Schwedisch Sprache

Alter Schwede!

Alter Schwede

In deinem Wohnzimmer steht vielleicht ein Schwedenofen. Draußen am Lagerfeuer wärmt hingegen ein Schwedenfeuer. Bist du krank, kann Schwedenbitter helfen. Ein Schwedenrätsel hilft hingegen eher gegen Langeweile. Alter Schwede! Es gibt ganz schön viele Begrifflichkeiten und Redewendungen, die nach Schweden verweisen. Aber woher kommen ihre Namen?

Während man die Herkunft des Wortes „Schwedenrätsel“ nicht mehr rekonstruieren kann und es nur mehrere nicht belegbare Thesen gibt, ist es beim „Schwedenofen“ und „Schwedenbitter“ einfacher: Sowohl der Ofen als auch der Schnaps, dem heilende Wirkung zugeschrieben wird, stammen aus Schweden. Daher der Name.

Kulturtransfer im Dreißigjährigen Krieg – nicht immer im positiven Sinne

Auch das „Schwedenfeuer“ wurde aus Schweden eingeführt. Anders als ein gewöhnliches Lagerfeuer besteht das Schwedenfeuer nur aus einem abgesägten, senkrecht aufgestellten Baumstamm, dessen Mitte ausgehöhlt wird. In diesen Raum wird nun mit Glut oder etwas anderem leicht Entzündlichen ein Feuer entfacht. Das „Schwedenfeuer“ ist kompakter, man muss nicht mühsam viel Brennholz heranschaffen, das Feuer ist leichter kontrollierbar, auf der flachen Oberfläche kann man auch kochen. Zudem kann das Holz auch feucht sein. Damit war es ideal für die schwedischen Soldaten, die im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) durch die deutschen Lande zogen. Seitdem kennt man es auch in Deutschland.

Seit diesem Krieg wissen die Deutschen auch, was ein „Schwedentrunk“ ist. Etwas Grauenvolles, Fürchterliches, Unmenschliches. Und, nein, es handelt sich dabei nicht um schwedischen Selbstgebrannten. Schlimmer. Denn die schwedischen Soldaten brachten nicht nur das „Schwedenfeuer“ mit, sondern auch diese Foltermethode. Durch einen Trichter wurde hierbei dem Opfer eine Flüssigkeit aus Jauche, Schmutzwasser, Urin und / oder Kot eingeflößt. Das war nicht nur ekelhaft, sondern verursachte schlimme Verätzungen der Speiseröhre und der Lunge sowie heftige Magenschmerzen. Verschärft wurde die Folter, wenn die Täter den Magen mit Brettern zusammenpressten oder auf dem Bauch des Opfers herumtrampelten.

Bei Grimmelshausens Roman aus dem Dreißigjährigen Krieg, dem „Simpliccissimus“, heißt es folgendermaßen: „Den Knecht legten sie gebunden auff die Erd, stecketen ihm ein Sperrholtz ins Maul und schütteten ihm einen Melckkübel voll garstig Mistlachenwasser in den Leib, das nenneten sie den schwedischen Trunck.“[1] Nicht selten starben die Armen, die diese Folter erleiden mussten. Bald schon wandten nicht nur die Schweden, sondern Soldaten aller Parteien den Schwedentrunk an.

Alter Schwede! – eine bald 400 Jahre alte Redewendung

„Alter Schwede“, möchte man ausrufen, wenn man von solchen grauslichen Geschichten hört. Dabei war es vielleicht sogar ein alter Schwede, der seinem Opfer den Schwedentrunk verpasste. Denn auch dieser Ausdruck stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Nach Kriegsende ließ der Kurfürst von Brandenburg ausgediente, aber erfahrene schwedische Soldaten als Ausbilder anwerben. Meist waren sie Unteroffiziere und schon bald unter dem Beinamen „alte Schweden“ bekannt.

Nichts mit dem Dreißigjährigen Krieg zu tun hat es, wenn du hinter „schwedischen Gardinen“ sitzen solltest. Schwedischer Stahl galt früher als besonders hart und stabil, weshalb viele Gitter in Gefängnissen aus diesem Stahl gefertigt wurden. Für die Inneneinrichtung sind schwedische Gardinen daher denkbar ungeeignet.

Also, Alter Schwede: Schwedenofen, Schwedenfeuer, Schwedenbitter und Schwedenrätsel sind in Ordnung. Aber Finger weg von Schwedentrunk und schwedischen Gardinen!

 

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[1] Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simpliccissimus. I. Buch, IV. Kapitel.