Feste und Bräuche Rezepte

Lucia und ihre Katzen: lussekatter

Lucia

Es ist eine magische Nacht. Die dunkelste, die längste, eine gefährliche. Die Nacht auf Lucia, den 13. Dezember.

­Moment, stimmt doch gar nicht!“, mag nun der eine oder andere einwenden. „Der kürzeste Tag ist doch der 22. Dezember.“

Ja, richtig. Die Lucia-Nacht war mal die längste Nacht. Aber magisch ist sie bis heute. Genauso wie der darauffolgende Tag mit allen Lucia-Feiern und Lucia-Zügen.

Es ist schwer zu sagen, welches schwedische Fest das schönste ist. Midsommar ist natürlich einzigartig, aber auch die Kräftskiva oder die Valborgsmässan. Zu unterschiedlich sind die Feste, als dass man sie wirklich vergleichen könnte. Aber dennoch möchte ich eines behaupten: Von allen Festen des Nordens ist das Lucia-Fest das stimmungsvollste.

Lucia – einfach stimmungsvoll

Am frühen Morgen liegt alles im Dunkeln. An vielen Orten Schwedens liegt Schnee. Es ist kalt. Von fern klingt eine klare, schöne Stimme, die ein Lied singt, in das weitere Menschen einstimmen:

               „Då i vårt mörka hus, stiger med tända ljus / Sankta Lucia, Sankta Lucia.”

„Da steigt mit angezündeten Kerzen in unser dunkles Haus / Sankta Lucia, Sankta Lucia.“

Während die Stimmen näher kommen, zuckt der Schein vieler Kerzen über die Wände. Sie erleuchten die Gesichter der Sängerinnen und Sänger, die in einer langen Prozession hereinmarschieren. Ganz vorne Lucia mit ihrer Lichterkrone auf dem Haupt. Ihr folgen tärnor, stjärngossar, tomtenissar und pepparkaksgubbar. Nun wird gemeinsam gesungen, es wird immer heller. Das Licht hat die Dunkelheit der Nacht besiegt. Ein bisschen wie Weihnachten – und manchmal wird Lucia auch das „kleine Weihnachten“ genannt.

Mehr zu den einzelnen Figuren des Lucia-Zugs erfährst du in diesem Artikel:

Unwesen und Feiern in der längsten Nacht des Jahres

Vor einigen Jahrhunderten, als das Jahr noch nach dem Julianischen Kalender unterteilt wurde, war die Nacht vom 12. auf den 13. Dezember die längste Nacht des Jahres – Mittwinterwende. Im Glauben der Menschen war es auch eine gefährliche Nacht, da der Teufel und andere schlimme Gestalten umgehen sollten. Man blieb also am liebsten drinnen.

Dort ging es aber zum Teil hoch her. Bis zum 13. Dezember sollten der Tradition nach die Weihnachtsvorbereitungen abgeschlossen und das julgris, das Weihnachtsschwein, geschlachtet sein. Es war also reichlich zu essen da, weshalb kräftig und lang gefeiert wurde.

Lang blieben die Menschen aber auch deshalb wach, weil eben der Teufel da draußen sein Unwesen trieb. Es war also sinnvoll, nicht einzuschlafen. So begann die Tradition der lussevaka, frei übersetzt der Lucia-Nachtwache.  

Vom Teufel ist heute schon längst nicht mehr die Rede. Auch haben wir einen anderen Kalender, den Gregorianischen, weshalb die längste Nacht nun am 22. Dezember liegt. Einiges hat sich also seit dem Mittelalter geändert. Vor allem ist etwas neu hinzugekommen: die Gestalt der Lucia.

Von der Märtyrerin zur Lichtgestalt des Nordens

Ihr Vorbild hat sie in der sizilianischen heiligen Lucia, die um das Jahr 300 n. Chr. den Märtyrertod erlitt. Ihr Name leitet sich vom Lateinischen lux, ab, was Licht bedeutet. Ihr Namenstag wurde der 13. Dezember und sie, die Heilige des Lichts, somit zum Gegenspieler der Dunkelheit. Bis sie es aber in die schwedischen Wohnzimmer schaffte, dauerte es noch einige Jahrhunderte. Und sie brauchte die Hilfe von niemand Geringerem als dem Christkind.

Denn im 18./19. Jahrhundert schwappte die Christkind-Tradition von deutschen Gebieten nach Schweden über. Das Christkind hatte damals oft eine Kerzenkrone auf dem Kopf. Aufgegriffen wurde diese Tradition zunächst auf schwedischen Herrenhöfen, wo sie wohl allmählich mit der Lucia-Tradition verschmolz. Aus dem Christkind wurde Lucia und wie das Christkind trug nun auch die Heilige einen Kranz voller Kerzen auf dem Haupt.

Seitdem erhellt Lucia und ihr Gefolge Jahr für Jahr die Wohnzimmer, die Kindergärten, Schulen, Kirchen, ja, riesige Hallen wie den Globen in Stockholm – und nicht zuletzt auch die Gemüter. Stimmungsvoll vertreibt sie die Dunkelheit. Es ist wahrlich ein ganz besonderes Fest.

Lucia feiern mit Glögg, Pepparkakor und Lussekatter

Das entsprechend auch mit einer besonderen Fika gefeiert werden muss. Statt Kaffee gibt es glögg und statt den ansonsten üblichen Keksen und Zimtschnecken wandern nun lussekatter und pepparkakor auf die Tische und in die Mägen.

Die „Pfefferkuchen“ werden dir in der nächsten Woche bei Hejsson vorgestellt. Hier soll es nun um die leckeren „Lucia-Katzen“ gehen. Angeblich werden sie so genannt, weil ihr Form an kleine, niedliche Kätzchen erinnert. (Nun ja, wenn es nur nach der Form geht, würde ich sie wohl eher „Lucia-Seepferdchen“ nennen, aber egal …)

Zum ersten Mal buk ich lussekatter, als ich in Schweden studierte. Zusammen mit anderen ausländischen Studenten wollten wir unsere schwedischen FlurmitbewohnerInnen mit dem Gebäck überraschen. Es mussten also viele gebacken werden. Das Rezept wurde herausgesucht, die Menge entsprechend angepasst. Wir kamen auf 2 Gramm Safran. Tja, wir waren naiv und hatten keine Ahnung …

Nach dem Einkauf hatte der Safran ein tiefes Loch in unsere spärliche Studentenkasse gerissen. Gelohnt hat es sich trotzdem. Denn das goldgelbe Safrangebäck macht einfach glücklich.

So backst du es selbst:

Für etwa 15 mittelgroße lussekatter benötigst du:

  • 25g Hefe
  • 80g Margarine
  • 250 ml Milch
  • Eine Brise Salz
  • 80g Zucker
  • 0,3-0,5 g Safran
  • Zwei Eier
  • Rosinen
  • 500-550 g Weizenmehl

Und so gehst du vor:

Brösle zunächst die Hefe in eine Schlüssel. Zerlasse dann in einem kleinen Topf die Margarine, gib die Milch hinzu und lass das Gemisch warm werden. Es sollte aber nie kochen. Zieh den Topf vom Herd und lass es auf Körpertemperatur (37 Grad) abkühlen. Heißer sollte das Milch-Fett-Gemisch wirklich nicht sein, da ansonsten die Hefe in den Streik treten kann und sie nicht mehr aufgeht (alles schon gehabt).

Verrühre dann die Hefe mit einem Teil des Gemischs, bis sie sich aufgelöst hat. Gib nun den Rest hinzu, ebenso das Salz, den Zucker und den Safran. Ein Ei kannst du ebenfalls dazugeben. Es macht den Teig später etwas leichter bearbeitbar. Rühre weiter, bis sich alles auflöst.

Nun wird der Teig in der Küchenmaschine geknetet. Gib dazu so viel Mehl hinzu, dass der Teig geschmeidig wird und sich vom Rand der Schüssel löst. Streue noch ein wenig Mehl über den Teig, decke ihn mit einem Geschirrtuch zu und lasse ihn 45 bis 60 Minuten gehen.

Anschließend knetest du den Teig nochmals ein paar Minuten ordentlich durch, dann kommt er auf eine leicht mit Mehl bestreute Arbeitsfläche, auf der du das restliche Mehl in den Teig knetest. Teile ihn nun in ungefähr 15 Teile, rolle sie etwas aus, sodass du sie wie ein „Lucia-Kätzchen“ formen kannst.

Lussekatter
So ungefähr sollten die Lussekatter geformt werden.

In dieser Form werden die Teile nun auf ein Backblech (mit Backpapier oder ordentlich eingefettet) gelegt. Zugedeckt mit einem Geschirrtuch gehen sie ein weiteres Mal etwa 30 bis 45 Minuten. Währenddessen kannst du den Ofen auf 200 bis 225 Grad vorheizen.

Schließlich werden die kleinen Kätzchen mit dem verquirlten Eigelb bestrichen und für etwa 10 Minuten im gut vorgeheizten Backofen gebacken. Zu guter Letzt kommen noch Rosinen (oder alternativ Cranberries) in die gekringelten Enden.

Und nun, ja, jetzt endlich kannst du sie dir schmecken lassen und die Vorweihnachtszeit herzhaft genießen!

Diese Geschichte über Lucia und das lussekatter-Rezept sind Teil der Serie #nordischfuttern, die seit Oktober läuft. Mehrere Nord-Bloggerinnen und -Blogger beteiligen sich daran. Jede Woche erscheint auf einem Blog ein neues Rezept aus dem Norden und eine passende Geschichte dazu. Es sind schon einige richtig tolle Rezepte dabei – und es werden noch mehr! Schnuppere gerne mal rein:

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