Komplett mit Schnee bedeckte Bäume bilden bizarre Skulpturen. In wolkenlosen Nächten leuchtet das Weiß hell und macht die Nacht weniger bedrohlich. Einsame Schlittenspuren durchziehen die endlos weiße Winterlandschaft. Auf zugefrorenen Seen tummeln sich Schlittschuhläufer. Und an den Hängen die Skifahrer. Winter in Schweden kann traumhaft sein. Ein Paradies. Mit Schnee.
Der Schnee macht den Unterschied. Ist er da und kommt dann hin und wieder auch noch die Sonne raus, ist das eine gute Voraussetzung für einen herrlichen Wintertag. Fehlt der Schnee oder sind nur noch seine matschigen Reste übrig, dann geht viel Wintermagie verloren.
Wer im Winter in Schweden Urlaub machen möchte, der wünscht sich normalerweise Schnee, was absolut verständlich ist. Aber auch wenn Schweden weit im Norden liegt, bedeutet das nicht, dass Schnee überall im Land wahrscheinlich ist. An manchen Orten in Schweden ist es eher eine Seltenheit, dass es schneit. Andere Orte hingegen verschwinden Jahr für Jahr unter einer dezimeter- oder gar metertiefen Schicht aus Schnee.

Immer wieder erreicht uns die Frage, wo in Schweden man denn eine Schneegarantie hat. Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen gibt es natürlich nie eine Garantie für Schnee. Zum anderen sind die Schneeverhältnisse von Jahr zu Jahr sehr verschieden. Es gibt Jahre, da ist Anfang Dezember ganz Schweden eingezuckert, und andere, in denen vor Weihnachten nicht einmal an den Küstenorten im hohen Norden Schnee liegt. Und dann kommt auch noch der Klimawandel hinzu, der für Veränderungen sorgt.
Rückgang des Schnees aufgrund des Klimawandels
Eine 2021 veröffentlichte Studie der sieben nördlichen schwedischen Läns (Värmland, Dalarna, Gävleborg, Jämtland, Västernorrland, Västerbotten, Norrbotten) untersuchte, wie sich die Schneehöhe im nördlichen Schweden bis zum Ende des Jahrhunderts entwickeln wird, wobei das SMHI, das schwedische meteorologische Institut, das die Studie für die sieben Läns durchführte, zwei Szenarien zugrunde legte: ein etwas positiveres, das von einem verminderten CO2-Ausstoß ausgeht, und ein negatives, das einen unvermindert hohen CO2-Ausstoß annimmt.
Dabei wird deutlich, dass die Schneehöhe überall abnimmt, besonders spürbar wird das in Läns wie Värmland, Dalarna und Jämtland sowie entlang der bottnischen Küste. Rund um den Siljansee beispielsweise lag in der Referenzperiode von 1961-1992 im Monat März 10-30 Zentimeter Schnee. Im positiveren Szenario wird die durchschnittliche Schneehöhe Ende des Jahrhunderts bei 4-10 Zentimetern, im negativen nur bei 0-3 Zentimetern sein. In Gävle durften sie die Menschen in der Referenzperiode im März über durchschnittlich 30cm Schnee freuen; Ende des Jahrhunderts werden es 3-8 cm sein. Der Rückgang ist also deutlich.
Weniger stark wird der Schnee im hohen Norden, beispielsweise in Jokkmokk, Kiruna oder Riksgränsen zurückgehen. Aber auch dort wird der Schnee weniger. Hatte Jokkmokk beispielsweise in der Referenzperiode durchschnittlich 38 Tage pro Jahr, an denen mehr als 50cm Schnee lag, werden diese Tage auf 20 (im positiven) bzw. 8 (im negativen Szenario) zurückgehen. Gävle wird sowohl im positiven als auch im negativen Szenario überhaupt keine solchen Tage mehr erleben (in der Referenzperiode waren es noch 18 Tage mit mehr als 50cm Schnee).
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Wo lag in der Vergangenheit in Schweden Schnee?
Der Blick in die Zukunft ist also klar: Der Schnee wird weniger. Vor allem die Gegenden in Mittelschweden wie Dalarna und die Küste werden davon betroffen sein. Im Inland im Norden wird es aber auch weiterhin ordentlich Schnee geben.
Wie sieht es nun also aus mit der Wahrscheinlichkeit für Schnee an verschiedenen Orten in Schweden?
Um diese Frage einigermaßen gut beantworten zu können, haben wir einen Blick in die Vergangenheit geworfen. Dadurch kann man gewisse Regelmäßigkeiten entdecken (aber die Veränderungen der Zukunft sind natürlich nicht eingepreist). Wir haben uns die Schneehöhe an unterschiedlichen Orten in Schweden (Växjö, Stockholm, Mora, Sundsvall, Östersund, Umeå, Luleå, Kiruna) zu bestimmten Zeitpunkten angeschaut. Und zwar haben wir immer den 1. Tag der Monate von November bis April ausgewählt – und dies in vier Wintern (2009/10, 2014/15, 2019/20, 2023/24).
Das sind zweifelsohne nur Stichproben. Mehrere Winter wurden ausgelassen. Auch kann es natürlich sein, dass es an einem Ort Mitte des Monats richtig viel Schnee gab, aber halt nicht am 1. eines jeden Monats. So etwas wird bei unserem Vorgehen nicht berücksichtigt. Dennoch kann man gewisse Aussagen über die Wahrscheinlichkeit, in einer bestimmten Region in Schweden mit Schnee rechnen zu können, treffen.
Wo ist Schnee nun also wahrscheinlich? Die zentralen Erkenntnisse
- Schnee Anfang November ist selten. Nur Kiruna hatte am 1. November bereits regelmäßig Schnee.
- Am 1. April sieht man, dass Schweden ein langgezogenes Land mit unterschiedlichen klimatischen Zonen ist. Während der Süden hier schneefrei ist und der Frühling bereits beginnt, liegen im Norden zum Teil noch sehr beträchtliche Schneemengen (bis zu 100cm in Kiruna).
- Im Süden Schwedens bis zur Höhe Stockholm kann es durchaus Schnee geben, die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering. Växjö und Stockholm hatten viele Monatserste zu verzeichnen, an denen überhaupt kein Schnee lag. Im schneereichen Winter 2009/10 gab es Anfang Februar aber 30cm in Växjö respektive 50cm in Stockholm. Das sind jedoch Ausnahmen.
- Orte in Mittelschweden wie Mora in Dalarna und Sundsvall in Västernorrland bieten normalerweise reichlich Schnee, aber dies nicht garantiert. Vor allem in der Zeit von Januar bis März können sich die beiden Orte über viel Schnee freuen, manchmal bis zu 75 Zentimeter. Im schneearmen Winter 2019/20 gab es oft aber auch keinen Schnee oder nur eine dünne Decke.
- Ab der Höhe Östersund ist Schnee dann spätestens ab Dezember und normalerweise bis in den April hinein garantiert bzw. sehr wahrscheinlich. In den Küstenstädten Umeå und Luleå sind die Schwankungen hoch, aber dennoch liegt fast immer Schnee. Februar und März sind oftmals die Monate mit dem meisten Schnee.
- Kiruna ist der einzige Ort unserer Stichproben, an dem es bei jedem der 24 Kontrollzeitpunkte Schnee gab.
Was bedeutet das für den Winterurlaub in Schweden?
Wenn du Winterurlaub in Schweden machen willst und wenn du dabei gerne auch Schnee hast, dann solltest du also ins mittlere, besser noch ins nördliche Schweden fahren. Jämtland, Västerbotten und Norrbotten sind – zumindest ab Dezember – ziemlich schneesicher. Auch die Skigebiete im Fjäll können als schneesicher eingestuft werden. Notfalls gibt es dort auch Schneekanonen. Wenn du also zum Skifahren nach Schweden willst, sind alle Skigebiete ab dem nördlichen Dalarna (Särna, Idre) eine gute Wahl.
Da der Schnee oftmals bis in den Frühling, also bis in den April, mancherorts auch bis in den Mai, liegen bleibt, lohnt ein Ski- und Winterurlaub im sog. vårvinter, dem Frühlingswinter. Das ist die Zeit im März/April, wenn es im Norden noch richtig winterlich ist, aber die Tage schon wieder deutlich länger werden und die Sonne auch ein wenig wärmt.
Auch die Regionen Värmland und Dalarna bieten oft herrliche Winter- und Schneelandschaften, aber leider nicht immer. Hier wirkt sich der Klimawandel auch am deutlichsten aus und wird die schneefreien Tage im Winter in Zukunft ansteigen lassen.
In Stockholm habe ich schon herrliche Wintertage verbracht mit wunderbar verschneiten Altstadtgassen und eingezuckerten Schären. Aber es kann hier im Winter eben auch genauso gut matschig, nass und grau sein. Gleiches gilt für das småländische Hochland.
Ganz im Süden, also in Skåne und Blekinge, aber auch an der Westküste sollte man sich hingegen besser keine Hoffnung auf Schnee machen. Dann ist das Glück zumindest doppelt so groß, wenn es doch eine weiße Überraschung gibt.





