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Ferien auf Saltkrokan – warum die neue Schären-Serie überzeugt

Ferien auf Saltkrokan - Tjorven, Pelle und Bootsmann

Neuverfilmungen von Klassikern sind immer eine schwierige Sache. Irgendwie sollte aktualisiert werden, zugleich aber das Original nicht beschädigt werden. Regisseur Fredrik Edfeldt ist mit der Neuverfilmung von „Vi på Saltkråkan“ („Ferien auf Saltkrokan“) diese Gratwanderung geglückt. Herausgekommen ist eine liebevoll gestaltete und behutsam modernisierte sechsteilige Serie, die jetzt in der ZDF Mediathek zu finden ist.

Wir dürfen wieder auf Abenteuerfahrt in die wunderschönen Stockholmer Schären gehen. Zusammen mit der Familie Melkersson geht es hinaus auf die fiktive Schäreninsel Saltkråkan. Die Vorlage von Astrid Lindgren stammt aus dem Jahr 1964. Viel hat sich seitdem in den Schären verändert – und zugleich doch gar nicht so viel.

Der nicht allzu erfolgreiche und insgesamt recht unbeholfen durchs Leben stolpernde Schriftsteller Melker Melkersson hat für sich und seine Familie auf den Schären ein Ferienhaus angemietet. Neben der ältesten Tochter Malin, die bereits Mutter ist und ihre goldige Tochter Skrållan mitbringt, sind das die beiden Söhne Elliot und Ivan sowie der jüngste Sohn Pelle. Das Ferienhaus hat Melker sich im Vorfeld nicht genauer angeschaut; das „Schreinerhäuschen“ erweist sich als rechte Bruchbude. Im Brunnen lebt eine Kröte. Elliot und Ivan vermissen WLAN. Die Ferien beginnen ernüchternd.

Mit den Melkerssons auf Abenteuerreise in die Schären

Aber die Melkerssons erweisen sich als Familie, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und sich den Spaß verderben lässt. Rasch richten sie sich ein und lernen andere Inselbewohner kennen. Da ist Tjorven (herausragend gespielt von der Newcomerin Vega Åhman), die Tochter der Besitzer des Inselladens, ihr Hund Båtsman und ihre beiden älteren Schwestern Elin und Julia. Da ist die kleine Stina mit ihrer blühenden Fantasie, die bei ihrer Oma lebt. Und natürlich darf der notorisch schlecht gelaunte Vesterman nicht fehlen.

Ferien auf Saltkrokan - Geburtstagsfeier in den Schären
Ferien auf Saltkrokan – Geburtstagsfeier in den Schären; Foto: ZDF und Robert Eldrim©SF Studios

Die Figuren bleiben im Kern die gleichen wie in Astrid Lindgrens Romanvorlage. Manche Namen wurden modernisiert und angepasst, beispielsweise wurden aus Tjorvens Schwestern Teddy und Freddy nun Elin und Julia. Klingt etwas moderner. Aus Stinas Opa wurde eine Oma. Auch andere Dinge sind behutsam aktualisiert worden. Der Inselladen der Grankvists sieht nun so aus, wie eben heutzutage die meisten Insellädelchen aussehen. Die Boote sind mit GPS ausgestattet (das im Nebel auch mal ins Meer fällt), die Jugendlichen brauchen (anfangs zumindest) Internetverbindung, um irgendwie lebensfähig zu bleiben, und Melker schreibt seine Bücher auf dem Laptop (der sich aber ständig aufhängt). So werden die Schärenabenteuer der Melkerssons in die heutige Zeit verlegt.

Auf Saltkrokan änderte sich viel und zugleich wenig.

Zugleich bleibt vieles aber auch gleich. Denn das Schärenleben ist gar nicht so anders geworden. Klar, es kommen mehr Touristen. Aber das Leben auf den Schären schlägt auch heute noch in einem anderen Takt, alles ist etwas langsamer, beschaulicher, gemütlicher. Die Felsen sind auch heute noch rund und glatt, das Meer glitzert wie in den 1960ern, die Häuser versprühen heute wie damals einen rauen und zugleich sehnsuchtsweckenden Charme.

Und das Wichtigste: Die kleinen und großen Abenteuer, die die Kinder und Erwachsenen auf Saltkrokan erleben, sind immer noch die gleichen. Zwar hat Regisseur Edfeldt leichte Veränderungen vorgenommen, aber über weite Strecken sind sie die gleichen, die in der ursprünglichen TV-Serie bzw. Lindgrens Roman von 1964 vorkommen.

Kleine Alltagsabenteuer auf Saltkrokan

Kinder verfahren sich im Nebel auf dem Meer, ein Kälbchen reißt aus und muss wiedergefunden werden, Pelle bekommt ein Kaninchen, das dann vom Fuchs gerissen wird. Es sind keine großen Geschichten und Abenteuer, keine Reisen ins Takatuka-Land wie bei Pippi, keine epischen Schlachten wie bei den Brüdern Löwenherz. Es sind alltägliche Erlebnisse, die für Kinder aber viel bedeuten und die den Sommer auf Saltkrokan so einzigartig machen. Die Fantasie, das Spiel der Kinder, die Freiheit der Schären stehen im Mittelpunkt.

Tjorven und Stina in Ferien auf Saltkrokan
Tjorven und Stina in Ferien auf Saltkrokan; Foto: ZDF und Johan Paulin©SF Studios

Regisseur Edfeldt überzeugt damit, die Geschichte behutsam zu modernisieren und zugleich nah am Original zu bleiben. Er trifft einen Ton, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht – und die Sehnsucht nach einem Sommer in den Schären weckt. Die Geschichten werden humorvoll erzählt, lassen aber auch anderen Stimmungen Raum, etwa der Trauer, als Pelles Kaninchen stirbt. Die Schönheit der Schären wird gezeigt, ohne dass die Bilder in Kitsch abdriften. Die Charaktere werden herrlich sympathisch gezeichnet und die Rollen wurden sehr treffend besetzt.

Die neue Serie – bestehend aus sechs jeweils etwa 25-minütigen Folgen – ist daher sowohl ein Nostalgietrip für alte Lindgren-Fans als auch eine Möglichkeit, ein neues junges Publikum für die Lindgren-Geschichten zu begeistern.

Eine große Empfehlung!

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Beitragsbild: ZDF und Petrus Sjövik©SF Studios

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