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„Sailing Bassman“ Claus Aktoprak über das Segeln in den Schären

Claus Aktoprak - the Sailing Bassman

2014 segelte der Musiker Claus Aktoprak als „Sailing Bassman“ sechs Monate durch die schwedischen Schären bis zu den Åland-Inseln. Über dieses Abenteuer hat er ein Buch geschrieben: „SchärenSegeln“. Aber der Norden und die Ostsee lassen ihn nicht los, weshalb er bald wieder aufbrechen wird – dann auf einer alten Segelroute der Wikinger. Elchkuss hat sich mit ihm über das Schären-Segeln, Schweden, das neue Projekt und das wunderbare Gefühl, Zeit im Überfluss zu haben, unterhalten.

 

Claus Aktoprak segelt durch die schwedischen Schären
Schärentraum; Foto: Claus Aktoprak / millemari

Elchkuss: Beginnen wir ganz am Anfang: Eine sechsmonatige Auszeit, größtenteils ganz alleine auf einem Segelboot – welche entscheidende Motivation stand hinter diesem Entschluss: die Flucht vor etwas oder die Suche nach etwas?

Claus Aktoprak: Das war im Prinzip beides. Um es kurz zu erklären: Ich bin eigentlich mein Leben lang Musiker gewesen, bin also freischaffend und selbstständig und hatte dann irgendwann einen Job als Produktmanager in einer Musikinstrumentenfirma angenommen, der sich über acht Jahre hinzog. Das wurde in den letzten Jahren aber immer stressiger und stressiger. Irgendwann in der Zeit habe ich mit dem Segeln angefangen. Das war ein Blick aufs Wasser und ein einsames Segelboot und da dachte ich: Das würde mir bestimmt gut tun. Dann habe ich mich da reingehängt und relativ schnell die ganzen Scheine gemacht, mir ein Boot bei Ebay gekauft. Dabei war mir schon immer relativ klar, dass ich das nicht nur so als Wochenendausgleich machen will, sondern schon auch eine größere Reise stattfinden sollte. Dieser Entschluss stand im Hinterkopf fest.

Claus Aktoprak: Einer der wenigen, der sich über die Entlassung freut

Und dann kam es so, dass die ganze Firma nach Frankfurt umgezogen ist, dass sie Mitarbeiter entlassen wollte und ich einer der wenigen war, die sich sehr darüber gefreut haben, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht selbst aktiv werden muss, sondern das jetzt so seinen Weg geht. Es gab dann noch eine Abfindung und die Firma hat mich noch ein Jahr als Berater behalten. Das konnte ich alles sehr gut einsetzen, um dann zu sagen: Ich brauche jetzt wirklich mal Ruhe. So gesehen war es schon eine Flucht vor dem ganzen innerbetrieblichen Stress. Deswegen habe ich auch gesagt: Ich mache das nicht nur kurz, sondern ich gönne mir ein halbes Jahr, um wieder zu mir zurückzufinden.

Elchkuss: Wenn man das Buch liest, bekommt man den Eindruck, dass das funktioniert hat, das Finden zu sich selbst zurück.

Claus Aktoprak: Genau. Mit dem ersten Ablegen der Leinen ging das los. Bis kurz vor der Abfahrt war ich mir noch ein bisschen unsicher, ob ich das wirklich will. Sechs Monate? Ist das nicht ein bisschen zu lang? Die Trennung von meiner Frau in dieser Zeit. Ob das alles so klappen wird? Aber dann habe ich die Leinen abgelegt und ich wusste, das ist genau das Richtige.

Claus Aktoprak und die Suche zu sich selbst in den schwedischen Schären
Zu sich selbst kommen? Kein Problem in den Schären; Foto: Claus Aktoprak / millemari

Geplant in die Türkei, angekommen auf den Åland-Inseln

Elchkuss: Du lebst in Hamburg. Es gibt viele interessante Segelreviere im relativ nahen Umfeld. Warum hast du dich für die schwedischen Schären und die Åland-Inseln entschieden?

Claus Aktoprak: Generell bin ich eh schon Ostseesegler gewesen. Meine ursprüngliche Idee war aber eine andere. Als ich diese Träumerei hatte, da wollte ich eigentlich ins Mittelmeer. Ich wollte von Hamburg bis in die Türkei segeln, weil wir da eine Wohnung haben. Meine Frau ist Türkin. Ich hatte mir das auch an die Wand gehängt: ein großer Plan, wo ich genau entlangfahren will. Je mehr Erfahrung ich dann aber hatte im Segeln, desto mehr wurde mir bewusst, dass das wieder so eine zeitliche Herausforderung sein würde – und ich das ja gerade nicht wollte. Ich wollte nicht wieder irgendwohin müssen und das in so und so viel Tagen schaffen, sondern ich wollte einfach losfahren.

Und da wurde mir klar, nachdem ich ein paar Bilder gesehen habe von Segelbooten, die an Schären lagen: Wenn ich auf der Ostsee bleibe, dann habe ich vom ersten Tag an Urlaub. Ich habe mir dann bewusst auch gar kein Ziel gesetzt. Es war auch nicht geplant: bis zu den Åland-Inseln und zurück. Es war eher der Plan, dass ich so lange weitersegle, bis ich irgendwann umkehren muss. Das war auch gar nicht so einfach zu sagen, wann man das macht. Die Åland-Inseln haben aber so ein eigentümliches Flair, dass ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein. Dann war ich bereit zu sagen: Was soll jetzt noch kommen? Also, dreh um!

Kalmar, Stockholm, Åland, Göteborg … ein Highlight nach dem anderen

Elchkuss: Wer Schweden kennt, der weiß, welch wunderschöne Orte du angesteuert hast: Karlskrona, Kalmar, Stockholm, die Stockholmer Schären, die Åland-Inseln, den Götakanal, den Vättern und den Vänern, schließlich die Göteborger Schären. Ein Highlight jagt das andere. Welcher Ort hat dich aber am nachhaltigsten beeindruckt?

Claus Aktoprak: Das sind zwei Sachen: Einmal sind es witzigerweise Großstädte gewesen. Weil ich viel in der Einsamkeit unterwegs gewesen bin, und wenn man dann aus dieser Einsamkeit auf eigenem Kiel in Großstädte wie Stockholm oder Kopenhagen einfährt, das ist schon etwas ganz Besonderes. Da neben dem Vasa-Hafen festzumachen, das war besonders. Sehr besonders.

Einsamkeit in den Schären
Traumorte am laufenden Band; Foto: Claus Aktoprak / millemari

Und dann gab es einen Ort auf den Åland-Inseln, der nennt sich Björkör. Das ist eine kleine Insel und da hatte ich es einmal geschafft, ganz alleine zu sein. Am Anfang war ich doch noch ein bisschen schärenunerfahren und habe Spots ausgesucht, die auch von anderen angefahren wurden und die nicht ganz so exponiert in der Natur lagen. Diese Insel war dann etwas schwierig anzusteuern, ich habe da festgemacht und war wirklich alleine. Das ist eine Insel mit Aussichtsturm, einem kleinen Wald und ein paar Bauernhäusern. Das war so ein bisschen Robinson-mäßig. Das war ein sehr, sehr glücklicher Moment, da niemanden neben oder um sich zu haben.

Elchkuss: Gab es auch Orte, von denen du enttäuscht warst?

Claus Aktoprak: Puh, da müsste ich erst drüber nachdenken. Spontan gesagt, gab’s die nicht.

Ein halbes Jahr ist nur ein halbes Jahr

Elchkuss: Du warst nur zwei Tage in den Göteborger Schären. Bohuslän hast du ganz ausgelassen. Hast du das im Nachhinein bereut?

Claus Aktoprak: Ich hab’s schon bereut, aber ein halbes Jahr ist dann eben auch nur ein halbes Jahr. Ich habe mir am Anfang wirklich wahnsinnig viel Zeit gelassen, weil ich nirgendwohin wollte. Ich habe die Tage einfach so verstreichen lassen, was für mich, die Reise und die Herangehensweise an die Reise gut war. Aber schon auf dem Vänernsee habe ich gemerkt, dass ich da gerne noch wesentlich länger geblieben wäre. Und dann tickten die Tage aber runter. Bei den westschwedischen Schären war es dann genauso. Da wäre ich gerne mindestens zwei bis drei Wochen länger geblieben, aber die hatte ich einfach nicht mehr. Und dieses Gebiet ist ja auch nicht aus der Welt. Da werde ich sicherlich irgendwann wiederkommen.

Ich bin Ende Oktober gerade rechtzeitig wieder nach Hamburg gekommen. Ich hatte also einfach die Zeit nicht, außer ich hätte sie am Anfang der Reise weggenommen. Aber genau das wollte ich ja auch wieder nicht.

Elchkuss: Das Buch „SchärenSegeln“*liest sich wie eine Erzählung von Freiheit, Zeit und Einsamkeit. Was sind die entscheidenden Dinge, die du während der Reise erfahren oder erkannt hast und die du mitgenommen hast?

Claus Aktoprak: Zeit war ein ganz großer Faktor. In der Jobsituation zuvor war alles immer durchgetaktet und von der Zeit war immer viel zu wenig da. Ich habe auch einen Film und eine CD über die Reise gemacht und habe sie deswegen auch „Zeitmillionär“* genannt. Die Erfahrung dieser unendlichen Zeit war wirklich eines der intensivsten Erlebnisse auf der Reise. Dieses Gefühl, ach, das kann ich auch morgen noch machen. Will ich heute noch weiter? Es kommt einfach nicht darauf an.

Freiheit und Zeit – die großen Gewinne der Reise

Die Freiheit ist natürlich auch ganz wichtig. Ich mache einfach, was ich will. Ich fahre dorthin, wo ich will. Das Thema Einsamkeit war eigentlich nicht so das Wichtigste. Am Anfang war es natürlich ganz schön, alleine zu sein. Das brauchte ich auch erst einmal. Ich habe die Reise auch für mich aufgeteilt: Am Anfang war ich ganz für mich alleine, dann auf der zweiten Hälfte habe ich aber auch ganz bewusst den Kontakt zu anderen Leuten gesucht. Gerade auf dem Götakanal hat man jeden Abend andere Leute um sich. Zum Ende hin war ich selber sehr kontaktfreudig. Am Anfang war ich hingegen eher so ein wenig isoliert für mich.

Elchkuss: Das liegt auf dem Götakanal wahrscheinlich auch daran, dass man im Konvoi fährt, oder?

Claus Aktoprak: Ja, mit Sicherheit. Und man muss hier auch Zeit mitbringen, weil man nicht viel fährt. Eigentlich immer nur von einer Schleuse zur nächsten und dann wartet man wieder. Aber so hat man eben die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Das ist auch so eine schwedische Eigenart, dass die Menschen auf einen zugehen und fragen und dabei sehr, sehr herzlich sind, was es in Deutschland so nicht gibt. Am Anfang musste ich mich etwas daran gewöhnen, wenn abends einer ans Boot klopft und aufs Boot kommt und sagt: „Hallo, wer bist du? Wo kommst du her?“ Aber da gewöhnt man sich dran und am Ende habe ich es selber auch so gemacht, was ich jedoch anfangs ein bisschen lernen musste.

Glücklich wie noch nie!

Elchkuss: Du schreibst, dass die Segel-Auszeit dazu beitrug, die Einstellung zum Leben zu ändern. Was genau ist anders geworden?

Claus Aktoprak: Das war diese Erfahrung von Zeit, dass man sich keine Termine und Ziele mehr setzt, sondern es einfach so laufen lässt. Ich hatte irgendwann so einen Moment, als ich von den Åland-Inseln zurückgefahren bin, da habe ich mir gedacht: Noch entspannter kann ich nicht werden. Da hatte ich das Gefühl, wenn ich jetzt auf der Stelle tot umfallen würde, dann wäre das auch so okay. Das war so eine Erfahrung. Eben nicht dieses „Das will ich noch schaffen! Das will ich noch erreichen!“, sondern vielmehr dieses „Meinetwegen, dann ist es eben so. Ich bin jetzt gerade so glücklich und zufrieden mit mir selbst.“ Das war so ein Moment, bei dem ich dachte: Wow, so habe ich mich noch nie gefühlt!

Alleine oder zweit? Claus Aktoprak gibt sich salomonisch

Elchkuss: Für einige Wochen war deine Frau mit an Bord. Hand aufs Herz: Was ist besser? Mit Frau oder alleine segeln?

Claus Aktoprak: Das war beides gleich schön. Die ersten Monate hätten zu zweit so nicht funktioniert, weil ich da einfach Strecke gemacht habe. Als sie an Bord war, haben wir im Schnitt vier oder fünf Meilen hinter uns gebracht. Das hatte mit Fahrtensegeln nichts mehr zu tun. Das waren einfach drei Wochen glücklich sein und Zeit genießen, was zu diesem Zeitpunkt super war. Das war nach der Zeit auf den Åland-Inseln und da war es sehr schön für mich, wieder jemanden um mich zu haben.

Und als sie nach drei Wochen wieder weggefahren ist, hat das auch sehr wehgetan. Da musste ich mich schon wieder sehr daran gewöhnen. Das Wetter wurde auch schlechter, es ging irgendwie alles in Richtung Herbst. Da musste ich mir schon in den Hintern treten. Ich habe mich dann wieder aufgerafft und kam dann eben im Götakanal an, wo ich wie gesagt froh darum war, dass Menschen um mich waren. Da wäre ich zu der Zeit mit der Einsamkeit gar nicht mehr so gut klar gekommen.

Elchkuss: Alleine zu segeln, bedeutet auch, immer auf sich selbst gestellt zu sein. Führte das auch zu Unsicherheiten oder Angst, gerade bei schlechtem Wetter oder niedrigen Wassertiefen?

Claus Aktoprak: Am Anfang gab’s da schon eine Menge Unsicherheiten. Ich war es zwar schon gewohnt, alleine unterwegs zu sein. Hafenmanöver und Anlegen und so, das war schon okay. Aber die Wassertiefen und die Fahrten durch relativ unsicheres Gewässer, da musste ich mich daran gewöhnen und für mich einen Weg finden. So viel Freiheit ich mir auch gegönnt habe, so diszipliniert war ich an Bord. Ich habe Regeln erstellt, die strikt einzuhalten waren.

Kurz vor der Kollision

Es gab auch eine Situation, wo ich unter Deck war und nach einem Hafen gesucht habe und der Autopilot hatte sich oben ausgeschaltet. Dann kam ich irgendwann von unten rauf, schaute nach vorne und sah, dass ich nur noch zwei Bootslängen von einer großen Insel weg war. Ich konnte im letzten Moment noch das Ruder herumreißen, aber das hätte wirklich dramatisch ausgehen können. Da habe ich dann gesagt, so etwas geht auch nicht mehr. Das waren so ein paar Lernprozesse, die man haben muss.

Die Angst vor Stürmen war nicht so schlimm. Es ist die Ostsee, ich war eigentlich immer nah am Land. Ich hatte eine Situation auf den Åland-Inseln, wo ich nach Stockholm rüber musste, weil sich das Wetterfenster sonst geschlossen hätte. Da bin ich dann im Gewitter gesegelt und es hatte geblitzt und gedonnert um fünf Uhr morgens. Da war mir dann schon ein bisschen unwohl. Ein großer Schluck Whiskey – was jetzt eigentlich auch nicht so mein Ding ist um diese Uhrzeit – hat etwas geholfen. Und ich habe laut Musik angemacht – Motörhead –, ich habe Außenlautsprecher, und dann bin ich da durch.

Musik und Segeln – ein Soundtrack zur Reise

Elchkuss: Du warst zwar alleine an Bord, hattest aber immer Instrumente mit dabei und hast Musik gemacht. So entstand eine Art Soundtrack zum Schären-Segeln. Welche Bedeutung hatte die Musik für dich auf der Reise?

Claus Aktoprak: Vor der Reise war ich nicht mehr so kreativ beim Musikmachen. Und es war dann so, dass ich nach fünf, sechs Tagen angefangen habe, die ersten Lieder im Kopf zu haben. Es sind auch viele Emotionen in die Lieder eingeflossen, anhand deren man die Reise ganz gut nachvollziehen kann: Aufbruchstimmung, Heimweh, Liebeskummer, Glück, Freude usw.

Ich habe auch viel Musik mitgenommen und habe je nach Stimmung etwas angehört. Wenn ich bei wenig Wind durch die Schären gesegelt bin, kam dann Vocal Jazz aus den 60er Jahren, womit ich so vorher auch nicht gerechnet hatte. Die Musik hat immer die Emotion, die ich gerade hatte, unterstützt. Ich habe so auch Pink Floyd wiederentdeckt.

Wie Claus Aktoprak die Schweden wahrgenommen hat

Elchkuss: Mit einem kräftigen Augenzwinkern beschreibst du im Buch, was man tun muss, um als echter Schwede durchzugehen. Das ist sehr amüsant zu lesen. Es geht auch hier nochmals um die Musik, zum Beispiel um die Glamrock-Liebe vieler Schweden. Wenn du die Schweden aber ganz ernsthaft betrachtest: Wie hast du sie wahrgenommen?

Claus Aktoprak: Ich habe sie hauptsächlich in sich ruhend und mit sich und dem Leben zufrieden kennen gelernt. Ganz anders als bei uns in Deutschland, wo so eine gewisse Grundunzufriedenheit herrscht. In Schweden war das durch alle Schichten hindurch viel entspannter, was man auch bei den Öffnungszeiten der Geschäfte, bei allem, sehen konnte. An der Tankstelle, überall, die Menschen waren freundlich und entspannt. Diese Hektik und Eile, die man aus Deutschland kennt, gab es so nicht. Ich habe mich dann auch gefragt, ob das der typische Querschnitt ist oder ob das nur an der Sommerzeit liegt. Vielleicht sind sie im Winter ja ganz anders. Aber wie ich sie kennen gelernt habe, sind sie immer so. Man konnte jeden alles fragen, jeder hatte immer Zeit für ein Gespräch.

Ich habe mich auch mal mit einem unterhalten und der sagte dann: „Ich zahle gerne meine Steuern. Wir kriegen ja auch so viel zurück.“ So etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört.

Elchkuss: Schweden hat dich offensichtlich nicht losgelassen. Im Frühjahr geht es zu einer weiteren Expedition entlang einer uralten Handelsroute bis nach Finnland und Estland. Das Projekt heißt „Die Route der Wikinger – Salz und Erde“. Wieso dieser Titel? Kannst du das Projekt etwas näher beschreiben?

Claus Aktoprak: Der Untertitel kam für mich aus der Serie „Vikings“. Als ich den alten Seeweg entdeckt habe und als ich herausgefunden habe, dass er noch weiter zurückdatiert werden kann als bis ins 13. Jahrhundert, als er aufgeschrieben wurde, kam ich auf diese Serie. Eine frühe Folge zeigt dort den Initiationsritus zur Verleihung des für Wikinger bedeutsamen Armreifs, in dessen Verlauf der Sohn des Serienhelden Ragnar Lodbrok eine Handvoll Salz und Erde erhält, die er dann essen muss. Daher kommt der Name. „Salz und Erde“ ist für mich aber auch das Synonym für die Schären, kleine Erdsprengsel im salzigen Wasser. Deswegen fand ich „Salz und Erde“ sehr schön und treffend.

Auf der Spur der Wikinger

Elchkuss: Die Grundlage der Reise ist ein sehr altes Buch, ein Itinerar aus dem 13. Jahrhundert, das im Archiv in Kopenhagen liegt. Wie bist du an dieses Buch herangekommen und wie schwer war es, zu rekonstruieren, wo genau diese Route entlangführte?

Claus Aktoprak: Das Buch habe ich tatsächlich bei IKEA entdeckt. Als ich da etwas gelangweilt herumstand, habe ich in einem Buch über die Schären geblättert. Und da stand etwas von König Waldemars Segelroute, dem ältesten aufgeschriebenen Seeweg über die Ostsee. Dann habe ich bei Google nochmals nachgeschaut, im Deutschen gab’s gar nichts, im Englischen gab’s ein paar wenige Hinweise darauf. Hier habe ich auch eine Übersetzung gefunden, die für mich aber noch nicht immer so viel Sinn gemacht hat.

Die Grundlage des neuen Projekts von Claus Aktoprak
Die Grundlage des neuen Projekts; Foto: Claus Aktoprak

Dann kam ich auf die Idee, dass ich einfach mal nachfrage, ob ich mir dieses Buch angucken kann, und war ganz überrascht, dass das Dänische Nationalarchiv da sehr, sehr offen war. Sie haben mich auch gleich eingeladen. Das war natürlich spannend und aufregend, sich das anzuschauen. Ich konnte mir dort die Route, die damals aufgeschrieben worden war, abfotografieren bzw. abfilmen. Bis auf eine Ortsbestimmung, die für mich nicht ganz funktioniert, konnte ich die ganze Route rekonstruieren, sodass sie auch Sinn macht.

Mit 25 Euro pro Tag durch die schwedischen Schären

Elchkuss: Für das neue Projekt betreibst du Crowdfunding. Schließlich kosten solche Unternehmungen ja auch etwas. Damit sind wir beim Finanziellen: Wer wie du sechs Monate mit dem Boot in Schweden unterwegs ist, mit welchen Kosten muss er rechnen?

Claus Aktoprak: Ich hatte mir bei meiner ersten Reise, die ich 2014 gemacht habe, ein Limit von 25 Euro pro Tag gesetzt und geschaut, dass da dann alles mit drin war – also Hafengebühr, Einkaufen und eventuell kleinere Reparaturen. Das bedeutet natürlich, dass man, wenn man irgendwo ankert, etwas im Plus ist, und wenn man in Stockholm im Hafen liegt, noch etwas oben drauflegen muss. Mit diesen 25 Euro muss man schon rechnen. Und das muss dann halt auf die sechs Monate, oder wie lange man eben unterwegs sein will, hochgerechnet werden.

Dann hat man natürlich laufende Kosten, die man zu Hause hat. Die sind bei jedem unterschiedlich. Ich habe probiert, das seit 2014 für mich zu reduzieren, weil mir diese Freiheit und die Möglichkeit, segeln und dabei auch länger unterwegs sein zu können, wichtiger sind als andere Dinge, die einen monatlichen Finanzierungsbedarf haben. Ich brauche zum Beispiel kein teures Auto, das ich leasen muss.

Diese Kosten habe ich für meine nächste Reise schon finanziert. Aber ich will in diesem Fall ja auch den Film in der Qualität des Video-Trailers weiterdrehen. Und das ist schon ein großer Unterschied zu der ersten Reise. Jetzt probiere ich das im Fernseh-/Filmformat und das kostet natürlich deutlich mehr an Technik, die ich mitnehmen muss, und an Nachbearbeitung. Da kommt eben noch einiges auf mich zu, und das versuche ich über Crowdfunding zu finanzieren.

Elchkuss: Dabei wünschen wir viel Erfolg und hoffen, dass die notwendige Summe zusammenkommt. Wir freuen uns sehr auf den Film und werden mit Sicherheit von der Reise entlang der alten Wikingerroute berichten.

Vielen Dank für das Interview!

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Beitragsbild: Claus Aktoprak / millemari

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