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Demokratie und Königshaus – ein Widerspruch?

Residenz der schwedischen Königsfamilie - Schloss Drottningholm

Eine richtige Demokratie braucht ein Königshaus. So etwas Monarchisches ist schick. Und ein Schloss mit einem glücklich winkenden Königspaar oder Bilder vom neugeborenen Thronfolger irgendwie auch deutlich aufregender als so ein schnödes Parlament, in dem grauhaarige Anzugträger vor halbleerem Haus langweilige Reden halten. Ist es nicht so?

Die schwedische Königsfamilie / das schwedische Königshaus
Ein Teil der schwedischen Königsfamilie 2015; Foto: Frankie Fouganthin

Schweden und Königshaus – das gehört einfach zusammen

Nachfolge Nr. 1 im schwedischen Königshaus - Victoria
Kronprinzessin Victoria mit ihrer Tochter Estelle; Foto: Frankie Fouganthin

Die Schweden sind sich da nicht ganz so sicher. Oder zumindest manche nicht. Denn fragt man sie nach ihren Haltungen zum schwedischen Königshaus gehen die Meinungen weit auseinander: Für die einen ist die Königsfamilie schwedische Identität. Allmählich haben sie sich sogar damit abgefunden, dass diese Identität von einer bis heute mit einem deutlichen deutschen Akzent sprechenden Königin verkörpert werden kann. Sie lieben Victoria und ihre Kinder, sie fieberten mit, als die Kronprinzessin sich in den gar nicht standesgemäßen Fitnesstrainer Daniel verliebte und als Madeleine nach verschiedenen Abenteuern nun auch endlich im Hafen der Liebe ankam. Und sie verzeihen König Carl XVI. Gustav sogar seine Affären und Peinlichkeiten – und diese gibt es nicht zu knapp.

Dieser Teil der Schweden würde es auch nie kritisieren, dass der Namens- und der Geburtstag der Kronprinzessin Tage sind, an denen offiziell geflaggt wird.

Ein teurer Spaß, so eine Königsfamilie

Es gibt aber auch Schweden – gefühlt sind sie in der Minderheit – die leise Zweifel daran äußern, ob eine Demokratie tatsächlich einen Monarchen braucht. Irgendwie, das haben sie zumindest in der Schule gelernt, schließen sich Monarchie und Demokratie doch gegenseitig aus. Oder? Und da Schweden zweifelsohne eine Demokratie ist, könnte man das Königshaus bitte schön einfach abschaffen. Immerhin kostet es den Staat und damit den Steuerzahler eine ganze Stange Geld. Die Apanage für das schwedische Königshaus beläuft sich auf 67 Millionen Kronen (Stand 2015), was ungefähr sieben Millionen Euro entspricht. Und dann auch noch bei Nobelpreisfeiern und anderen Festlichkeiten den teuersten Schmuck, die feinsten Frisuren, die schicksten Kleider tragen, nur weil man das unverdiente Glück hatte, zufällig in eine Erbmonarchie hineingeboren zu werden? – Sehr demokratisch!

„Halt!“, höre ich schon die Verteidiger des Königshauses rufen. „67 Millionen Kronen? Das sind nicht einmal 10 Kronen pro Einwohner und Jahr. Fürs Fernsehen bezahlen wir einiges mehr. Und dessen Qualität ist deutlich fragwürdiger als die der königlichen Familie.“ Dann verweisen sie vor allem auf Victoria, die irgendwie jeder liebt. In Schweden gilt sie als die öffentliche Person, zu der man am meisten Vertrauen hat. In Deutschland ist sie unter allen europäischen Royalen die beliebteste.

Sie – und natürlich auch alle anderen Mitglieder der Königsfamilie – repräsentieren das Land nach außen, und das machen sie nicht schlecht. Der PR-Wert des Königshauses wird von Mats Urde, Dozent an der Universität Lund, auf etwa eine Milliarde Kronen geschätzt. Wie lächerlich wirken dagegen die 67 Millionen?

Viktoria und Co. – ein Traum für die Klatschblätter

Wache vor dem Königsschloss in Stockholm

Wenn wir den Blick nach Deutschland richten, dann merken wir schnell, dass die schwedische Monarchie nicht nur das Bild Schwedens positiv beeinflusst, nein, sie sorgt auch ganz konkret und praktisch für eine Menge Arbeitsplätze. Wenn wir im Zeitschriftenladen vor den Regalen mit den Klatschblättern stehen, dann lächeln uns sicherlich fünf bis zehn Mal Victoria, Madeleine oder Sylvia von den Titelseiten entgegen. Ganze Redaktionen – von „Bunte“ über „Gala“ bis zu „Bild der Frau“ – leben von den Royals. Nicht nur von den schwedischen, das ist klar, aber dennoch.

Die Beziehung zwischen Victoria und Daniel Westling war ein Glücksfall für die Redaktionen dieser Zeitschriften. Madeleines früherer Verlobter Bergström betrügt die hübsche Prinzessin mit einer norwegischen Handballerin? Ein Traum für jede Klatschpresse. Dann die ganzen Kinder, die Victoria, Carl Philipp und Madeleine nun bekommen. Über die Schweden gibt es eigentlich fast immer etwas zu berichten.

Und wenn nicht? Na, dann erfindet man eben etwas. So tauchten schon mal Meldungen auf, dass Roger Moore der wahre Vater der Kronprinzessin ist oder dass Madeleine in die Fänge einer Sekte geraten sei. Irgendwann reichte es Königin Sylvia und König Carl Gustav und sie gingen Anfang des 21. Jahrhunderts gerichtlich gegen die Klatschpresse vor. Mit Erfolg. Seitdem sind zumindest die deutschen Zeitschriften etwas gezähmt. Lügengeschichten – oder wie man heute sagt: Fake News – werden kaum noch verbreitet. Und das ist dann doch ein klarer Gewinn für die Demokratie.

 

Beitragsbild: Ola Ericsson / imagebank.sweden.se