Mit dem Rad durch Schweden

Schweden zeigt seine schönen Seiten besonders dann, wenn du es langsam entdeckst: mit dem Kanu, wandernd oder mit dem Rad. Nach einigen kleineren Touren, beispielsweise in den Schären, steht nun ein größeres Projekt an: Ich starte in Trelleborg und werde von dort aus in Richtung Norden fahren. Ich habe kein konkretes Ziel, will auch nicht besonders schnell vorankommen, sondern die Orte, Plätze und Menschen entlang der Wegstrecke ganz intensiv kennen lernen. Das Fernziel ist, irgendwann einmal ganz im Norden anzukommen. Das wird nicht bei der jetzigen Tour geschehen – aber man braucht ja auch Ziele für die Zukunft. 😉

Tag 1: von Trelleborg nach Ystad

Morgens um 6:30 Uhr kommt die Fähre in Trelleborg an. Sogleich mache ich mich auf den Weg in Richtung Ystad. Ich kenne die Strecke, bin ich sie schließlich schon oftmals mit dem Auto gefahren. Dass sie schön ist, das wusste ich daher. Mit dem Rad ist sie aber ein ganz besonderes Erlebnis.

Der gut ausgeschilderte Radweg (einfach den Schildern „Sydostleden“ und/oder „Sverigeleden“ folgen) führt immer am oder zumindest in der Nähe des Meeres entlang. Es riecht nach Ostsee, kaum jemand ist so früh morgens unterwegs, in aller Stille radle ich auf dem fast komplett asphaltierten Weg. Die Einzigen, die bereits wach sind, sind die Pferde auf den Koppeln.

Pferde Umarmung
Schon früh wach: Pferde am Wegesrand

Kleine Ortschaften, Felder und Strände ziehen an mir vorbei. Hin und wieder mache ich eine kleine Pause, schließlich will ich den Strand und das Meer auch genießen.

Mit dem Fahrrad an der schwedischen Ostsee
Ein herrlicher Radweg immer am Meer entlang
Fahrrad und Boot
Gelegenheiten für Pausen gibt es viele.

Dennoch sind die 50 Kilometer bis nach Ystad schnell geschafft. Das war auch so geplant, denn so habe ich genügend Zeit, mein Zelt auf dem Campingplatz (ziemlich groß und rappelvoll) aufzustellen und anschließend die Stadt zu erkunden. Ystad ist gerade im Sommer eine richtig lebendige und quirlige Stadt, mit vielen alten Fachwerkhäusern und gemütlichen Gassen. Auch die Ystad Filmstudios schaue ich mir an. Hier wurden Teile der vielen Wallander-Filme gedreht. Spannend, plötzlich in Kurt Wallanders Wohnzimmer zu stehen!

Meine Eindrücke von Ystad findest du hier.

Rosen und Fachwerk in Ystad
Rosen und Fachwerk in Ystad

Morgen geht es weiter an den Ringsjön. Es ist Regen vorhergesagt. Ich bin gespannt …

Tag 2: mit dem Rad von Ystad an den Ringsjön

Das sage noch einer, Schonen sei flach! Kaum habe ich Ystad hinter mir gelassen und wende mich nach Norden, geht die Berg- und Talfahrt los. Freilich sind die Anstiege nie knackig, aber es geht doch beständig auf und ab. Über kleine Straßen radle ich vorbei an einzelnen Gehöften und kleinen Dörfern zuerst zum Vombsjön und von dort aus weiter an den Ringsjön. Auf der 80 Kilometer langen Strecke komme ich durch keine einzige größere Stadt. Alles ist ländlich, alles ist ruhig.

Felder und Weiden prägen die Landschaft nördlich von Ystad

Hatte ich gestern mit Ystad ein klares Ziel vor mir, weiß ich heute nicht genau, wohin es mich treiben wird. Ich fahre einfach drauflos. Das tut gut. Die Gedanken schweifen irgendwo ab oder ich denke überhaupt nichts. Es ist kaum etwas los auf den Straßen und in den Dörfern. Alles scheint wie in Watte gepackt, gedämpft. Ich lasse mich treiben und kann dabei wunderbar entspannen.

Zwar gibt es auf dieser Strecke keine ausgeschilderten Radwege, die Landstraßen sind aber kaum befahren.

Anfangs ziehen Felder und Weiden an mir vorbei. Hin und wieder taucht ein kleiner See am Weg auf. Und immer wieder alte Schlösser und Klöster: zunächst das bereits etwas heruntergekommene Krageholm-Schloss, dann das Snogeholm-Schloss, das mittlerweile ein Hotel ist; später mache ich im Övedskloster-Schloss in einem super gemütlichen und dazu sehr leckeren Café Pause (man kann sich hier sogar Waffeln selbst backen); kurz vor dem Ende der Fahrt komme ich noch am herrlich über dem Ringsjön gelegenen Bosjökloster vorbei.

Das Rokokoschloss Övedskloster

Mit dem Auto bin ich schon oft durch diese Gegend gefahren. Aber alle diese wunderschönen Orte und Landstriche habe ich noch nicht entdeckt. Mit dem Rad unterwegs zu sein, langsam zu reisen, das hat schon so seine Vorteile. Dass es zwischendurch ordentlich regnet, ist dann schon beinahe zweitrangig.

Schonische Idylle
Auch die Pferde scheinen sich hier pudelwohl zu fühlen.

Tag 3: zurück ans Meer – vom Ringsjön nach Helsingborg

Heute geht es zurück ans Meer. 80 Kilometer sind geplant – zuerst vom Ringsjön nach Landskrona und von dort aus am Öresund entlang nach Helsingborg. Anfangs ist die Strecke so lieblich und schön wie am Vortag. Später werden dann doch meine Vorurteile gegenüber Skåne, die ich gestern abgelegt habe, bestätigt: Es wird flach, der Radweg führt teilweise kilometerlang einfach nur geradeaus, Felder, Felder, Felder.

Aber dafür mache ich schnell Strecke und bin bereits mittags in Landskrona am Meer. Hier treffe ich auf den Sydkustleden, der mich nach Helsingborg führt. Der Radweg ist sehr gut ausgeschildert und ausgebaut. Passend zum Meer kommt nun auch endlich die Sonne heraus.

Es ist eine wunderschöne Strecke zwischen Landskrona und Helsingborg. Vor Glumslöv geht es eine Anhöhe nach oben, von wo aus sich ein herrlicher Blick über den Öresund, die Insel Ven, bis hinüber nach Dänemark auftut. Das Nachbarland scheint hier zum Greifen nah. Bei Glumslöv mache ich Mittagspause im Hilledals Café – und wieder einmal zeigen die Schweden, dass sie Inneneinrichtung, Kaffee und Essen einfach können und perfekt miteinander verbinden können.

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis zu meinem Ziel. Immer wieder fahre ich ganz nah am Strand entlang, dann bin ich da. Diese Nacht gönne ich mir ein Hotel, um mitten in der Stadt zu sein. Es ist viel los in Helsingborg, die Strandpromenade gut gefüllt – Sommerstadt!

Norra hamnen: Der alte Hafen wurde neu gestaltet und ist jetzt voller Leben.

Am späten Nachmittag schwinge ich mich nochmal auf mein Rad und fahre 5 Kilometer nach Norden zum früheren königlichen Sommersitz Sofiero. Weniger das Schloss als vielmehr der dazugehörige Park begeistern mich. Einen ausführlichen Bericht über Sofiero findest du hier. Solltest du mal in der Gegend sein, dann gönne dir den Eintritt und genieß die fantastische Parkanlage!

Teile des Parks in Sofiero sind so schön angelegt wie hier, andere wirken wild und urig.

Tag 4: Mit dem Rad auf dem Kattegattleden: von Helsingborg nach Båstad

In Helsingborg am Hauptbahnhof beginnt der Kattegattleden, ein Radweg, der 2015 eingeweiht wurde und über 370 Kilometer entlang der Küste bis nach Göteborg führt. Die entsprechenden Schilder des sehr gut ausgeschilderten Wegs werden mich also in den nächsten Tagen begleiten.

Ständiger Begleiter: Wegweiser des Kattegattleden
Ständiger Begleiter: Wegweiser des Kattegattleden

Zunächst geht es an der Küste nordwärts zwischen Feldern hindurch und an kleinen Dörfern vorbei. Das Terrain ist oft flach und nicht bewaldet, weshalb der Gegenwind – ebenfalls mein ständiger Begleiter in den kommenden Tagen – mir das erste Mal seinen kräftigen Gruß schickt.

Nach ungefähr 40 Kilometern von insgesamt 105 am heutigen Tag erreiche ich Mölle. Der kleine, gemütliche Hafen lädt zu einer Pause ein. Hier gibt es Eis, Cafés, Restaurants und jede Menge Möglichkeiten, einfach dazusitzen und seine Gedanken schweifen zu lassen. Mölle ist eigentlich nicht mehr Teil des Kattegattleden. Aber ich möchte auf den Kullaberg und weiche daher vom Weg ab und mache einen kleinen Umweg.

Feld und Meer
Ein typisches Bild auf der Rad-Reise: viele Felder und immer das Meer im Blick

Der Kullaberg ist eine Halbinsel, die sich nördwestlich von Mölle ins Kattegatt streckt. Plötzlich wird es regelrecht steil, es geht bis auf über 100 Höhenmeter hinauf, obwohl ich direkt an der Küste bin. Ganz vorne an der Spitze der Halbinsel steht der Leuchtturm Kullens fyr. Schroff brechen die Klippen hinab ins Meer. Es ist so ganz untypisch für Schonen. Aber wunderschön! Der Ausblick von hier oben ist fantastisch. Wenn ich die Zeit hätte, würde ich gerne auf den unzähligen Wanderwegen durch diese abwechslungsreiche Landschaft wandern und noch andere schöne Flecken finden. Nimis zum Beispiel.

Kullens fyr
Der Leuchtturm Kullens fyr

Aber ich weiß, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Daher verzichte ich auf eine Wanderung und schwinge mich nach einem kleinen Mittagessen wieder in den Sattel. Über kleine Landstraßen geht es nun weiter. Das Meer ist immer im Blick. Kurz vor Ängelholm finde ich ein herrliches Café: Albertsgårdens Kaffestuga. Es ist ein kleiner Hof mit drei Flügeln, niedrigen Decken und einer urigen Einrichtung. Im Innenhof gibt es mehrere schöne Sitzgelegenheiten, wo ich mir Kaffee und einen leckeren Kuchen schmecken lasse. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Cafés gestalten und Fika zelebrieren, das können die Schweden einfach!

Albertgårdens kaffestuga
Gemütliche Cafés, die mich gerne vom Rad absteigen lassen

Ängelholm lasse ich rasch hinter mir, denn ich will die letzten 40 Kilometer bis Båstad so schaffen, dass ich auf dem Campingplatz mein Zelt aufstellen kann und noch Zeit für ein Bad im Meer habe. Der Strand dort ist toll. Das weiß ich von früheren Urlauben. Und so ist es auch. Ein kilometerlanger Strand empfängt mich, kaum Menschen sind unterwegs, entspannt kann ich das gar nicht so kalte Meer genießen.

So klingt eine spannende Etappe auf dem Rad und abseits des Rads aus.

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Tag 5: mit dem Rad von Båstad nach Ugglarp

Heute steht eine ruhigere Etappe an: nur 70 Kilometer, kaum Steigungen und viele Strände entlang des Wegs. Gleich die ersten Kilometer führen mich am nicht enden wollenden Strand von Mellbystrand vorbei. Zwar immer hinter den Dünen, dafür aber windgeschützt. Ich widerstehe der Versuchung, allzu oft vom Rad zu steigen und eine Pause am Meer einzulegen.

Einen besonders schönen Strand entdecke ich bei der Mündung des Lagan ins Meer: Lagaoset. Die hohen Dünen sind Teil eines Naturschutzgebietes, weshalb es keine Kioske oder andere Infrastruktur gibt. Das hat zur Folge, dass sich nur wenige Menschen hierher verirren. Einige Kitesurfer spielen mit Wind und Wellen. Ansonsten nur Sand, Dünen und Meer.

Mit dem Rad am Strand
Auch das Rad soll den feinen Sand unter seinen Reifen spüren dürfen.
  1. Gute Reise!!

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