Fasziniert vom einfachen, naturnahen Leben und auf der Suche nach mehr Freiheit für ihre Ponys und Hunde wollten Angelika und Tobias ursprünglich nach Kanada auswandern. Gelandet sind sie jedoch in Småland, wo sie nun ganz nach dem Motto „Das Leben ist ein Ponyhof!“ ihr kleines Ponyparadies aufbauen.Das ist ihre Geschichte:
Auf Zuruf galoppieren die drei Ponys von der Weide auf den Sandpaddock und holen sich ihr Futter aus farbigen Plastikschüsseln ab. Am Zaun stehen bereits zwei Kinder. Mit glänzenden Augen beobachten sie die Ponys und kommentieren aufgeregt das Geschehen. Sie haben ein zweistündiges Pony-Trekking durch den schwedischen Wald gebucht. Gleich werden sie die Ponys kennenlernen und putzen, bevor es dann losgeht auf das kleine Abenteuer bei uns auf Gingas Gård.
„Was hat euch eigentlich ausgerechnet aus der schönen Schweiz nach Schweden verschlagen?“, fragt der Vater der Mädchen. Eine Frage, die wir diesen Sommer schon oft gehört haben und nicht müde werden zu beantworten. Ist sie doch nur allzu verständlich, wenn man bedenkt, dass die Schweiz, wo wir herkommen, für viele andere Menschen ebenfalls ein Sehnsuchtsland darstellt.
Angelika und Tobi sind aus der Schweiz nach Schweden ausgewandert.
Warum nach Schweden?
Dabei hatte ich, und vor allem auch mein Mann Tobias, Schweden eigentlich gar nicht auf dem Schirm, wenn es ums Auswandern ging. Vielmehr sind wir beide schon lange fasziniert vom wunderschönen Kanada, in dem wir beide bereits viel Zeit verbracht hatten. Das mit dem Auswandern nach Schweden war dann eine ziemlich spontane Entscheidung. Tobi war nämlich, bis drei Monate bevor wir unseren Hof in Småland kauften, noch gar nie in Schweden. Ich selbst wäre 2019 schon mal fast in Schweden hängen geblieben. Damals habe ich nach einem Sommer in Kanada den Winter auf Melanies Ranch52 hier in Småland verbracht und ihr beim Trainieren der Pferde geholfen. Ich wäre damals schon gerne geblieben. Es fehlten mir aber schlussendlich alleine der Mut und das Geld und ich ging zurück in die Schweiz.
Die Sehnsucht nach dem Norden ließ mich aber nie mehr ganz los. Und als ich dann 2023 Tobi kennenlernte, fand ich in ihm einen Mann, der verrückt genug war, mit mir dieses Abenteuer anzugehen. Wenn Tobi und ich nämlich eines gemeinsam haben, dann den Drang, Dinge auch wirklich umzusetzen und nicht nur darüber zu reden. Wir visionieren gerne groß und selten bleibt es dann nur bei den Visionen im Kopf. So fiel die Entscheidung, dass es Schweden werden sollte, knapp zwei Stunden, nachdem Tobi das erste Mal schwedischen Boden betreten hatte und ihn die Umgebung so sehr an Kanada erinnerte. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir jedoch noch nicht ahnen, wie sehr dieser spontane Kurzurlaub Ende Dezember 2023 unser Leben wirklich verändern würde.
Direkter Zugang zur Natur
Wenn ich heute in unserem schwedischen Zuhause mit unseren Hunden durch den eingezäunten Garten renne oder unsere Ponys auf der großen Weide herumtollen sehe, frage ich mich oft, wie wir uns davor so lange mit weniger als dieser Freiheit, diesem Platzangebot und dem direkten Zugang in die Natur zufrieden geben konnten. Unvorstellbar, dass mein Tinker-Wallach, den ich aus der Schweiz mitgebracht habe, vorher den größten Teil seines Lebens in einer kleinen Auslaufbox verbrachte und unsere frühere Wohnung nicht mal einen Balkon hatte.
Die Ponys haben auf Gingas Gård viel Platz.
Das Leben in der Schweiz war ein komplett anderes. Wir lebten alle in viel beengteren Verhältnissen, mit weniger Verbindung zur Natur. Unseren Wunsch nach einem möglichst naturnahen Leben, den Pferden am Haus, Platz, um sich kreativ auszuleben und einem großen Garten sahen wir in der Schweiz aus finanzieller Sicht für uns nicht umsetzbar. Hier in Schweden kann dieser lange gehegte Traum vom eigenen Ponyhof nun Wirklichkeit werden.
Werbung:
2024 geht alles ganz schnell.
Etwas Wertvolles, was man bei so einem großen Abenteuer wie dem Auswandern im Heimatland zurücklässt, das sind Freunde und Familie. Aus unserer Sicht ist dies wohl auch das, was am meisten schmerzt und was wir aus dem alten Daheim am meisten vermissen. Da wir beide schon öfters vom Auswandern gesprochen hatten, waren unsere Liebsten glücklicherweise nicht ganz so überrascht, als wir ihnen Anfang 2024 von unseren Plänen berichteten. Nur, dass wir schon im Herbst 2024 weg sein wollten, das fanden einige dann doch etwas überstürzt.
Angedacht war das Ganze ursprünglich auch nicht ganz so rasch, wäre uns nicht der Zufall oder das Schicksal, wie auch immer man es nennen mag, dazwischengekommen. Am letzten Tag des besagten Kurzurlaubs in Schweden fuhren wir nämlich bei Melanie auf der Ranch52 vorbei. Ich wollte mit ihr einen Ausritt machen. Als wir ihr von unseren Gedanken ans Auswandern nach Schweden berichteten, nahm alles seinen Lauf. Heute leben wir nur knapp 6 km Luftlinie von Melanie entfernt auf unserem eigenen Hof. Damals wollte ein guter Freund von ihr ihn gerade ganz frisch verkaufen.
Glückliche Kinder auf dem Ponyrücken
Direkt nach dem Besuch bei ihr schauten wir uns unser heutiges Zuhause von außen an und waren sofort verliebt. Entstanden ist eine Win-Win-Situation, in der wir uns gegenseitig mit den Pferden unterstützen können und ich mit dem Ponyreiten für Kinder eine Angebotslücke schließen konnte, nach der Melanie schon länger Ausschau hielt.
Angelika und Tobias berichten auch im Elchkuss-Podcast von ihrer Auswanderung. Hör gerne rein!
Auswandern in kurzer Zeit
Die unheimlich kurze Vorbereitungszeit von wenigen Monaten, vom Hauskauf bis zur Auswanderung, haben uns als Paar vor einige administrative, körperliche und nicht zu vergessen emotionale Herausforderungen gestellt. Dabei war vor allem der ganze Papierkrieg zwischen dem Nicht-EU-Land Schweiz und Schweden als Teil der EU eine besondere Hürde. Erst recht, weil wir mit einem Pferd auswanderten und zum Zeitpunkt der Auswanderung noch sehr wenig Schwedisch sprachen.
Im August 2024 mischten sich große Vorfreude auf das neue Leben in Schweden, Umzugschaos und Abschiedsschmerz von Freunden und Familie. Wir durchlebten eine Zeit voller Höhen und Tiefen. Den Umzug unseres Hausstandes machten wir mit unserem Pferdetransporter. Mein Pferd ließen wir aufgrund vieler administrativer Vorgaben von einem professionellen Transportunternehmen nach Schweden fahren. Ende September 2024 waren wir, zusammen mit unseren zwei Hunden und unserem Pferd, dann endlich alle glücklich vereint in unserem neuen schwedischen Zuhause.
Heute, ein Jahr später, scheinen all die Erlebnisse, die damals in hoher Geschwindigkeit auf uns einprasselten, lange her. Wir wussten damals auch noch nicht, dass es nochmals fast sechs Monate dauern würde, bis wir endlich unsere Personennummer und ein schwedisches Bankkonto besitzen würden. Der uns noch unbekannte Papierdschungel ging in Schweden erstmal munter weiter und wir lernten schnell, dass vieles in Schweden etwas langsamer läuft, als wir es aus der Schweiz gewohnt waren. Doch genau wegen diesem entschleunigten Leben waren wir ja auch ausgewandert und so übten wir uns in Geduld.
Beim Ausritt kommt man auch an einem idyllisch gelegenen See im Wald vorbei.
Ein Ponyhof als Ort der Begegnung
Auf unserem frisch übernommenen Hof gab und gibt es dann auch genug zu tun. Hier wollen wir einen Ort der Begegnung für Mensch und Tier aufbauen. Für unsere kleine Ponyherde, die im letzten Jahr nach und nach entstand und auch noch weiter wachsen soll, haben wir einen Offenstall mit Paddock-Trail gebaut, auf dem die Pferde sich frei bewegen können.
Mit meiner Erfahrung als Sozialpädagogin und im pferdegestützten Coaching habe ich begonnen, Pony-Erlebnisse für Kinder und Erwachsene anzubieten. Tobi und ich finden es großartig, Familien mit ihren Kindern zusammen mit den Ponys durch den schwedischen Wald zu führen und ihnen so die Liebe zu den Pferden und zur Natur näherzubringen. Für Tobi, der sich als Programmierer hier in Schweden selbständig gemacht hat, sind die Spaziergänge auch eine willkommene Abwechslung. Und wir finden es schön, die glänzenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie sich auf dem Rücken der Ponys durch den Wald tragen lassen.
Neben den Ponyerlebnissen haben wir einen großen Garten angelegt, der uns mit eigenem Gemüse versorgt. Die erste Ernte war in diesem Jahr schon mal vielversprechend. Wenn das auch im nächsten Jahr so ist, wollen wir dann eine kleine Gårdsbutik, einen Hofladen, eröffnen.
Leben auf dem Ponyhof ganz nah an und in der Natur
Unser Leben auf dem Hof ist nun sehr nahe an der Natur und wir können viel Zeit mit unseren Tieren draußen in den Wäldern verbringen. Nach dem ersten arbeitsreichen Sommer freuen wir uns nun auf einen etwas ruhigeren Winter, in dem ich weiter an meinem Angebot für pferdegestütztes Coaching und einem Online-Coaching-Format feilen und Tobi sich voll und ganz dem Programmieren widmen kann. Wir fühlen uns reich beschenkt von all dem Schönen, das sich durch unseren Mut ergeben hat. Von der Verbundenheit zur wunderschönen, wilden Natur um uns herum und unseren Tieren. Vom Gemüse, für dessen Anbau wir nun endlich Zeit und Raum haben, und über jedes Ei, das unsere Hühner legen. Wir lernen fleißig Schwedisch und erkunden mit unseren Hunden und Pferden die Umgebung. Wir schließen Freundschaften und kommen an. Schweden ermöglicht uns das Erschaffen eines Lebenstraums, ganz nahe an der Natur, zusammen mit unseren Tieren und dafür sind wir unheimlich dankbar.
Angelika und Tobi sind glücklich in Schweden – bei so viel Natur kein Wunder.
Dass wir am richtigen Ort gelandet sind und das Richtige tun, bestätigen mir auch die leuchtenden Kinderaugen, wenn sie müde, aber glücklich vom Rücken eines unserer Ponys rutschen, wenn wir nach einem Ausritt wieder auf Gingas Gård ankommen. Die Ponys kauen dann genüsslich und ebenso zufrieden ihr Heu und werden von den Kindern nochmals gebürstet. Die Stimmung ist entspannt und alle scheinen erfüllt von den schönen Momenten, die sie mit den Ponys erleben konnten. Der Alltag und die Sorgen der Kinder scheinen dann weit weg und es ist so ein richtiger „Ponyhof-Augenblick“, in dem sich alle für einen Moment einig sind: Auf Gingas Gård ist das Leben ein Ponyhof!
Tipps fürs Auswandern:
Was wäre, wenn wir nochmals auswandern würden. Würden wir es genauso machen – oder doch anders? Das würden wir wohl anders angehen:
Wir würden uns schneller gutes und dadurch oft teureres Werkzeug anschaffen. Wir haben aus finanziellen Überlegungen oft lange gewartet, bis wir uns für einen guten Traktor oder einen leistungsstarken Rasenmäher entschieden haben. Auf dem Hof gibt es sehr viel Arbeit und man ist um Unterstützung froh. Am Ende kauft man sowieso.
Die Entscheidung, unser Pferd mit einem professionellen Transportunternehmen zu transportieren, von Anfang an treffen. Wir wollten unser Pferd selbst aus der Schweiz in den Norden fahren und die Abklärungen und Organisation dieses Unterfangen haben uns viele Nerven gekostet. Am Ende brauchten wir doch ein Transportunternehmen. Es lohnt sich, den Transport von kompliziertem Umzugsgut abzugeben, auch wenn es teurer ist.
Und was würden wir immer wieder genauso machen:
Relativ spontan und in kurzer Zeit auswandern. Unser Hof ist zwar nicht perfekt und es gibt Dinge, die nicht 100% für uns passen. Trotzdem würden wir uns wieder für die Art und Weise unserer Auswanderung entscheiden. Hätten wir weiter nach einem vermeintlich besser passenden Hof gesucht, wären wir vermutlich heute immer noch in der Schweiz und nicht ausgewandert.
Uns akribisch um die ganze Bürokratie rund ums Auswandern kümmern. Gerade bei einer Auswanderung aus der Schweiz nach Schweden gibt es viel komplizierte Bürokratie. Es ist unumgänglich, sich nicht an die Vorgaben zu halten und „einfach mal zu machen“.
In eine Region auswandern, in der wir schon soziale Kontakte hatten. Vor Ort schon jemanden zu kennen, gerade wenn man mit Pferd auswandert, war für uns immer wieder Gold wert und können wir daher nur empfehlen.
Hier gelangst du zu Angelikas und Tobis Ponyhof Gingas Gård in Urshult / Småland: www.gingasgard.se
Fasziniert vom einfachen, naturnahen Leben und auf der Suche nach mehr Freiheit für ihre Ponys und Hunde wollten Angelika und Tobias ursprünglich nach Kanada auswandern. Gelandet sind sie jedoch in Småland, wo sie nun ganz nach dem Motto „Das Leben ist ein Ponyhof!“ ihr kleines Ponyparadies aufbauen. Das ist ihre Geschichte:
Auf Zuruf galoppieren die drei Ponys von der Weide auf den Sandpaddock und holen sich ihr Futter aus farbigen Plastikschüsseln ab. Am Zaun stehen bereits zwei Kinder. Mit glänzenden Augen beobachten sie die Ponys und kommentieren aufgeregt das Geschehen. Sie haben ein zweistündiges Pony-Trekking durch den schwedischen Wald gebucht. Gleich werden sie die Ponys kennenlernen und putzen, bevor es dann losgeht auf das kleine Abenteuer bei uns auf Gingas Gård.
„Was hat euch eigentlich ausgerechnet aus der schönen Schweiz nach Schweden verschlagen?“, fragt der Vater der Mädchen. Eine Frage, die wir diesen Sommer schon oft gehört haben und nicht müde werden zu beantworten. Ist sie doch nur allzu verständlich, wenn man bedenkt, dass die Schweiz, wo wir herkommen, für viele andere Menschen ebenfalls ein Sehnsuchtsland darstellt.
Warum nach Schweden?
Dabei hatte ich, und vor allem auch mein Mann Tobias, Schweden eigentlich gar nicht auf dem Schirm, wenn es ums Auswandern ging. Vielmehr sind wir beide schon lange fasziniert vom wunderschönen Kanada, in dem wir beide bereits viel Zeit verbracht hatten. Das mit dem Auswandern nach Schweden war dann eine ziemlich spontane Entscheidung. Tobi war nämlich, bis drei Monate bevor wir unseren Hof in Småland kauften, noch gar nie in Schweden. Ich selbst wäre 2019 schon mal fast in Schweden hängen geblieben. Damals habe ich nach einem Sommer in Kanada den Winter auf Melanies Ranch52 hier in Småland verbracht und ihr beim Trainieren der Pferde geholfen. Ich wäre damals schon gerne geblieben. Es fehlten mir aber schlussendlich alleine der Mut und das Geld und ich ging zurück in die Schweiz.
Die Sehnsucht nach dem Norden ließ mich aber nie mehr ganz los. Und als ich dann 2023 Tobi kennenlernte, fand ich in ihm einen Mann, der verrückt genug war, mit mir dieses Abenteuer anzugehen. Wenn Tobi und ich nämlich eines gemeinsam haben, dann den Drang, Dinge auch wirklich umzusetzen und nicht nur darüber zu reden. Wir visionieren gerne groß und selten bleibt es dann nur bei den Visionen im Kopf. So fiel die Entscheidung, dass es Schweden werden sollte, knapp zwei Stunden, nachdem Tobi das erste Mal schwedischen Boden betreten hatte und ihn die Umgebung so sehr an Kanada erinnerte. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir jedoch noch nicht ahnen, wie sehr dieser spontane Kurzurlaub Ende Dezember 2023 unser Leben wirklich verändern würde.
Direkter Zugang zur Natur
Wenn ich heute in unserem schwedischen Zuhause mit unseren Hunden durch den eingezäunten Garten renne oder unsere Ponys auf der großen Weide herumtollen sehe, frage ich mich oft, wie wir uns davor so lange mit weniger als dieser Freiheit, diesem Platzangebot und dem direkten Zugang in die Natur zufrieden geben konnten. Unvorstellbar, dass mein Tinker-Wallach, den ich aus der Schweiz mitgebracht habe, vorher den größten Teil seines Lebens in einer kleinen Auslaufbox verbrachte und unsere frühere Wohnung nicht mal einen Balkon hatte.
Das Leben in der Schweiz war ein komplett anderes. Wir lebten alle in viel beengteren Verhältnissen, mit weniger Verbindung zur Natur. Unseren Wunsch nach einem möglichst naturnahen Leben, den Pferden am Haus, Platz, um sich kreativ auszuleben und einem großen Garten sahen wir in der Schweiz aus finanzieller Sicht für uns nicht umsetzbar. Hier in Schweden kann dieser lange gehegte Traum vom eigenen Ponyhof nun Wirklichkeit werden.
Werbung:
2024 geht alles ganz schnell.
Etwas Wertvolles, was man bei so einem großen Abenteuer wie dem Auswandern im Heimatland zurücklässt, das sind Freunde und Familie. Aus unserer Sicht ist dies wohl auch das, was am meisten schmerzt und was wir aus dem alten Daheim am meisten vermissen. Da wir beide schon öfters vom Auswandern gesprochen hatten, waren unsere Liebsten glücklicherweise nicht ganz so überrascht, als wir ihnen Anfang 2024 von unseren Plänen berichteten. Nur, dass wir schon im Herbst 2024 weg sein wollten, das fanden einige dann doch etwas überstürzt.
Angedacht war das Ganze ursprünglich auch nicht ganz so rasch, wäre uns nicht der Zufall oder das Schicksal, wie auch immer man es nennen mag, dazwischengekommen. Am letzten Tag des besagten Kurzurlaubs in Schweden fuhren wir nämlich bei Melanie auf der Ranch52 vorbei. Ich wollte mit ihr einen Ausritt machen. Als wir ihr von unseren Gedanken ans Auswandern nach Schweden berichteten, nahm alles seinen Lauf. Heute leben wir nur knapp 6 km Luftlinie von Melanie entfernt auf unserem eigenen Hof. Damals wollte ein guter Freund von ihr ihn gerade ganz frisch verkaufen.
Direkt nach dem Besuch bei ihr schauten wir uns unser heutiges Zuhause von außen an und waren sofort verliebt. Entstanden ist eine Win-Win-Situation, in der wir uns gegenseitig mit den Pferden unterstützen können und ich mit dem Ponyreiten für Kinder eine Angebotslücke schließen konnte, nach der Melanie schon länger Ausschau hielt.
Angelika und Tobias berichten auch im Elchkuss-Podcast von ihrer Auswanderung. Hör gerne rein!
Auswandern in kurzer Zeit
Die unheimlich kurze Vorbereitungszeit von wenigen Monaten, vom Hauskauf bis zur Auswanderung, haben uns als Paar vor einige administrative, körperliche und nicht zu vergessen emotionale Herausforderungen gestellt. Dabei war vor allem der ganze Papierkrieg zwischen dem Nicht-EU-Land Schweiz und Schweden als Teil der EU eine besondere Hürde. Erst recht, weil wir mit einem Pferd auswanderten und zum Zeitpunkt der Auswanderung noch sehr wenig Schwedisch sprachen.
Im August 2024 mischten sich große Vorfreude auf das neue Leben in Schweden, Umzugschaos und Abschiedsschmerz von Freunden und Familie. Wir durchlebten eine Zeit voller Höhen und Tiefen. Den Umzug unseres Hausstandes machten wir mit unserem Pferdetransporter. Mein Pferd ließen wir aufgrund vieler administrativer Vorgaben von einem professionellen Transportunternehmen nach Schweden fahren. Ende September 2024 waren wir, zusammen mit unseren zwei Hunden und unserem Pferd, dann endlich alle glücklich vereint in unserem neuen schwedischen Zuhause.
Heute, ein Jahr später, scheinen all die Erlebnisse, die damals in hoher Geschwindigkeit auf uns einprasselten, lange her. Wir wussten damals auch noch nicht, dass es nochmals fast sechs Monate dauern würde, bis wir endlich unsere Personennummer und ein schwedisches Bankkonto besitzen würden. Der uns noch unbekannte Papierdschungel ging in Schweden erstmal munter weiter und wir lernten schnell, dass vieles in Schweden etwas langsamer läuft, als wir es aus der Schweiz gewohnt waren. Doch genau wegen diesem entschleunigten Leben waren wir ja auch ausgewandert und so übten wir uns in Geduld.
Ein Ponyhof als Ort der Begegnung
Auf unserem frisch übernommenen Hof gab und gibt es dann auch genug zu tun. Hier wollen wir einen Ort der Begegnung für Mensch und Tier aufbauen. Für unsere kleine Ponyherde, die im letzten Jahr nach und nach entstand und auch noch weiter wachsen soll, haben wir einen Offenstall mit Paddock-Trail gebaut, auf dem die Pferde sich frei bewegen können.
Mit meiner Erfahrung als Sozialpädagogin und im pferdegestützten Coaching habe ich begonnen, Pony-Erlebnisse für Kinder und Erwachsene anzubieten. Tobi und ich finden es großartig, Familien mit ihren Kindern zusammen mit den Ponys durch den schwedischen Wald zu führen und ihnen so die Liebe zu den Pferden und zur Natur näherzubringen. Für Tobi, der sich als Programmierer hier in Schweden selbständig gemacht hat, sind die Spaziergänge auch eine willkommene Abwechslung. Und wir finden es schön, die glänzenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie sich auf dem Rücken der Ponys durch den Wald tragen lassen.
Neben den Ponyerlebnissen haben wir einen großen Garten angelegt, der uns mit eigenem Gemüse versorgt. Die erste Ernte war in diesem Jahr schon mal vielversprechend. Wenn das auch im nächsten Jahr so ist, wollen wir dann eine kleine Gårdsbutik, einen Hofladen, eröffnen.
Leben auf dem Ponyhof ganz nah an und in der Natur
Unser Leben auf dem Hof ist nun sehr nahe an der Natur und wir können viel Zeit mit unseren Tieren draußen in den Wäldern verbringen. Nach dem ersten arbeitsreichen Sommer freuen wir uns nun auf einen etwas ruhigeren Winter, in dem ich weiter an meinem Angebot für pferdegestütztes Coaching und einem Online-Coaching-Format feilen und Tobi sich voll und ganz dem Programmieren widmen kann. Wir fühlen uns reich beschenkt von all dem Schönen, das sich durch unseren Mut ergeben hat. Von der Verbundenheit zur wunderschönen, wilden Natur um uns herum und unseren Tieren. Vom Gemüse, für dessen Anbau wir nun endlich Zeit und Raum haben, und über jedes Ei, das unsere Hühner legen. Wir lernen fleißig Schwedisch und erkunden mit unseren Hunden und Pferden die Umgebung. Wir schließen Freundschaften und kommen an. Schweden ermöglicht uns das Erschaffen eines Lebenstraums, ganz nahe an der Natur, zusammen mit unseren Tieren und dafür sind wir unheimlich dankbar.
Dass wir am richtigen Ort gelandet sind und das Richtige tun, bestätigen mir auch die leuchtenden Kinderaugen, wenn sie müde, aber glücklich vom Rücken eines unserer Ponys rutschen, wenn wir nach einem Ausritt wieder auf Gingas Gård ankommen. Die Ponys kauen dann genüsslich und ebenso zufrieden ihr Heu und werden von den Kindern nochmals gebürstet. Die Stimmung ist entspannt und alle scheinen erfüllt von den schönen Momenten, die sie mit den Ponys erleben konnten. Der Alltag und die Sorgen der Kinder scheinen dann weit weg und es ist so ein richtiger „Ponyhof-Augenblick“, in dem sich alle für einen Moment einig sind: Auf Gingas Gård ist das Leben ein Ponyhof!
Tipps fürs Auswandern:
Was wäre, wenn wir nochmals auswandern würden. Würden wir es genauso machen – oder doch anders? Das würden wir wohl anders angehen:
Und was würden wir immer wieder genauso machen:
Hier gelangst du zu Angelikas und Tobis Ponyhof Gingas Gård in Urshult / Småland: www.gingasgard.se
Werbung:
⇐ zurück zur Übersicht
Du bist selbst nach Schweden ausgewandert oder hast es vor? Was sind deine Erfahrungen? Hinterlasse gerne einen Kommentar!
Alle Bilder in diesem Artikel: Angelika Wirz und Tobias Zimmermann