Am 3. September 1967 um 4:50 Uhr fuhren auf allen Straßen in Schweden die Autos an den Straßenrand. Dann bewegten sie sich vorsichtig auf die rechte Straßenseite. Im Radio wurde zeitgleich der Countdown heruntergezählt. Um 5 Uhr setzte sich der Verkehr wieder in Bewegung – jetzt aber auf der rechten Straßenseite. Seit diesem Moment gilt Rechtsverkehr in Schweden. Vielleicht sagt es einiges über die schwedische Mentalität aus, wie ruhig und geordnet dieser Wechsel vonstatten ging. Wobei Unfälle natürlich nicht ausblieben: Am Nachmittag desselben Tages kam es zum ersten großen Unfall, als ein Betrunkener auf der falschen Seite fuhr und ein entgegenkommendes Auto frontal rammte.
In Schweden wird also wie in Deutschland rechts gefahren. Auch ansonsten sind viele Regeln im Verkehr gleich. Aber es gibt dennoch ein paar Dinge, die du beachten solltest – von Höchstgeschwindigkeiten, Elchschildern und Mautgebühren:
Unterwegs mit dem Auto: Höchstgeschwindigkeiten auf schwedischen Straßen
Lange Zeit gab es in Schweden grundsätzliche Höchstgeschwindigkeiten, die bei 50 km/h innerorts, 70 oder 90 auf Landstraßen und 110 auf Autobahnen lagen. Seit 2008 gibt es aber flexible Geschwindigkeitsgrenzen, die zwischen 30 und 120 km/h alle Zehnerschritte möglich machen. Immer mehr wird deutlich, dass die offiziell noch gültigen Basisrichtwerte 50 km/h innerorts und 70 außerhalb der Ortschaften nicht mehr überall Standard sind, sondern sich 40, 60, 80, 100 und 120 immer mehr durchsetzen. Gerade innerorts haben inzwischen viele Kommunen die Höchstgeschwindigkeit auf 40 km/h begrenzt, aber auch 50 oder 60 sind möglich.
Auf Landstraßen sind meist 80 oder 100 km/h erlaubt, wobei die 100 nur dann möglich sind, wenn eine Mittelplanke die Fahrspuren trennt. Ohne Mittelplanke sind maximal 90 km/h möglich – außer ganz im Norden auf wenig befahrenen Straßen, da sind auch 100 km/h möglich, wenn es keine trennende Mittelplanke gibt.
Auf den Autobahnen ist 110 km/h der Standard. Es gibt aber auch Strecken, auf denen 120 km/h möglich sind.
Kurzum: Vieles ist möglich. Es lohnt sich sehr, die Schilder im Blick zu behalten.
Mit Anhänger ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit immer 80 km/h, also auch auf Autobahnen.
Blitzer
Normalerweise geht es auf schwedischen Straßen recht gemütlich und stressfrei zu, was am Tempolimit auf den Autobahnen liegt, sicherlich aber auch an der Mentalität der Schweden: Man stresst sich nicht und auch nicht andere. Drängeln, hupen oder gar Lichthupe sind daher überhaupt nicht gerne gesehen.
An den Landstraßen stehen ziemlich viele Blitzer. Aber du musst schon sehr verträumt fahren, um tatsächlich geblitzt zu werden, denn für gewöhnlich werden sie angekündigt. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass es nicht auch unangekündigte und versteckte Blitzer gibt. Diese sind aber selten.
Standstreifen oder Fahrspur?
An vielen Landstraßen wirst du rechts von der eigentlichen Fahrspur noch eine weitere Spur entdecken, die recht breit ist, aber nicht so breit, dass sie eine eigene Fahrspur ist. Diese Spur ist für Fußgänger, Fahrradfahrer und Traktoren gedacht, weshalb du sie nicht dauerhaft befahren solltest. Wenn von hinten jedoch jemand kommt, der schneller ist als du, dann kannst du nach rechts fahren, sodass der andere bequem und ohne größeres Risiko überholen kann.
Licht nicht vergessen!
In Schweden ist es vorgeschrieben, immer mit Abblendlicht zu fahren. Auch besteht Gurtpflicht für alle Autoinsassen. Kinder bis zum Alter von sieben Jahren müssen zudem auf einem Kinder-Sicherheitssitz sitzen.
Auto und Alkohol – eine Kombination nur für Beifahrer
„Ein Bier geht schon.“ In Deutschland wird dieser Satz meist kommentarlos akzeptiert. In Schweden ist es zwar rein rechtlich durchaus möglich, ein Bier zu trinken. Denn wenn man dann noch etwas wartet, ehe man nach Hause fährt, kann man eventuell unter der Promillegrenze von 0,2 liegen. Aber kritische und schiefe Blicke werden einem mit Sicherheit zugeworfen, wenn man diesen Satz ausspricht. Denn für die meisten Schweden ist es schlichtweg unpassend, Alkohol zu trinken und Auto zu fahren.
Die Strafen bei Fahren mit zu viel Alkohol im Blut sind recht üppig. Also gar nicht erst ausprobieren!
Während die Schweden beim Alkohol sehr rigide sind, nehmen viele das Handyverbot am Steuer offensichtlich nicht ganz so ernst. Denn obwohl es verboten ist, beim Fahren ein Handy in der Hand zu halten (also auch nicht mal schnell eine Whatsapp-Nachricht verschicken!), sieht man doch recht viele damit hinter dem Steuer.
Elchschilder abmontieren? Geht gar nicht!
Manche Touristen meinen noch immer, sie könnten so ein putziges Elch-Warnschild abmontieren und als nettes Souvenir mit nach Hause nehmen. Wenn du auch versucht bist, dies zu tun, dann, bitte, geh in den nächsten Souvenirshop und kauf dir dort dein Elchschild!
Wenn es zu einem Verkehrsunfall mit einem Elch kommt, dann sind das meist heftige Unfälle – nicht nur für den Elch, sondern auch für das Auto und die Insassen. Wird am Straßenrand also gewarnt, sollte dies ernst genommen werden. Vor allem in der Dämmerung sind die Elche unterwegs und gerade dann schlecht zu sehen.
Wer ein Elchschild abmontiert, gefährdet nicht nur Elche, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer!
Maut und kostenfreie Fähren
Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist das schwedische Straßennetz mautfrei. Nur in den Innenstädten von Stockholm und Göteborg und bei zwei Brücken in Motala und Sundsvall wird eine Mautgebühr fällig.
Um den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren, haben die Städte Stockholm und Göteborg die sog. trängselskatt eingeführt. An den Kontrollpunkten stehen elektronische Tafeln, die anzeigen, wie hoch die Gebühr ist. Das Bezahlen der Gebühren ist denkbar einfach: Das Autokennzeichen wird bei der Durchfahrt automatisch registriert und nach einiger Zeit flattert ein Brief mit der Rechnung ins Haus.
Auch bei den Brücken bei Motala am Vätternsee und der Sundsvallbrücke (Autobahn E4) werden Gebühren fällig, die auf gleiche Weise wie die Citymaut-Gebühren eingezogen werden. Als Besitzer eines ausländischen Fahrzeugs gibt es also nicht mehr zu tun, als die Rechnung zu begleichen, sobald sie kommt.
Kostenlos hingegen sind häufig die vielen gelben Fähren, die das Vägverket an der Küste betreibt, beispielsweise zu den nördlichen Göteborger Schären oder einige Boote innerhalb der Stockholmer Schären. Doch manche Fähren kosten auch etwas. Die Kreditkarte bereitzuhalten, kann daher nicht verkehrt sein.
Autofahren ist in Schweden insgesamt also sehr entspannt. Und immer wieder auch sehr amüsant! Denn die Schweden haben einen wirklich tollen Humor, wenn es um die Gestaltung von Verkehrsschildern geht. Vielleicht entdeckst du ja ein paar lustige. Ansonsten bekommst du hier einen kleinen Vorgeschmack:
Beitragsbild: Cecilia Larsson Lantz / imagebank.sweden.se


Auf Deutschen Straßen benehmen sich Schweden nicht so! Erst kürzlich auf der A5, (beschränkt auf 130Km) drängeln und Lichthupe. Ein „1ser“ mit schwedischer Autonummer! So viel zu Schweden und entspannt Autofahren!
Das war bestimmt ein Deutscher im schwedischen Auto drinne.