Geschichte Göteborg

Stadt im Wandel – Göteborg wird 400

Göteborg wird 400

Göteborg wird 400 Jahre alt. In dieser Zeit wandelte sich die zweitgrößte schwedische Stadt mehrfach. Auch jetzt verändert sie wieder ihr Angesicht.

Hoch auf dem Sockel steht Gustaf II. Adolf, der berühmte König Schwedens, der 1632 in der Schlacht bei Lützen im Dreißigjährigen Krieg fiel und der einige Jahre zuvor die Stadt Göteborg gegründet hatte. „Hier soll die Stadt liegen!“, soll er gesagt und auf das Stück Land gezeigt haben, wo sich heute die Innenstadt mit dem Gustaf Adolfs-Platz samt Statue befindet.

Am 4. Juni 1621 erhielt Göteborg die Stadtprivilegien. Aber die Geschichte der heutigen Metropole an der Mündung des Flusses Göta Älv ins Kattegat beginnt schon etwas früher.

Die Flussmündung war Schwedens Tor zur Nordsee und damit zur Welt. Bohuslän, die Region nördlich von Göteborg, gehörte Anfang des 17. Jahrhunderts zu Norwegen, das südlich gelegene Halland zu Dänemark. Auch der Öresund – und damit der Schiffsweg von der Ost- in die Nordsee – war fest in dänischer Hand. Die Mündung des Göta Älv zu sichern, war für Schweden daher von größter Bedeutung.

Gründung in unruhigen Zeiten an einem unruhigen Ort

Bereits im 12. Jahrhundert wurde etwas weiter flussaufwärts die Stadt Lödöse gegründet, aber sie war zu weit vom Meer entfernt, sodass sie nicht zur Sicherung des Zugangs zum Meer diente. Auch die Festung Gamla Älvsborg, die im heutigen Stadtteil Majorna-Linné stand, konnte den notwendigen Schutz nicht bieten. Zweimal wurde sie von den Dänen erobert und die Schweden mussten horrende Summen bezahlen, um sie wieder zurückzuerhalten.

Anfang des 17. Jahrhunderts wagten die Schweden den Versuch, nördlich der Flussmündung eine Stadt zu gründen, die sie Göteborg nannten. Sie wurde schnurstracks von den Dänen zerstört und zwar so gründlich, dass man erst im 20. Jahrhundert auf Überreste dieses ersten Göteborgs stieß.

Dann der neue Anlauf, diesmal am südlichen Flussufer. Eines war klar: Die Stadt musste gut befestigt sein. Ein Bollwerk in einer extrem unruhigen und umkämpften Gegend. Der zickzackförmige Wallgraben, der die Stadt nach Süden abschirmte, zeugt noch 400 Jahre später davon, auch wenn der heutzutage größtenteils als Park genutzte Graben inzwischen niemanden mehr abschreckt. Zwei Befestigungstürme – Skansen Lejonet und Skansen Kronan – wachen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts über Göteborg. Außerdem wurde die Festung abgerissen und eine neue auf einer Insel im Hafeneinlauf gebaut. Nya Älfsborg, die inzwischen aber nur noch Touristen und die Passagiere auf den Fähren begrüßt.

Blaue Stunde in Göteborg
Noch immer prägen Kanäle die Stadt.

Göteborg – das neue Amsterdam

Die Verantwortung für die Planung und Anlage der Stadt übertrug der schwedische König Holländern. Mehrere Grachten, die mittlerweile zugeschüttet sind, prägten das Stadtbild. Göteborg nannte man daher auch Neu-Amsterdam. Carl von Linné besuchte die Stadt 1746 und schrieb:

„Göteborg war […] umgeben und befestigt mit Wällen und Gräben, gegliedert mit regelmäßigen und geraden Straßen, durchschnitten von etlichen Grachten oder Gräben. […] Laubbäume sind auf beiden Seiten der Gräben gepflanzt, sodass diese Stadt sehr den holländischen Städten gleicht.“

Carl von Linné

Von der Festungsanlage zur Handels- und Schifffahrtsstadt

Im Frieden von Roskilde 1658 kamen zwar Halland und Bohuslän zu Schweden. Unruhig blieben die Zeiten dennoch. Im Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 attackierten Dänemark und Norwegen Göteborg gleich dreimal, jedoch ohne Erfolg. Danach gelangte die Hafenstadt in ruhigere Fahrwasser. Sie entwickelte sich zur blühenden Handels- und Schifffahrtsstadt. Holz und Eisen musste exportiert und neue Luxuswaren aus dem fernen Osten importiert werden. Die Schwedische Ostindien-Kompanie wurde gegründet. Ihren Sitz hatte sie in dem prächtigen Gebäude, in dem heute das Stadtmuseum residiert.

Ostindienfahrer Götheborg
Hoch oben auf dem Ostindienfahrer Götheborg

1732 machte sich das erste Segelschiff von Göteborg nach China auf, um von dort Seide, Porzellan, Tee, Gewürze und andere begehrte Waren nach Schweden zu bringen. Göteborg war Schwedens Tor zur Welt – und die Handelskompanie entwickelte sich zu einem erfolgreichen schwedischen Unternehmen. 132 Expeditionen innerhalb der 74 Jahre ihrer Existenz rüstete sie aus.

Auch jene der „Götheborg“, einem Dreimaster, der nach mehrjähriger Fahrt nach China und zurück 1745 kurz vor dem Einlauf in den Heimathafen sank. Das Schiff geriet in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren entdeckten Taucher das Wrack. Wenige Jahre später wurde dem Ostindienfahrer neues Leben eingehaucht. In mühevoller Detailarbeit baute man das Schiff nahezu im Original nach. 2005 machte sich die „Götheborg“ erneut auf nach China. Heute liegt der Nachbau an Pier 4 am Nordufer des Göta Älv und wartet auf Besucher.

Wandel im 19. Jahrhundert: Göteborg wird Industriestadt

Der Handel blühte, Werften entstanden und auch der Heringsfang war einträglich. Das Sahlgrenska Krankenhaus wurde gegründet und Göteborg bekam sein erstes festes Theater.

Göteborg mit Herz
Stadt mit Herz

Der Aufschwung endete jedoch im ausgehenden 18. Jahrhundert. Krieg mit Russland, stärker ihre eigenen Interessen im Handel mit dem fernen Osten vertretene Holländer und Engländer und nicht zuletzt die napoleonischen Kriege setzten der Ostindischen Handelskompanie und damit der gesamten Stadt heftig zu. 1814 löste sich die Kompanie auf.

Doch wie so oft ist der Niedergang auch Startpunkt neuen Aufschwungs.

Die Industrialisierung veränderte Göteborg grundlegend. Eines blieb aber gleich: Die Seefahrt prägte die Stadt nach wie vor. Große Werften wie Eriksberg wurden gegründet, die nun in industrieller Weise Schiffe bauten, die die Weltmeere befahren sollten. Industrieunternehmen siedelten sich an. In Gamlestaden im Osten Göteborgs zum Beispiel SKF – die schwedische Kugellagerfabrik –, aus der auch der Automobilkonzern Volvo hervorging. Göteborg wurde zur Industrie- und Arbeiterstadt.

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„Tor zur Welt“ – auch für hunderttausende Auswanderer

Und zur Stadt der Auswanderer. Denn als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tausende und abertausende Schweden das bettelarme Land verließen, um in Amerika ihr neues Glück zu suchen, rückte Göteborgs Rolle als „Tor zur Welt“ erneut in den Mittelpunkt. Im Haus der Emigranten im Göteborger Hafen, das die Corona-Epidemie nicht überstanden hat und schließen musste, konnte man sich bis vor kurzem noch auf die Spur dieser Emigranten machen.

Schließen musste im Jahr 2015 auch die letzte Werft der Stadt. Spätestens da war dieses Kapitel, das Göteborg über so viele Jahrzehnte und Jahrhunderte geprägt hatte, abgeschlossen. Aber der Wandel von der Industrie- zur modernen Stadt begann schon früher.

Eriksberg, Göteborg
Wo früher Werften standen, entwickeln sich heute Wohnviertel.

Die Werften und andere Schwerindustrie befanden sich bereits in den 1960er und 1970er Jahren in einer schweren Krise, die viele Unternehmen nicht überlebten. Stattdessen siedelten sich neue, innovative an, viele im Bereich IT und Umwelttechnik. Und die Göteborger eroberten sich das Hafengebiet zurück. Dort, wo früher in den Werften Schwerstarbeit verrichtet wurde, entstanden nun hippe, moderne Wohngebiete. 1994 wurde die Oper direkt an der Kaimauer gebaut. Ihre Architektur erinnert an das, was Göteborg ausmacht – an ein Schiff.

Göteborg wird zur Eventstadt und schließlich grün.

Zugleich wandelte sich Schwedens zweitgrößte Stadt in eine Eventcity. Im Ullevistadion – gebaut zur WM 1958 – treten die ganz großen Stars von Bruce Springsteen über Madonna bis zu Metallica auf. Entlang der Eventmeile Skånegatan reihen sich Fußballstadion, Kinokomplex, Eishockeystadion, die Messe und am Ende der Straße der berühmte Vergnügungspark Liseberg.

Aber der nächste Wandel ist schon längst eingeleitet. Göteborg will eine saubere, der Zukunft zugewandte Stadt sein. Eine moderne Stadt, die innovativ und lebenswert ist. Mehrere Großbaustellen prägen aktuell das Stadtbild. Überall wird gebaut, verändert, modernisiert. Die neue Hisingsbron, eine Brücke über den Göta Älv, wurde im Frühjahr 2021 eingeweiht, eine Seilbahn soll folgen, Radwege massiv ausgebaut werden.

Göteborg ist eine grüne Stadt: hier der Stora Delsjön

Schließlich gilt es einen Spitzenplatz zu verteidigen: Seit vier Jahren steht Göteborg im Global Destination Sustainability Index ganz oben. Auch bei Lonely Planet wird die Großstadt an der schwedischen Westküste 2021 als „Best Sustainable City“ weltweit gelistet. Und 2020 war Göteborg zusammen mit Malaga in Spanien „European Capital of Smart Turism“. Der öffentliche Nahverkehr wird zu fast 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben. 95 Prozent aller Hotels sind ökozertifiziert. Viele Restaurants setzen auf in der Nähe produzierte Zutaten, ökologische, vegane oder vegetarische Produkte. Secondhand-Läden gibt es in Hülle und Fülle. Und in und um die Stadt laden Parks, Wälder und Naturschutzgebiete zum Wandern, Entspannen und Radfahren ein.

Festlichkeiten bis 2023

Göteborg scheint für die Zukunft gerüstet. Nicht nur, weil die Stadt auf Nachhaltigkeit setzt, sondern weil sie im Lauf der letzten 400 Jahre gezeigt hat, dass sie sich wandeln und an neue Begebenheiten anpassen kann.

Diese 400 Jahre Göteborg werden nun gefeiert. In diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie kleiner als geplant. Dafür dauern die Feierlichkeiten aber bis 2023 ein, sodass genug Zeit bleibt, die Stadt zu besuchen und das Festprogramm zu erleben.

Göteborg gehört zu den schönsten Städten Schwedens: Welche für uns die schönsten 15 sind, siehst du hier.

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