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Lund – die charmante Studentenstadt in Südschweden

Lund ist neben Uppsala das zweite kulturelle, kirchliche und universitäre Zentrum Schwedens. Die Universität und die vielen tausend Studenten prägen die charmante Stadt in Skåne enorm. Lund ist aber auch der Ort, in dem eine Uhr zweimal täglich „In dulci jubilo“ spielt und ein Riese Pfeiler umarmt.

An einem sommerlichen Nachmittag schlendern wir durch die Innenstadt von Lund. Unzählige Menschen sind unterwegs. An den Verkaufsständen und in den Restaurants der Lunds Saluhall herrscht turbulentes Treiben. Die Cafés sind voll besetzt. Wir spazieren durch die engen, gemütlichen Straßen, bummeln durch die vielen kleinen Läden und Butiken und stärken uns schließlich im studentisch-hippen Café Point in der Skomakaregatan mit Kaffee und Kuchen.

Wir brauchen nicht lange, um zu merken, dass Lund eine Stadt ist, in der wir uns pudelwohl fühlen.

Zum Wohlfühlen: Lund

Lund – reich an Geschichte

Die Universitätsstadt in Schonen ist mit 92.000 Einwohnern immerhin die zwölftgrößte Stadt Schwedens. Dennoch hat sie eher den Charakter einer charmanten Kleinstadt, die aber eine lange und große Historie hat. Bereits Ende des 10. Jahrhunderts wurde Lund zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Vor allem im Mittelalter – damals gehörte Lund wie die gesamte Region Skåne noch zu Dänemark – kam der Stadt große Bedeutung zu. Seit 1060 war Lund Bischofssitz. 1425 wurde die erste Hochschule, der Vorläufer der heutigen Universität, gegründet. Sie war damit die älteste Hochschule nicht nur Dänemarks, sondern des gesamten Nordens.

Vom Mittelalter sind noch die engen und verwinkelten Sträßchen und Gassen übrig, durch die wir uns nur zu gerne treiben lassen. Und natürlich der Dom, die größte Sehenswürdigkeit Lunds. Erbaut im romanischen Stil im 12. Jahrhundert zeugt er von der kirchlichen Bedeutung, die Lund lange Zeit hatte. Von hier aus sollte der Norden christianisiert werden. Neben der Domkirche und der noch heute stehenden Klosterkirche Sankt Peter wurden unzählige Kirchen errichtet. In seiner größten Blüte hatte Lund wohl 27 Kirchen. Die meisten von ihnen fielen allerdings der Reformation zum Opfer und wurden wieder eingerissen.

Ein Riese als Dombaumeister zu Lund

Der Dom jedoch hat die Zeiten überdauert. Majestätisch thront er mit seinen beiden mächtigen Türmen in der Kyrkogatan. Innen ist er zwar protestantisch karg, sehenswert ist er dennoch. Immerhin ist er Heimstatt von gleich fünf Orgeln. Die kleinste von ihnen ist in der beeindruckenden astronomischen Uhr aus dem 15. Jahrhundert verbaut und spielt zweimal täglich ein „In dulci jubilo“ (um 12 und 15 Uhr).

Die Astronomische Uhr im Dom in Lund; Foto: Bruno Möhler

Eine weitere Orgel befindet sich in der Krypta, dem ältesten noch im Originalzustand erhaltenen Teil der Kirche. Doch hier ist nicht die Orgel der Hingucker. Vielmehr sollte man sich die Pfeiler genau anschauen. Einer von ihnen sticht heraus. Ein Riese umarmt den Pfeiler. Das ist „Jätten Finn“. Und wie es sich für einen ordentlichen Riesen gehört, gibt es zu ihm eine Sage.

Es war nämlich Finn, der den Dom zu Lund baute. Während er am Werk war, machte er mit einem Mönch eine Wette: Wenn es dem Mönch nicht gelang, den Namen des Riesen herauszufinden, ehe die Kirche fertiggestellt war, müsste er ihm seine beiden Augen überlassen. Schon hatte Finn beinahe den gesamten Dom errichtet; gerade wollte er den letzten Stein einsetzen, da kam der Mönch angerannt und rief, dass er nun wüsste, wie der Riese hieß: Finn. Zufälligerweise hatte der Mönch eine Riesenfrau belauscht, die ihrem Kind ein Gute-Nacht-Lied sang. In diesem Lied besang sie sowohl die Augen des Mönchs als auch den Vater des Kinds, Finn. Der Riese hatte somit die Wette verloren. Wütend stieg er in die Krypta hinab, packte einen Pfeiler und wollte die ganze Kirche einreißen. Doch in diesem Moment wurde er in Stein verwandelt. Seitdem steht „Jätten Finn“ dort und umarmt den Pfeiler.

Noch etwas älter als der Dom ist die Kathedralschule, die bereits 1085 gegründet wurde. Damit ist sie die älteste Schule im ganzen Norden. Die Schule existiert bis heute, auch wenn das Originalgebäude nicht mehr erhalten ist.

Der Dom zu Lund bei Nacht

Kirche und Uni prägen die Stadt.

Neben der Kirche kommt der Bildung in Lund eine herausragende Rolle zu. Seit 1668 existiert die renommierte Universität, die bereits fünf Nobelpreisträger hervorgebracht hat. Zum Zeitpunkt der Gründung der Uni gehörte Lund bereits seit zehn Jahren zu Schweden. Bis zum Frieden von Roskilde im Jahr 1658 war Lund dänisch.

Zur Universität gehören auch die wunderschöne, alte Bibliothek und der botanische Garten im Osten der Altstadt. Nicht nur Pflanzenfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten, denn der botanische Garten lädt ein, einfach mal zu entspannen, auf einer Bank ein gutes Buch zu lesen und dabei die Zeit zu vergessen.

Kultur pur in Lund

Das kulturelle Leben ist stark von der Universität bzw. den Studenten geprägt. Wenn du in der Stadt bist, schau dir auf jeden Fall das Konzert-Programm der „Kulturmejeriet“ an. Da sind eigentlich immer irgendwelche Highlights dabei. In den Sommermonaten ist im Rahmen von „Sommarlund“ ohnehin viel geboten: mal größere Konzerte, mal eine Lesung oder eine ganz kleine Veranstaltung mit Picknickdecken im Park.

Lund ist zudem die Stadt mit der höchsten Dichte an Chören. In jedem zweiten Jahr findet das Lund Choral Festival statt. Alljährlich wird schwedisches und dänisches Liedgut auf dem „Visfestival“ dargeboten.

Wem das noch immer nicht genug Kultur ist, der sollte die Kunsthalle und das „Skissernas museum“ besuchen. Dieses Kunstmuseum – 2019 zum Museum des Jahres in Schweden gewählt – setzt den Entstehungsprozess von Kunst in den Fokus.

In Lund gibt es also einiges zu tun. Kirche und Universität haben im Lauf der Jahrhunderte dafür gesorgt.

Irgendwann werden unsere Füße von Shoppen und Sightseeing müde. Über kopfsteingepflasterte Straßen ziehen wir weiter, an alten Fachwerkhäusern entlang, bis wir eine gemütliche Kneipe finden, wo wir den Tag ausklingen lassen. Den Studenten sei Dank gibt es davon einige.

 

Lund gehört für uns zu den 15 schönsten Städten Schwedens.

Beitragsbild: Per Pixel Petersson / imagebank.sweden.se