet, ihren Sommersitz hat. Und auch Konzertveranstalter wissen um die magische Stimmung der Ruine. Immer wieder gibt es große Konzerte und Festivals in der Schlossruine. Die Bilder von diesen Konzerten zeugen von der besonderen Stimmung. Beispielsweise spielte Roxette 1989 in Borgholm.

Wer Urlaub auf Öland macht, sollte daher der Schlossruine Borgholm unbedingt einen Besuch abstatten.

Öffnungszeiten, Führungen und Kinderprogramm:

Die Schlossruine ist normalerweise von Anfang April bis Anfang November geöffnet, in der Nebensaison meist von 10-16 oder 17 Uhr, in der Hauptsaison von 10-18 Uhr. 

Es lohnt sich sehr, an einer Führung teilzunehmen. Diese werden auf Schwedisch angeboten. Audioguides gibt es auch in Englisch und Deutsch. 

Spannend wird es für Kinder. Sie können an der Jagd auf das Drachengold teilnehmen (auch auf Deutsch), auf einem Einhorn reiten und viele weitere Abenteuer erleben. Mehr dazu auf der Homepage der Schlossruine.

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