Schwedisch Sprache

Hobbyepidemiologen und Lesserwisser – neue Wörter im Schwedischen

neue Wörter im Schwedischen

Sprache verändert sich. Manche Wörter verschwinden nach und nach, neue entstehen. In jeder Sprache ist das so, auch im Schwedischen. Das schwedische Sprachinstitut „Institutet för språk och folkminnen” veröffentlicht jedes Jahr, welche Wörter neu im Schwedischen aufgetaucht sind. Die Liste zeigt, welche Themen wichtig waren, so wichtig, dass sie sich sogar in der Sprache einnisten. Das Jahr 2020 war von einem Thema bestimmt – wenig überraschend.

Das Sprachinstitut registriert lediglich, welche Wörter oder Phrasen neu im Schwedischen aufgetaucht sind. Es führt diese Wörter also nicht ein. Das machen nur die Sprecherinnen und Sprecher einer Sprache.

39 solche neuen Wörter und Phrasen hat das Sprachinstitut registriert. Wenig verwunderlich kreisen viele davon rund um das Thema Corona. Die meisten dieser Wörter haben auch den Weg in den deutschen Wortschatz gefunden: Covid 19 zum Beispiel oder social distansering, R-tal (R-Wert), superspridare, lockdown, platta till kurvan (die Kurve flachhalten).

Wie sehr die Corona-Pandemie den Alltag prägt, merkt man an einigen anderen neuen Wörtern im Schwedischen. So gibt es beispielsweise das neue Wort mjuta, was so viel bedeutet wie jemanden oder sich selbst stummschalten. Die Arbeit im Home Office und in Videokonferenzen macht sich also auch sprachlich bemerkbar. Mjuta ist vom englischen „mute“ abgeleitet und eingeschwedischt worden.

mjuta = andere och sich selbst stummschalten

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Neu im Schwedischen: das Zoombomben

Ebenfalls aus der wundersamen Welt der Videokonferenzen stammt das Wort zoombombning. Vielleicht hast du ja selbst schon einmal einen solchen Moment erlebt, als plötzlich irgendein wildfremder Mensch sich in die Zoom-Sitzung eingeschlichen hat und da irgendwelche seltsamen Dinge macht. Genau das ist Zoombombning.

Corona hat aber noch anderen Menschen eine große Bühne bereitet: den Besserwissern. Ohne wirkliches Wissen äußern sich viele, oft und gern (vor allem in den sozialen Medien), auch zu höchst komplexen Themen wie beispielsweise epidemiologischen Fachfragen. Im Schwedischen werden solche Leute als hobbyepidemiolog oder auch soffepidemiolog bezeichnet. Hobby- und Couchepidemiologen gibt es natürlich nicht nur in Schweden, nein, die tummeln sich inzwischen wohl auf den Sofas der ganzen Welt.

Der Besserwisser als lesserwisser

Sie haben durchaus eine enervierende Wirkung, diese Besserwisser. Dieses Wort (also den „Besserwisser“) haben die Schweden übrigens bereits vor vielen Jahren aus dem Deutschen entlehnt.  Aber nein, im Grunde sind es ja keine Besserwisser, denn sie wissen es normalerweise ja nicht besser. Was sind sie also dann? Damit kommen wir zu meinem liebsten neuschwedischen Wort: Sie sind lesserwisser. Eine witzige Wortbildung, da hier ein deutsches Lehnwort mit einem englischen Begriff (less = weniger) verknüpft wurde. Es ist also ein deutsch-englisches Lehnwort im Schwedischen, ein wahres polyglottes Wort – sympathisch.   

Lesserwisser = jemand, der trotz geringerem Wissen einem anderen, der mehr weiß, etwas zu einem Thema erklärt

isof.se

Gemäß schwedischem Sprachinstitut definiert sich ein lesserwisser dadurch, dass er oder sie trotz geringerem Wissen jemand anderem ein Phänomen erklärt, obwohl dieser Andere mehr über dieses Thema weiß. Es scheint so, als sei die Gruppe der lesserwisser momentan sehr stark im Aufwind …

Ein Mann für das gewisse … Vielleicht

Ob das auch für den kanskeman gilt? Keine Ahnung. Aber das Wort gefällt mir. Der „Vielleicht-Mann“. Ohne die Definition zu kennen, hat man schon so eine gewisse Ahnung, was das für ein Typ Mann sein könnte. Bei vielen Frauen wird er wohl nicht sonderlich beliebt sein. Er will sich nicht hundertprozentig in eine Beziehung einbringen, sondern zieht es vor, wenn die Beziehung ein wenig im Vagen bleibt. Lieber nicht zu viel wagen, lieber nicht zu viel versprechen.

Aber sind nur Männer so?

Na ja, wohl kommen auch die Wörter kanskekvinna (die „Vielleicht-Frau“) und kanskerelation (die „Vielleicht-Beziehung“) vor, laut Sprachinstitut aber in deutlich geringerem Umfang. Vielleicht hat dieses Verhalten also schon etwas mit dem Mann zu tun. Vielleicht …

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Die ganze Liste der neuen schwedischen Wörter aus dem Jahr 2020 findest du auf der Seite des Institutet för språk och folkminnen.


Was ist dein persönliches Lieblingswort? Hinterlasse gerne einen Kommentar!


Weitere kuriose Wörter im Schwedischen findest du hier.

  1. meine persönlichen liebslingswörter sind smultronställe och sömntuta…

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