Anreise Mit dem Rad durch Schweden Reisen

Fahrradmitnahme: mit dem Rad in Bus und Bahn

Fahrradmitnahme in der Deutschen Bahn

Um 3:45 Uhr klingelt der Wecker. Denn ich muss früh los. Die Fähre von Rostock nach Schweden fährt zwar erst spät am Abend. Aber um mit dem Rad von Nürnberg bis an die Ostsee zu kommen, ist Geduld gefragt – und Nerven. Immerhin im Nahverkehr der Deutschen Bahn funktioniert die Fahrradmitnahme in Deutschland relativ reibungslos.

Geplant ist eine Radtour durch das südliche Schweden. Von Trelleborg soll es entlang der Westküste bis nach Göteborg gehen. Von dort aus führt mich mein Weg nach Osten bis an den Vättern. Anschließend wollte ich mit Zug oder Bus wieder zurück nach Göteborg, von wo aus mich die Fähre zurück nach Kiel bringen sollte.

Fahrradmitnahme in Bus und Bahn in Schweden

So weit der Plan. In Schweden solltest du jedoch besser eine Rundreise machen, wenn du mit dem Fahrrad unterwegs bist, beziehungsweise dir die möglichen Zugverbindungen ganz genau im Vorfeld anschauen. Denn: In den Zügen der schwedischen Bahn SJ werden keine Fahrräder mitgenommen.

Die Begründung von SJ? Man habe keine Fahrradstellplätze, weil man die Züge möglichst gut mit Sitzplätzen auslasten wolle – im Sinne der Ökologie. Nun ja, ökologisch wäre es meiner Meinung nach, wenn die Bahn das Radfahren unterstützen und die Mitnahme möglich machen würde.

Besser funktioniert es in regionalen Verkehrsverbünden oder auf bestimmten Strecken. So können beispielsweise bei Västtrafik (Großraum Göteborg) oder im Skånetrafiken die Fahrräder ebenso mitgenommen werden wie im Öresundzug („Öresundtåget“) – solange zumindest Platz ist.

Fahrradmitnahme im Västtrafik
Im Västtrafik ist die Fahrradmitnahme kein Problem.

In den schwedischen Fernbussen sieht es ähnlich wie bei SJ nicht sonderlich gut aus. Manche nehmen grundsätzlich keine Räder mit (wie Nettbuss), andere wie das mittlerweile von Flixbus übernommene Unternehmen Swebus zwar prinzipiell schon. Bei der Suche einer Fahrt von Jönköping nach Göteborg gab es allerdings trotzdem keine einzige Verbindung, bei der ich das Rad hätte mitnehmen können.

Dass es in Schweden mit der Fahrradmitnahme nicht ganz einfach werden würde, wusste ich also. In Deutschland dachte ich jedoch, dass es viele Möglichkeiten gebe!

Denkste …

Wahl 1: mit IC oder ICE nach Rostock

Gesucht: ein Platz fürs Rad in Bus und Bahn

Es hätte so bequem und einfach sein können. Auf der Suche nach geeigneten Zügen (Häkchen beim Feld „Fahrradmitnahme“ ist gesetzt) zeigt mir dir Bahn-Seite mehrere Verbindungen an: schnell und gar nicht mal so teuer. Ich klicke mich durch den Bestellvorgang, erst auf der letzten Seite, bevor ich also auf „Zahlen“ drücke, halte ich inne, da ich zuerst die Fähre buchen möchte. Nicht, dass da schon alles ausgebucht ist. Fünf Minuten später ist die Fähre geklärt, ich will das Ticket bei der Bahn buchen und … „Die Fahrradmitnahme bei dieser Verbindung ist soeben nicht mehr möglich.“ Aha? Okay …

Noch bin ich beruhigt, denn es wurden ja noch ein paar andere Verbindungen mit Fahrradmitnahme angezeigt. Ich wähle die erste aus, alles gut, erst ganz zum Schluss, beim allerletzten Klick, wieder die gleiche Meldung. Bei allen anderen möglichen Verbindungen das gleiche Spiel … Nirgends kann ich das Rad mitnehmen, obwohl es zunächst so angezeigt wird, als sei es möglich.

Die Fähre ist gebucht. Irgendwie muss ich nach Rostock. Allmählich werde ich nervös.

Wahl 2: Fahrradmitnahme bei Flixbus

Nun gut, wenn der Fernzug nicht klappt, muss es eben mit dem Bus gehen. Von Nürnberg gibt es eine sehr gute Verbindung mit Zwischenstopp in Berlin. Dauert zwar etwas länger, ist dafür aber auch deutlich günstiger. Ich buche das Ticket. Alles ist gut.

Bis ich eineinhalb Wochen vor der Abfahrt eine Mail von Flixbus erhalte: „Aus betriebsbedingten Gründen kann die Fahrt nicht mehr angeboten werden.“ Man hat mich auf eine andere Verbindung umgebucht. Das Problem: Mit dieser anderen Verbindung komme ich nicht mehr rechtzeitig zur Fähre.

Ab jetzt öffnet sich das Kapitel „Kundenservice bei Flixbus“ – ein Kapitel voller Anrufe, Warteschlangen, inkompetenter Mitarbeiter, Vertröstungen, Ahnungslosigkeit, Hinhaltungen, Wutausbrüchen. Ich könnte viele Zeilen darüber schreiben, aber ich will’s kurz machen: Bei Flixbus muss man sich offensichtlich um alles selbst kümmern, auch wenn der Fehler eindeutig bei Flixbus liegt. Bis heute habe ich das Geld, das ich bezahlt habe, noch nicht zurückerhalten. Neben dem Geld hat mich diese Buchung viel Nerven und noch mehr Zeit gekostet, um am Schluss keinen Zentimeter weitergekommen zu sein.

Fahrradmitnahme bei Flixbus? Ich rate dir ganz dringend davon ab.

Wahl 3: Mit dem Rad im Nahverkehr der Deutschen Bahn

Am Schluss bleibt nur noch eines: der Nahverkehr. Die Verbindung von Nürnberg nach Rostock dauert zwar über 12 Stunden und ich muss viermal umsteigen. Aber – und das ist mittlerweile das Allerwichtigste für mich: Die Fahrradmitnahme funktioniert im Nahverkehr ziemlich problemlos. Einfach eine Fahrradkarte für 5,50 Euro zusätzlich zum normalen Ticket kaufen und los geht’s.

Im Nahverkehr der Bahn kommt das Fahrrad problemlos mit.

Die Radtour durch Schweden soll ja eine entschleunigte Reise werden. Ich fange also am besten bei der Anfahrt an und tingle nun in Seelenruhe durch Ortschaften wie Unterloquitz, Pressig-Rothenkirchen, Niedergörsdorf und Kratzeburg. Und die 60 Minuten Verspätung, die gleich der erste Zug in Nürnberg hatte, können mich auch nicht mehr stressen.

 

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6 Comments

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    • Ja, im Skånetrafiken geht es. Schwierig bzw. unmöglich wird es aber bei den längeren Strecken mit SJ (zumindest geht es laut deren Homepage nicht).

  • Ich bin mit dem Rad (E-Bike) bis nach Nordschweden rauf, war etwas abenteuerlich da man wirklich nur bestimmte Züge nutzen kann. Irgendwann findet man dann mal was raus – nämlich wie man alle Sj-Züge bei der Suche ausblenden kann: man nutzt die Site „https://www.tagkompaniet.se/“, dann macht man das Häkchen bei „SJ“ bei „Välj transportör“ weg… und voila.

    Ich verstehe Dein Problem bei der deutschen Bahn nicht – jeder IC kann Fahrräder mitnehmen und die sind auch bis kurz vor Abfahrt buchbar – die meisten ICs (nicht ICEs!) haben ein extra Fahrradabteil. Man muss allerdings manchmal einen Umweg fahren bzw. Teilstrecken buchen, dann gehts – z. B. Nürnberg-Köln-Lübeck. U. U. muss man auch die Fahrradzusatzkarte separat am Automaten buchen (manchmal keine Live-Daten dann klappts immer).

    • Hej Olaf!
      Wie bist du in Nordschweden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vorangekommen? Das Bahnnetz ist dort ja nicht mehr sonderlich gut ausgebaut. Fernbusse?
      Da sind meine Erfahrungen ähnlich wie deine: Man kommt auch mit den Fernbussen und dem Rad durchaus voran, muss aber auch hier sehr genau schauen, welche Unternehmen das Rad transportieren und welche nicht.
      Das Problem, das bei mir bei der DB entstand, kann ich bis heute nicht ganz nachvollziehen. Gut möglich, dass einfach die Daten auf der Buchungsseite nicht korrekt angezeigt wurden. Ich hatte einige IC-Verbindungen, es hieß immer, dass die Fahrradmitnahme möglich sei und wenn ich dann ganz am Ende des Buchungsprozesses auf „Buchen“ geklickt habe, kam die Meldung, dass jetzt alle Kontingente ausgeschöpft seien. Keine Ahnung, was da los war. Naja, schlussendlich war ich mit dem Regio zwar länger unterwegs, aber es hat gut geklappt. 😉