Gleich zu Beginn wartet ein erstes spielerisches Highlight: ein riesiger Nicht-den-Boden-berühren-Pfad. Pippi lässt grüßen. Nur wenige Meter später wird auf einer kleinen Bühne „Mio mein Mio“ aufgeführt. Kurz darauf treffen wir auf einen weißen Schimmel mit schwarzen Punkten: Kleiner Onkel wartet auf seinen Auftritt, den er gleich auf der Pippi-Bühne haben wird. Schon auf den ersten Metern in Astrid Lindgrens Värld in Vimmerby ist einiges los. Spielen, Theater erleben, Kulissen entdecken – hier kann man sich voll und ganz in Astrid Lindgrens fantastische Geschichten begeben. Ein Erlebnis der besonderen Art. Aber lohnt der teure Eintritt?
Vimmerby wäre ohne Astrid Lindgren nicht nichts, aber nur eine kleine unbedeutende Stadt in Småland. Dank Astrid Lindgren ist der Ort aber ein Zentrum des Tourismus, ein lebendiger Ort, in dem man mehrere Urlaubstage problemlos mit Abenteuern und Unternehmungen füllen kann.

Heute leben etwas mehr als 8000 Einwohner in Vimmerby, vor mehr als hundert Jahren, als Astrid Anna Emilia Ericsson hier geboren wurde und aufwuchs, waren es bedeutend weniger. Und auch wenn diese Astrid, die später als Astrid Lindgren zur berühmtesten Kinderbuchautorin der Welt aufsteigen sollte, als junge Frau Vimmerby verließ und nach Stockholm zog, blieb sie ihrer småländischen Heimat doch immer verbunden.
Unterkünfte in Vimmerby finden
Vimmerby dankte es der berühmtesten Tochter der Stadt mit einem ganz besonderen Vergnügungs- und Theaterpark: mit Astrid Lindgrens Värld.
Vom „Sagobyn“ zu Astrid Lindgrens Värld
Seinen Anfang nahm dieser Park im Jahr 1981. Damals taten sich die drei Familien Isaksson, Jalminger und Soowik zusammen und bauten den Katthult-Hof im Maßstab 1:3 nach. Das war der Startschuss für das „Sagobyn“ („Märchendorf“), das sie erschaffen wollten, indem sie die Gebäude aus den Lindgren-Geschichten nachbauten. Weitere Häuser, alle ebenfalls im Maßstab 1:3, folgten.

Dieses märchenhafte Dorf zog immer mehr Besucher an. Irgendwann so viele, dass es für die drei Familien zu viel wurde. Sie verkauften ihren kleinen Park 1989 an den Riquma-Konzern. Die neuen Eigentümer gründeten die Astrid Lindgrens Värld AB, schossen frisches Geld hinzu, der Park wuchs, wurde immer professioneller und erhielt seinen heutigen Namen. Neue Gebäude wurden errichtet – jetzt auch im Maßstab 1:1. Zunächst wuchs das Heckenrosental aus „Die Brüder Löwenherz“ heran, dann – 1991 – die „Bråkmakargatan“, die Krachmacherstraße aus den Lotta-Geschichten. Sie bildete auch die Filmkulisse für die Verfilmung von Lotta. Noch heute bildet die Bråkmakargatan – jetzt komplementiert mit der Skolgatan – den Eingangsbereich des Themenparks mit Geschäften, Restaurants und Bäckerei.
Später übernahm die Kommune Vimmerby den Park und noch heute ist sie zumindest kleiner Anteilseigner an Astrid Lindgrens Värld. Neue Kulissen entstanden, so wurde die Villa Kunterbunt zunächst mit einem See erweitert, auf dem Pippis Vater ansegeln und seine Tochter besuchen kann, später eine neue Villa Kunterbunt errichtet. Zuletzt entstanden das Heckenrosen- und das Kirschblütental der „Brüder Löwenherz“ neu.
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Entdecken der Spielorte vieler Lindgren-Geschichten
Heute umfasst der Park ein riesiges Gelände. Herzstück sind die Kulissen aus den verschiedenen Lindgren-Geschichten. Viele sind lebensecht nachgebaut, andere in Miniatur, aber alle sind zugänglich (bei denen in Miniatur mit gewissen Nachteilen für Erwachsene …). So kann man über den Katthult-Hof schlendern, die verwinkelte Mattisburg aus „Ronja Räubertochter“ erkunden, nach dem Drachen Katla aus „Die Brüder Löwenherz“ suchen oder sich in der Villa Kunterbunt umschauen.

Das Herzstück von Astrid Lindgren Värld: die Theateraufführungen
Viele Orte sind zugleich auch Bühnen, auf denen mehrmals am Tag Episoden aus den Geschichten nachgespielt werden. Diese sind zwar auf Schwedisch, normalerweise aber auch für Kinder, die kein Schwedisch können, ein großes Vergnügen. Gerade die Pippi-Geschichten funktionieren sehr gut auch ohne Sprachkenntnisse. Bei anderen, zum Beispiel aus „Ronja Räubertochter“ oder „Die Brüder Löwenherz“, kann es mitunter etwas schwer werden. Ein Erlebnis sind die Theateraufführungen aber allemal. Sie haben Witz, können spannend sein, Special-Effects kommen ebenso vor wie echte Tiere, vor allem Pferde.
Bei unserem letzten Besuch, da war unser Sohn sechs Jahre alt, haben wir im Grunde nur Theateraufführungen besucht. Die Spielplätze waren plötzlich völlig uninteressant.

Toll ist auch, dass die HauptdarstellerInnen zu gewissen Zeiten zwischen den Aufführungen bei sich „zuhause bleiben“. Dann können die Kinder zu den Darstellerinnen und Darstellern auf die Bühne, mit ihnen quatschen, spielen und kleine Abenteuer erleben. Unser Sohn kochte so einmal zusammen mit Pippi eine magische Suppe, die allerdings den Seeräuber Fridolf in das Pferd „Kleiner Onkel“ verwandelte. Ein großer Spaß und unvergessen für unseren Sohn.
Neben den Kulissen und Theateraufführungen gibt es mehrere Spielplätze, viele Kioske, an denen man sich stärken kann, Möglichkeiten für Picknick und Eis, und auch das Shoppingherz kann höher schlagen, denn selbstverständlich wartet am Ende unglaublich viel Lindgren-Merch.
Überall gibt es etwas zu entdecken, überall etwas zu erleben.

Lohnt sich der teure Eintritt?
Viele sind sich dennoch unsicher, ob sie Astrid Lindgren Värld besuchen sollen. Schließlich ist der Eintritt nicht ganz ohne. Der Park hat von Mitte Mai bis Mitte August geöffnet (plus einige Wochenenden im Spätsommer und in den Herbstferien). In der Vorsaison bis Mitte Juni kostet das Tagesticket 410 Kronen für Kinder von 3 bis 14 Jahren und 540 Kronen für Jugendliche und Erwachsene. In der Hauptsaison von Mitte Juni bis Mitte August liegen die Preise bei 430 Kronen für die Kleinen und 565 Kronen für die Älteren. Bei den Zwei- und Dreitagestickets spart man ein bisschen, allerdings nicht allzu viel. Hinzu kann noch das Parkticket in Höhe von 85 Kronen kommen. Eine vierköpfige Familie zahlt so schon mal schnell über 2000 Kronen für einen Tag (etwa 185 Euro).
Das ist zweifelsohne viel Geld. Aber Geld, das sich lohnt. Zum einen sind andere Vergnügungs- und Erlebnisparks oft noch teurer, es ist also nicht ungewöhnlich, so viel Geld hinzublättern. Zum anderen – und das ist das Entscheidende – lohnt der Eintritt in die Astrid Lindgrens Värld, weil der Park so unglaublich schön gestaltet und mit so viel Liebe lebendig gehalten wird. Die Theateraufführungen sind durch die Bank gut und sehenswert. Der Besuch ist ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt. Ich kann mich bis heute an Besuche Anfang der 1990er Jahre erinnern. Da war der Park noch viel kleiner, und schon da hat er nachhaltig auf mich gewirkt.
Klar ist auch, dass man sich den ganzen Tag Zeit nehmen sollte. In nur drei oder vier Stunden hindurchzuhetzen, ist keine gute Idee. Das Zweitagestickets kann sich lohnen, wenn man möglichst viele Stücke sehen möchte.
Astrid Lindgrens Värld lohnt daher definitiv den Eintritt. Es ist ein wunderschöner Park, besonders natürlich für all jene, die die Lindgren-Geschichten kennen und lieben, doch nicht nur für sie. Für Kinder ist er ein großes Erlebnis, aber wir waren schon mehrfach ohne Kinder da, und auch dann kann man hier herrliche Tage verbringen.
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Öffnungszeiten 2026:
Täglich geöffnet von 13. Mai bis 16. August. Anschließend bis 20. September von Freitag bis Sonntag sowie während der schwedischen Herbstferien, jeweils 10-18 Uhr.
Die Tickets und auch das Parkticket können online auf der Seite der Astrid Lindgrens Värld gekauft werden.
Mit dem Ticket erhältst du 25% Rabatt beim Eintritt ins Astrid Lindgren-Museum Näs in Vimmerby.
Beitragsbild: Magnus Römbo / Astrid Lindgrens Värld

