Land und Leute

Auswanderer-Geschichten 2: Mit Huskys in Lappland besser leben

Glückliche Huskys in Lappland in Schweden

Julia und Sven verschlug es bei ihrer Auswanderung ganz weit in den Norden. Aber das scheint irgendwie auch logisch, wenn man zwölf Huskys hat. Hier erzählen sie ihre Geschichte:

Wenn du mehr als zwei Hunde hast, dann wirst du in Deutschland und vermutlich auch in vielen anderen Ländern schnell als asozial abgestempelt. Oder als Hundemessi. Oder für verrückt erklärt. So erging es zumindest uns. Und nachdem jemand die Polizei rief, weil die Huskys angeblich nicht artgerecht transportiert wurden, oder wir immer wieder mit Aussagen konfrontiert wurden, wie „die armen Hunde, das ist doch zu warm für diese Rasse“, ist es uns eines Tages zu viel geworden.

Dumme Sprüche wegen den Huskys – und irgendwann reicht‘s

Irgendwann war uns die Frage „Wo haben Sie denn Ihren Schlitten gelassen?“ – wohlgemerkt beim Gassigehen am Mittellandkanal in Hannover, mitten im Sommer – einfach zu doof und so beschlossen wir, nach einem neuen zu Hause zu suchen.

Wir, das sind Julia, Sven und unsere Huskys. Zum Glück als Lektor beruflich unabhängig, um auch aus Lappland arbeiten zu können, war zumindest für mich der Schritt machbar. Und Julia war so oder so gerade mit dem BWL-Masterstudium fertig. So fassten wir den Entschluss: Wir wandern nach Lappland aus.

Ungesehen gekauft: ein alter Bahnhof in Lappland

Die Entscheidung war gefasst und so musste ein Haus her, in dem wir und unsere Hunde eine Heimat finden. Nach einigen Wochen des Suchens fanden wir auf hemnet.se einen alten Bahnhof an der Inlandsbahn, Baujahr 1927. Nach zahlreichen Telefonaten mit der Maklerin war klar: Der Bahnhof wird gekauft. Auch aufgrund meiner Kindheit und der Verbundenheit (mein Vater war Eisenbahner) zum Thema Eisenbahn war es ein klein wenig Liebe auf den ersten Blick.
Es war kurz vor Weihnachten. Mal eben die fast 2000 Kilometer zu fahren, war einfach nicht möglich. Ohne das Gebäude gesehen oder besichtigt zu haben, gaben wir daher ein Gebot ab, welches akzeptiert wurde. Risiko!!!
So machten wir uns mit unserem Bahnhof in Lappland ein eigenes Weihnachtsgeschenk. Im Januar 2018 begannen wir mit der Renovierung des Gebäudes. Zunächst von innen, denn bei Unmengen an Schnee, die wir uns ja gewünscht hatten, war an Außenarbeiten nicht zu denken. Die werden im kommenden Sommer folgen.

Bahnhof im Winter in Lappland
Risiko – der Bahnhof wurde ungesehen gekauft

Zwölf Huskys, aber keine Huskyfarm

Das Gebäude war beim ersten Betreten „schockgefrostet“, aber in einem erstaunlich guten Zustand, wenn auch auf dem Standard von 1927 mit einigen wenigen Arbeiten, die die Vorbesitzer bereits erledigt hatten. Aber der Bahnhof ist bewohnbar. Und wir haben uns und unseren Huskys in Lappland ein zu Hause gekauft, welches wir uns gewünscht haben.

Uns war von Anfang an klar, dass wir keine Huskyfarm in Lappland eröffnen wollen. Denn davon gibt es schon genug und unsere Huskys sind fast alle aus dem Tierschutz und damit für den Leistungssport oder besser gesagt für tägliche Arbeit mit Touristen nicht geeignet. Unsere Hunde gehören zur Familie, wohnen zumeist mit im Haus und auch die Anzahl von zwölf Hunden wäre für eine Huskyfarm zu gering.

Missgunst unter deutschen Auswanderern

Außerdem zeigte sich, dass der Neid der Deutschen, dem wir eigentlich mit unserer Auswanderung entfliehen wollten, auch in Lappland bei anderen Auswanderern vorhanden ist. Vielleicht war es auch die Angst, dass plötzlich ein möglicher neuer Konkurrent am Markt etwas besser oder zumindest anders macht. Ohne je zuvor mit uns gesprochen zu haben, hetzten uns andere Deutsche die Tierschutzbehörde auf den Hals. Die Begründung: Unsere Hunde seien illegal nach Schweden eingeführt worden und würden verwahrlost leben. Vorwürfe, die bei der Kontrolle durch das Veterinäramt nicht haltbar waren, aber nach zwei Monaten Schweden einen üblen Beigeschmack hinterließen.

Huskys von huskylife am Esstisch
Den Huskys geht es sichtlich gut

Doch wir lassen uns durch so etwas nicht unterkriegen, sondern wurden in unserem Entschluss bestärkt, keine Huskyfarm zu eröffnen. Unsere Hunde sind und bleiben unser Hobby, unsere Familie und verkommen nicht zu Nutztieren.

Unterstützung durch die Nachbarn

Da der Bahnhof in Alleinlage liegt und der nächste Nachbar sechs Kilometer entfernt ist, war es dann auch dieser, den wir aufsuchten, als wir das erste Mal zu unserem Häuschen kamen bzw. aufgrund der Schneemassen nicht kamen. Aus einem anfänglichen Kontakt und der Bitte, ob er uns mal helfen kann, den Schnee von der Zufahrt zu räumen (er hat einen Traktor), entstand ein netter Kontakt zu ihm und seiner Frau. Egal, für was wir mal wieder Hilfe oder einen Rat brauchen, Robert und Helena sind immer mit Antworten und Ratschlägen zur Stelle oder packen mit an.

Auch unsere Schweizer Nachbarn, die schon seit sieben Jahren erfolgreich ein Unternehmen im Tourismusbereich führen, begegneten uns offen und sehr gastfreundlich. Schnell entwickelte sich ein toller Kontakt, aus dem schließlich für Julia sogar ein Jobangebot für die Sommermonate resultierte.

Schnee, Schnee und noch mehr Schnee

Man muss es wollen und man muss es mögen. Während ich diesen kleinen Bericht schreibe, sehe ich in den sozialen Medien immer mehr Fotos von Frühling und Blumen in Deutschland. Hier hat es in der letzten Nacht und am Morgen fast 30 Zentimeter Neuschnee gegeben und ich war damit beschäftigt, die Zufahrt und das Gelände um den Bahnhof herum zu räumen.
In knapp zwei Wochen sollen unsere letzten Möbel und Sachen aus Deutschland per Spedition hier ankommen, damit dann auch damit das Thema Auswandern komplett abgeschlossen ist. Dafür muss zumindest die Auffahrt soweit geräumt sein, dass ein LKW sie befahren kann.

Massenhaft Schnee in Lappland
Schnee und kein Ende in Sicht

Hier liegt so viel Schnee, dass wir sicherlich bis Mai noch mit dem Schlitten rausfahren und die Huskys und wir das Leben genießen können, so wie wir uns das vorgestellt haben. Dafür nimmt man auch in Kauf, dass die Schneeschaufel das Fitnessstudio ersetzt.

Die Winter sind hier komplett anders als in Deutschland. Wenn es nicht schneit, dann werden wir mit einem wolkenlosen Himmel und viel Sonne belohnt und nachts gibt es Polarlichter, an denen man sich nicht sattsehen kann.

Zukunftsgedanken: ein Waggon für den Bahnhof

Unser Bahnhof ist historisch und würde in Deutschland vermutlich unter Denkmalschutz stehen. Uns wurde in den vergangenen Wochen, in denen wir uns mit dem Gebäude beschäftigten, mehr und mehr klar, dass wir diesen in seiner Ursprünglichkeit erhalten wollen und nur behutsam unseren Bedürfnissen anpassen werden.
So ist geplant, dass wir einen Waggon organisieren, der vor dem Bahnhof stehen soll. Denn ohne Zug ist ein Bahnhof ja kein Bahnhof und es fehlt etwas. Dies ist unser nächstes großes Vorhaben und einige Kontakte konnten wir in diese Richtung auch schon knüpfen. Sollte uns das Vorhaben gelingen, dann steht unsere Waggontür natürlich allen Schwedenfreunden offen. Wir freuen uns über Besuch und nette Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Und die Huskys über Streicheleinheiten.

Es bleibt also spannend bei „denen vom Bahnhof“, wie wir hier inzwischen genannt werden. Das ist ja auch irgendwie wieder schwedisch. Denn einen „vom Dach“ gab es schließlich schon als Kinderbuchfigur von Astrid Lindgren, warum nur also auch nicht die „vom Bahnhof“.

Was die Zukunft für Julia und Sven bringt, kannst du unter www.facebook.com/huskylifede oder auf www.huskylife.de verfolgen.

 

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Du bist selbst nach Schweden ausgewandert oder hast es vor? Was sind deine Erfahrungen? Hinterlasse gerne einen Kommentar!

Alle Bilder in diesem Artikel: huskylife.de

4 Comments

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  • Ich würde so gerne genau dem was Sven und Julia schreiben auch entfliehen. Meinen Hunden und mir ein sorgloseres Leben bereiten. Leider arbeite ich in einem Job der es nicht möglich macht, mal eben das Land zu wechseln.

  • Hej,
    Ihr sprecht von „Missgunst unter deutschen Auswanderern“. Habt Ihr ernsthaft erwartet, dass es anders ist? Auch hier in Schweden ist sich nun einmal jeder selbst der Nächste.