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Paddeln in Marstrand – vielfältig und herausfordernd

Marstrand von oben

Die Schärenwelt von Göteborg bis an die norwegische Grenze ist ein Paradies. Von Gletschern glattgeschliffene Felsen und Inseln tummeln sich entlang der Küste Bohusläns. Dazwischen tauchen malerische Fischerdörfer auf, deren Bootsschuppen sich an die Felsen ducken. Auf Tjörn, Orust, Marstrand und den vielen anderen Inseln lässt sich nicht nur wunderbar Urlaub machen, die Inselwelt lädt auch zu ausgiebigen Touren mit dem Seekajak ein. Zwischen den Inseln kann das Meer sehr ruhig sein, wodurch das Paddeln angenehm wird. Doch Vorsicht! Der Wind und das Meer sind hier nicht zu unterschätzen. Und auch die vielen Segel- und Motorboote erfordern erhöhte Aufmerksamkeit.

Wir haben zwei Touren rund um Marstrand für euch getestet:

Tour 1 bei Marstrand: die Ungeplante

Unsere Boote mieten wir bei marstrandskajaker.se. Der Kajakverleih befindet sich gleich am Ortseingang in Marstrand auf der linken Straßenseite und ist kaum zu übersehen. Der Kanuladen verleiht nicht nur Seekajaks, er stellt auch eigene her. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich ein eigenes Boot zuzulegen, könnte hier richtig sein. Wir leihen uns Boot, Paddel, Schwimmweste, Spritzdecke und eine Karte (alles ist im Preis inbegriffen). Wie wichtig die Seekarte ist, stellen wir später fest, als wir zwischen unzähligen Inseln, die alle irgendwie gleich aussehen, herumpaddeln und ohne Karte rasch die Orientierung verloren hätten. Im Hafenbecken paddeln wir uns ein wenig ein, bis wir uns an die Boote gewöhnt haben. Dann kann es losgehen.

Ein natürlicher Kanal als Herausforderung

Bereits der erste Streckenabschnitt zeigt, dass das Paddeln in und um Marstrand nichts für blutige Anfänger ist. Wir wenden uns in Richtung Westen und müssen zunächst durch einen engen, natürlichen Kanal zwischen zwei Inseln. Dieser Kanal ist jedoch auch der zentrale Wasserweg nach und von Marstrand. Ständig werden wir daher von Segel- und Motorbooten überholt oder sie kommen uns entgegen. Nicht alle Motorboote nehmen Rücksicht, sodass sie schon mal in hohem Tempo direkt an uns vorbeirasen und wir mit den Wellen zu kämpfen haben. Zugleich macht es natürlich auch Spaß, in diesem engen Kanal zwischen hohen Felswänden hindurchzupaddeln.

Nach etwa einem Kilometer öffnet sich die Schärenlandschaft vor uns. Blinkendes Meer, zahllose kleine und große Inseln, dazwischen die weißen Segel der Boote. Herrlich. Wir haben keine Route geplant, sondern wollen einfach planlos drauflospaddeln. Das funktioniert hier auch wunderbar, denn egal, an welcher Insel wir vorbeikommen oder eine Rast einlegen, es ist überall traumhaft schön. Auf manchen Schären stehen steinerne Wegweiser für die Schiffe, in der Ferne – nun in unserem Rücken – erhebt sich die gewaltige Festung von Marstrand. Sie ist der einzige Fixpunkt in der Welt der Schären, in der es ansonsten schwierig ist, sich zu orientieren.

mit dem Kajak bei Marstrand unterwegs
Marstrand ist ein Paradies zum Kajakfahren

Sonne, blauer Himmel, glitzerndes Meer

Das einzige Ärgernis sind wieder einmal die Motorbootfahrer. Manche von ihnen meinen, sie müssen anderen zeigen, wie viele Pferdestärken sie in ihrem Motor versteckt haben. Rücksichtslos brettern sie manchmal nur wenige Meter an unseren schmalen Booten vorbei. Aber diese wenigen Momente des Ärgers sind nichts im Vergleich zu dieser herrlichen Landschaft, die wir bei wolkenlosem Himmel und Sonne satt genießen dürfen. Auf einer kleinen Insel namens Ängholmen machen wir Rast, packen die Einweggrills aus und lassen es uns gutgehen. Dass wir Müllbeutel dabei haben, in denen wir die Grills und den restlichen Müll wieder zurück nach Marstrand transportieren, ist eine Selbstverständlichkeit.

Am Nachmittag paddeln wir kreuz und quer zwischen den Schären hindurch, bekommen alle einen Sonnenbrand, ehe wir durch den natürlichen Kanal am frühen Abend wieder zurück nach Marstrand kommen.

 

Tour 2 bei Marstrand: die Umrundung

Es ist ein schöner, aber windiger Tag, als wir uns vom Kanuverleih zur Inselumrundung aufmachen. Wir wollen einmal die Insel Koön – die Kuhinsel – umfahren. Auf dieser Insel liegt der eine Teil des Ortes Marstrand. Der andere Teil inklusive der Festung befindet sich auf einer kleineren Insel, die nur mit der Fähre zu erreichen ist.

Die Umrundung von Koön: etwa 15 Kilometer

Im Doppelkajak paddeln wir zunächst wieder westwärts durch den engen Kanal. Das gleiche Spiel wie bei unserer ersten Tour wiederholt sich: Es ist faszinierend, hier entlangzupaddeln, aufgrund der vielen Boote aber auch nicht ganz ungefährlich. Dann wenden wir uns gen Norden und steuern auf die Engstelle zu, die die Inseln Koön und Instön voneinander trennt. Vom Wind ist hier überhaupt nichts mehr zu spüren. Das Wasser liegt ruhig und spiegelblank da, entspannt fahren wir zwischen den beiden großen Insel und unter der Straßenbrücke durch. Als wir die Engstelle an ihrem nördlichen Punkt verlassen und uns nun Richtung Osten wenden, merken wir, dass der Wind doch kräftiger ist, als wir das im geschützten Bereich der Inseln gedacht hatten. Die Wellen werden höher, aber noch ist alles in Ordnung.

Seekajak in Marstrand
Beim Bootsverleih in Marstrand

Auf einer der beiden Insel, die „Brüder“ / „Bröderna“ heißen, machen wir eine kleine Rast. Es ist sonnig und warm, im Wind aber durchaus etwas kühl. Möwen kreischen, ein paar Segelboote sind zu sehen, die Luft riecht nach Salz – eine Seekajaktour, wie wir sie uns wünschen.

Die Wellen werden höher.

Dann geht es weiter. Wir lassen Backudden, die Badebucht des Campingplatzes auf Marstrand, links liegen und paddeln weiter an der Nordseite der Insel nach Osten. Der Wind wird immer stärker, die Wellen höher. Noch kommen sie von vorne, sodass sie uns vor keine größeren Probleme stellen. Als wir dann aber die beiden Schären „Kråkorna“ hinter uns gelassen haben und am nordöstlichsten Punkt der Insel Koön angelangt sind, ändert sich die Lage. Hier gibt es keine vorgelagerte Schäre mehr, die Schutz vor Wind und Wellen geben könnte.

Das offene Meer liegt vor uns. Wir müssen uns nun nach Süden wenden, um das letzte Stück der Inselumrundung zu schaffen. Das bedeutet aber auch, dass wir des Öfteren quer zu den immer höher einrollenden Wellen fahren müssten. Im unflexiblen und nicht so leicht manövrierfähigen Doppelkajak eine echte Herausforderung. Wir entscheiden uns schließlich umzukehren, auch wenn wir nur noch wenige Kilometer vor uns gehabt hätten.

Als wir nach den Brüder-Inseln wieder in die enge Meerstraße zwischen Koön und Instön paddeln, ist von Wind und Sturm nichts mehr zu spüren. Im Schutz der Inseln ist das Wasser erneut ruhig, nur winzige Wellen kräuseln sich darauf.

Durch den Kanal gelangen wir schließlich erschöpft, aber glücklich zurück zum Hafen und Bootsverleih. Es war eine schöne Tour: anstrengend, herausfordernd, aber schön!

 

 

Kanuverleih:

Marstrandskajaker
Södra Strandgatan 3
marstrandskajaker.se

Buchung: online oder unter 0046-(0)70 626 07 42

 

Preise:

280:- SEK pro Einerkajak und Tag, 340:- SEK für ein Doppelkajak.

 

Du paddelst lieber in einem Kanadier und auf einem See? Dann wäre vielleicht das Vättlefjäll bei Göteborg oder Dalsland etwas für dich.

 

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Beitragsbild: Per Petersson / imagebank.sweden.se