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Heja Sverige! Schweden und die WM

Schweden und die WM

Am 7. Juli 2018 tönten zum letzten Mal „Sverige“-Rufe durch ein WM-Stadion in Russland. In den schwedischen Wohnzimmern wurde gezittert und mitgefiebert. Aber noch so viele „Kom igen nu då!“-Rufe halfen nichts: Schweden verlor das Viertelfinale gegen England. Dennoch ein riesiger Erfolg für Schweden. Viel besser geht es nicht! Oder doch? Ein Rückblick auf die schwedische WM-Geschichte zeigt Höhen und Tiefen.

Als am 7. Juli 2018 um 16 Uhr die schwedischen Nationalhymne erklang und tausende Kehlen stolz „Du gamla, du fria“ sangen, konnten die Schweden noch auf die Sensation hoffen. das Halbfinale war zum Greifen nah. Doch trotz der Niederlage ist diese WM für Schweden ein voller Erfolg. Es gab nur wenige Weltmeisterschaften, bei denen Schweden so lange durchhielt. Andererseits gab es sogar noch größere Erfolge als „nur“ das Viertelfinale.

WM Viertelfinale Schweden - England
Ein riesiger schwedischer Erfolg: das Erreichen des WM-Viertelfinales

Schwedische WM-Erfolge in den 1950er Jahren

In den 1950er Jahren gehörte Schweden zu besten Teams der Welt. Während der WM 1950 in Brasilien konnten sich nur der Gastgeber und der Titelgewinner Uruguay besser platzieren. Die aus deutscher Sicht legendäre WM in der Schweiz 1954 erfolgte hingegen ohne schwedische Teilnahme.

1958 war Schweden dann selbst Gastgeber. Das Ullevi-Stadion in Göteborg wurde gebaut und wurde zum Schauplatz einiger spannender Spiele. Viele sagen, dass Schweden nie ein besseres Team hatte als damals. Stars wie Kurt Hamrin, Lennart Skoglund oder Gunnar Gren haben in Schweden einen ähnlichen Heldenstatus wie Helmut Rahn und Fritz Walter in Deutschland. Doch ein anderer Spieler prägte diese WM wie kein anderer: der siebzehnjährige Brasilianer Edson Arantes do Nascimento, kurz: Pelé.

Blågult enttäuschte das Heimpublikum nicht. Im Halbfinale warf es Deutschland (immerhin der amtierende Weltmeister) aus dem Turnier und traf im Finale auf Brasilien. Die Südamerikaner wurden allerdings ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen schlussendlich 5:2. Dennoch war dieser zweite Platz der größte Erfolg Schwedens in der gesamten WM-Geschichte.

Tristesse in Blau und Gold – die Jahre zwischen 1962 und 1990

Nach dieser glorreichen Zeit stellte sich eine gewisse Tristesse ein. 1962, 1966, 1982 und 1986 qualifizierten sich die Tre Kronor überhaupt nicht, 1970 und 1978 mussten sie nach der Gruppenphase wieder nach Hause fahren. Lediglich bei der WM 1974 konnte Schweden mit einem fünften Platz glänzen.

1990 – das Jahr, als Deutschland zum dritten Mal Weltmeister wurde – gilt dann als Tiefpunkt der schwedischen WM-Geschichte. Drei Niederlagen in der Vorrunde, darunter sogar eine gegen Costa Rica – da blieb nur die Heimfahrt.

Die WM 1994 in den USA: einfach legendär

Wie sollte es nach dieser katastrophalen WM weitergehen? Ganz einfach: Man setzte einen Erfolg dagegen. Und was für einen! Die Weltmeisterschaft 1994 in den USA wurde die erfolgreichste für Schweden seit 1958. Eine legendäre Mannschaft – unter anderem mit Tomas Brolin, Kennet Andersson, den beiden Mönchengladbachern Patrick Andersson und Martin Dahlin, Henrik Larsson und Torwartlegende Thomas Ravelli – kämpfte sich bis ins Halbfinale. Erst hier war gegen den späteren Weltmeister Brasilien Schluss. Im Spiel um Platz 3 fegte Schweden Bulgarien mit 4:0 aus dem Stadion. Die Tre Kronor schossen während des gesamten Turniers die meisten Tore. Bis heute verbinden viele Schweden mit dem WM-Song „När vi gräver guld i USA“ große Emotionen und Erinnerungen.

Nach der bitteren WM 1990 war man plötzlich wieder wer! Doch was folgte? Keine Qualifizierung 1998, 2010 und 2014, das Aus im Achtelfinale 2002 und 2006 (gegen Deutschland). Erneut triste Jahre. Schweden bekam mit Zlatan Ibrahimovic zwar einen Superstar. Doch der Exzentriker alleine bildete eben noch lange kein gutes Team.

Schweden überzeugt durch Teamgeist

Seitdem Ibrahimovic die Nationalmannschaft verlassen hat, fehlt zwar der Mann für die besonderen und überraschenden Momente. Aber dafür zeichnet nun etwas die Blau-Gelben aus, was zuvor gefehlt hat: Teamgeist. Und als Team ließen die Schweden in der Qualifikation die Niederlande hinter sich, ehe sie Italien die Fahrt nach Russland verweigerten. Die Vorrunde in der Gruppe mit Weltmeister Deutschland beendeten sie auf Platz 1. Im Achtelfinale wurde die Schweiz niedergerungen. Gegen England war im Viertelfinale zwar Schluss. An die ganz großen Erfolge von 1958 und 1994 konnte nicht angeknüpft werden. Dennoch: Schweden hat überrascht und wird diese WM noch lange in guter Erinnerung behalten.

Und in vier Jahren heißt es dann wieder: Heja Sverige! Kom igen nu då!

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